Gefahr von oben

„Fliegende Zecken“ in Deutschland: Blutsauger attackieren aus der Luft

Im Sommer sind es in erster Linie Zecken, die uns Menschen zu schaffen machen. Aber Zecken sind nicht die einzigen Parasiten, die auf Blut aus sind. Einige Blutsauger greifen aktuell sogar von oben an.

Deutschland – Denn zwischen August und Oktober hat die Hirschlausfliege Hochsaison. Wie der Name bereits sagt, bevorzugen die kleinen Parasiten Hirsche, Rehe, junge Wildschweine sowie weitere Säugetiere des Waldes. Besonders gefährdet sind daneben Haus- und Nutztiere wie Hunde, Pferde und Rinder. Aber die Blutsauger können auch Menschen befallen.

HirschlausfliegeFliege aus der Familie der Lausfliegen
wissenschaftlicher NameLipoptena cervi
Klasse Insekten

Blutsaugende Insekten – immer mehr Hirschlausfliegen in Deutschland

Die Hirschlausfliege lebt in den Wäldern Europas, Sibiriens und Nord-Chinas, erklärt parasitenportal.de. In Deutschland trifft man sie im Spätsommer und Herbst vor allem an Waldrändern oder nahe Weiden.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass es in Zukunft hierzulande immer mehr der Blutsauger geben wird. Grund dafür sei der Klimawandel. Denn die Larven der Hirschlausfliege, die im Boden überwintern, sind kälteempfindlich – bei frostigen Temperaturen sterben sie ab. Werden die Winter aber immer milder, können auch mehr Larven überleben und sich vermehren.

So war ihr Bestand auch im Hitze-Sommer 2018 besonders groß – erste Hirschlausfliegen wurden damals bereits im Mai gesichtet. Gegenüber Weather.com warnten Experten damals, dass die Parasiten sich in Deutschland immer weiter verbreiten werden.

Angriff von oben: Hirschlausfliegen werfen nach der Landung ihre Flügel ab

Hirschlausfliegen gehören zu den Lausfliegen, einer Familie Blut saugender Fliegen. Mit ihrem flachen, rotbraunen Körper sieht die circa fünf Millimeter lange Hirschlausfliege einigen Zeckenarten sehr ähnlich.

Ebenso wie bei diesen schwillt auch ihr Körper an, wenn sie Blut trinkt, berichtet parasitenportal.de. Der große Unterschied: Sie kann fliegen. Dementsprechend greifen die Blutsauger vornehmlich von oben an – bei Menschen ist insbesondere der Kopf- und Nackenbereich betroffen. Nach der Landung verwenden die Plagegeister einen ungewöhnlichen Trick: Sie werfen ihre Flügel ab.

Dann krabbeln sie blitzschnell über die Haut, um einen geeigneten Platz zu finden. Am liebsten sind den Parasiten dabei dichte Haare oder Fell, in denen sie sich mit ihren Beinkrallen festhalten. 

Die Hirschlausfliege trinkt auch Blut von Menschen. (Symbolbild)

Juckender Ausschlag möglich: Hirschlausfliegen sind wohl weniger gefährlich als Zecken

Betroffene berichten, dass der Biss schmerzhaft sein kann. Wie die Akademie für Tiernaturheilkunde erklärt, könne es außerdem innerhalb der nächsten drei Tage an der Einstichstelle zu einer allergischen Reaktion kommen: Die betroffene Stelle schwillt an und es bildet sich ein juckender oder schmerzender Ausschlag. Man spricht in diesem Zusammenhang von der „Hirschlaus-Dermatitis“.

So dramatisch das alles klingt: Im Gegensatz zu Zecken-Bissen, die dramatische Verläufe nach sich ziehen können, ist der Biss der Hirschlausfliege damit offenbar vergleichsweise harmlos. Menschen sind auch nicht ihre bevorzugten Wirte. Allerdings: Die Tierchen gelten als noch wenig erforscht.

Biss der Hirschlausfliege: Gefahr für den Menschen wird noch untersucht

So tragen sie oft ein Bakterium namens Bartonella schoenbuchensis in sich. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Frankfurt/Main konnten das Bakterium, das erst im Jahr 2001 entdeckt wurde, bei circa 90 Prozent der Hirschlausfliegen nachweisen.

Die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS) schließt nicht aus, dass die Bakterien auch auf den Menschen übertragen werden können. Die Datenlage ist dabei noch sehr dünn – und es gibt auch wenig Berichte von Betroffenen.

„Fliegende Zecken“: Bei Hunden und Pferden sind Hauterkrankungen und Fieber möglich

Bei Hunden und Pferden gilt es hingegen als sicher, dass die Bakterien durch einen Biss der Hirschlausfliege übertragen werden. Für die Tiere sind die Parasiten besonders unangenehm: Es kann zu eitrigen Hauterkrankungen kommen, die mit Fieber einhergehen können.

So warnt auch der bekannte Hunde-Experte Martin Rütter auf seiner Webseite eindringlich vor den blutsaugenden Insekten. Hunde, die von Hirschlausfliegen gebissen werden, reagierten oft panisch. Hundehalter sollten ihre Vierbeiner in der Hirschlaus-Saison daher nach jedem Spaziergang nicht nur nach Zecken, sondern auch nach Hirschlausfliegen, absuchen.

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