Mögliche Nebenwirkung?

Herzmuskelentzündung nach Biontech-Impfung: Experten klären Zusammenhang auf

Mögliche Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung werden aktuell besonders streng beobachtet. Kein Wunder, dass vermehrte Fälle von Herzmuskelentzündungen große Wellen schlagen.

Dortmund – Sie wurden sehr schnell entwickelt und sollen eine weltweite Pandemie stoppen: Corona-Impfstoffe. Daher verwundert es kaum, dass die Vakzine der verschiedenen Hersteller aktuell unter besonderer Beobachtung stehen und jede mögliche Nebenwirkung unter die Lupe genommen wird. So auch im aktuellen Fall von Biontech und Pfizer.

ImpfstoffComirnaty
HerstellerBiontech und Pfizer
Art des ImpfstoffesmRNA

Impfstoff von Biontech und Pfizer: Guter Schutz und kaum Nebenwirkungen – bis jetzt?

Bisher galt der mRNA-Impfstoff des deutschen Unternehmens Biontech und der amerikanischen Firma Pfizer als der Luxus-Impfstoff: besonders hoher Schutz vor einem schweren Covid-19-Verlauf und keine nennenswerten Nebenwirkungen. Damit hatte der Impfstoff seinem Konkurrenten Astrazeneca einiges voraus.

Denn der Impfstoff Vaxzevria, wie das Mittel von Astrazeneca neuerdings heißt, hat in den vergangenen Wochen immer wieder Rückschläge in der öffentlichen Wahrnehmung hinnehmen müssen. Schuld waren mehrere Meldungen zu gefährlichen Hirnvenenthrombosen nach der Impfung mit dem Mittel.

Nachdem die Vergabe des Impfstoffs kurzzeitig ausgesetzt wurde und anschließend das empfohlene Alter der Impflinge auf über 60 angepasst wurde, war der Imageschaden perfekt.

Herzmuskelentzündung nach der Biontech-Impfung – besonders junge Männer betroffen

Solche Szenarien blieben dem Impfstoff von Biontech und Pfizer, Comirnaty, bislang erspart. Verheerende Nebenwirkungen gab es nicht. Bis jetzt. Aktuell häufen sich die Meldungen zu Herzmuskelentzündungen nach der Impfung mit dem Impfstoff. Grund zur Sorge soll laut Experten allerdings dennoch nicht bestehen.

In Deutschland wurden laut Spiegel Online noch keine Fälle von Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) gemeldet – anders als in Israel. Dort, wo fast ausschließlich der Impfstoff von Biontech und Pfizer zum Einsatz kam, wurden laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) 62 Fälle von Myokarditis gemeldet.

Zwei erkrankte Menschen starben in Folge der Herzmuskelentzündung. Generell waren besonders junge Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren von der Erkrankung betroffen – immer nach einer Corona-Impfung.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis) nach der Corona-Impfung: Experten sorgen sich nicht

Das klingt zunächst viel, allerdings müssen die Fälle in Relation gesehen werden. Insgesamt wurden in Israel bisher fünf der neun Millionen Einwohner vollständig geimpft. Dabei wurde nahezu ausschließlich Comirnaty verwendet. Das bedeutet, 0,00124 Prozent der Geimpften erlitten eine Herzmuskelentzündung. Zudem ist ein Zusammenhang zwischen der Biontech-Impfung und Myokarditis nicht nachgewiesen, das zumindest bekräftigt Pfizer.

In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es: „Ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung wurde nicht festgestellt. Es gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Beweis dafür, dass in Verbindung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff ein Risiko von Myokarditis besteht.“ Auch deutsche Experten machen sich derzeit nur wenig Sorgen über die berichteten Fälle (mehr News zu Corona in NRW bei RUHR24).

Herzmuskelentzündung nach Biontech-Impfung: Kardiologe sieht keinen Zusammenhang

Der deutsche Kardiologe und stellvertretende Klinikleiter des UKE Hamburg Dirk Westermannn erklärt gegenüber der dpa, dass das Auftreten von Herzmuskelentzündungen auf etwa 10 bis 20 Fälle pro 100.000 Einwohner pro Jahr geschätzt wird. Auch wenn bisher nur wenig über die Fälle in Israel bekannt sei, wäre die Häufigkeit von 62 Fällen pro fünf Millionen Geimpften aber prinzipiell mit dem generellen Auftreten der Erkrankung erklärbar.

Auch der Klinikleiter sieht bislang keinen Zusammenhang: „Insgesamt ist bisher keine Häufung mit klarer Kausalität von Myokarditis nach mRNA-Impfungen belegt. Die bisher berichteten Daten sind damit aus kardiologischer Sicht zu diesem Zeitpunkt nicht beunruhigend.“

Bislang ist eine Verbindung zwischen Biontech-Impfung und Herzmuskelentzündungen nicht nachgewiesen. Experten geben Entwarnung.

Herzmuskelentzündungen nach Impfungen bekannt – allerdings nicht bei mRNA-Impfstoffen

Bei einer Myokarditis kommt es laut Spiegel Online zu einer Entzündung des Herzmuskels. Zu den Symptomen gehören: Erschöpfung, Luftnot, Brustschmerzen. Die Erkrankung ist oft die Folge einer Virusinfektion. Auch nach Impfungen wurde das Phänomen bereits beobachtet – allerdings nach Pockenimpfungen und nicht nach mRNA-Impfungen, wie Westermann erklärt.

Da der mRNA-Impfstoff von Biontech und Pfizer nicht das komplette Virus, sondern nur den Bauplan enthält, kommt es zu keiner Infektion. Laut Westermann sei bislang kein Mechanismus bekannt, nach dem eine Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Impfung auftreten könne.

Auch wenn bisher kein Zusammenhang zwischen Corona-Impfung und Herzmuskelentzündung festgestellt werden konnte, überwacht ein Expertenteam in Israel alle Nebenwirkungen der Corona-Impfungen und veröffentliche regelmäßig Berichte, das teilt das israelische Gesundheitsministerium mit.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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