Was passiert mit den Konten?

Nächste Bank ist insolvent – 250.000 Kunden sind betroffen 

Die Insolvenzwelle macht auch vor Banken keinen Halt. Jetzt trifft es ein Finanzinstitut mit Hauptsitz in Hamburg und rund 250.000 registrierten Kunden.

Dortmund/Hamburg – Laut dem Institut für Wirt­schaftsforschung Halle (IWH) meldeten 2022 879 Personen- und Kapitalgesellschaften Insolvenz an. 23 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Und der „Trend“ scheint sich auch im neuen Jahr fortzusetzen. „Das Jahr 2023 hat seine erste Fintech-Pleite“, schreibt die Börsen-Zeitung. Heißt: Die nächste Bank musste Insolvenz beantragen.

Bank meldet Insolvenz an – erste Fintech-Pleite in 2023

Am Montag (9. Januar) veröffentliche die Ruuky GmbH auf ihrer Website die traurige Nachricht: „Leider musste Ruuky einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen und wir arbeiten derzeit an der Zukunft deiner Bank“. Die Bank wurde erst vor drei Jahren mithilfe von rund 4 Millionen Euro Risikokapital gegründet. Jetzt soll schon wieder Schluss sein bei dem Start-up aus der Finanzbranche.

Den Gründern sei es nicht gelungen, in den vergangenen Monaten eine Anschlussfinanzierung für die sogenannte Neobank Ruuky abzuschließen, heißt es bei der Börsen-Zeitung. Ruuky selbst gibt in einer Mitteilung zu dem Insolvenzantrag an, dass es nun mal viel Geld brauche, um eine neue Bank aufzubauen.

„Es wird benötigt, um zum Beispiel die Apps zu entwickeln und zu betreiben, die Zahlungen abzuwickeln, die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen und einen guten Support zu bieten“, heißt es. Um den Betrieb und die Weiterentwicklung zu ermöglichen, benötige Ruuky weiteres Kapital. Doch man habe aufgrund der aktuellen Unsicherheit in der Weltwirtschaft keine Investoren finden können. Die Folgen für die Bank mit Hauptsitz in Hamburg sind klar: Insolvenzantrag.

Bank aus Deutschland meldet Insolvenz an – vor allem junge Kunden betroffen

Rund 250.000 Kunden waren Ende 2022 bei Ruuky gemeldet. Das Fintech-Unternehmen hatte sich seit der Gründung auf junge Menschen spezialisiert. Insbesondere Menschen der Generation Z, also alle, die zwischen 1997 und 2010 geboren wurden, wollte die Bank als Kunden gewinnen (mehr Service-News bei RUHR24).

Ein kostenloses, digitales Bankkonto inklusive virtueller Debit-Mastercard war das Angebot für die jungen Kunden. Das Konto lief nach Angaben von cardscout.de auf Guthabenbasis, dass eine Überziehung nicht möglich ist. Zusätzlich zu der virtuellen Bankkarte konnten Interessierte gegen eine Gebühr von 10 Euro auch eine physische Karte erhalten.

Um jungen Kunden zu gewinnen, ist die Ruuky Neobank auch in den sozialen Netzwerken äußerst aktiv. So hat das Unternehmen rund 300.000 Follower auf TikTok und YouTube. Hier werden in kurzen Videos Dinge erklärt wie: „Was ist eigentlich Inflation“, „Wo kann man mit Ruuky Geld abheben“ oder „Wie bekomme ich mehr Taschengeld“.

Bank setzt auf Social Media – und geht dabei insolvent

Dass das Fintech-Unternehmen Social Media für sich als Geschäftsmodell nutzt, zeigt nicht nur die Präsenz auf den unterschiedlichen Kanälen, sondern auch, dass sie das Prinzip „Social Interactive Banking“ eingeführt haben. Damit wollte die Bank außerdem Kontoführung, erste Schritte in der Finanzwelt und soziale Interaktion verbinden.

Ähnlich wie bei Social Media Kanälen konnten Ruuky-Nutzer sich individuelle Spitznamen geben und sich gegenseitig in der App folgen – das galt auch für junge Menschen, die noch kein Bankkonto besitzen. Interaktive Video-Stories in der App sollte den jungen Bankkunden, den Umgang mit den Finanzen erklären und erleichtern.

Die Ruuky Bank aus Hamburg musste Insolvenz anmelden.

Bank drei Jahre nach Gründung pleite – so geht es jetzt weiter

Erst im September 2022 ging die App für das „Social Interactive Banking“ an den Start, zeitgleich expandierte die Ruuky Bank laut cardscout.de nach Österreich. Was nach einem guten Konzept und einem vermeintlich guten Geschäftsjahr klingt, hat wohl am Ende nicht gereicht.

Doch Gründer Jes Hennig glaubt weiterhin an das Konzept der Ruuky Bank. Ruuky habe ein tolles Jahr 2022 gehabt, so der studierte Sozialökonom. „Unser Kundenwachstum und unsere Relevanz auf den Gen-Z-Kanälen zeigen, dass es einen modernen, sicheren und edukativen Banking Ansatz für junge Menschen braucht. Dennoch müssen wir akzeptieren, dass sich die Marktgegebenheiten für kapitalintensive Start-ups geändert haben“, erklärte der Gründer.

Dennoch wolle man in den kommenden Wochen einen Käufer finden, um die Ruuky Bank doch noch retten und weiterführen zu können. Ob das dem Team des Banken-Startups gelingt, bleibt abzuwarten. Doch was bedeutet das bis dahin für die rund 250.000 registrierten Kunden?

Ruuky Bank meldet Insolvenz an – was das für betroffene Kunden heißt

Auf der Website gibt die Ruuky Bank dazu aufklärende Hinweise. Die rund 250.000 betroffenen Kunden können womöglich erst einmal aufatmen. So soll das Guthaben von dem Insolvenzantrag vorerst nicht betroffen sein. Auch haben Kunden laut eigenen Aussagen der Bank weiterhin Zugang zum Konto und sie können Zahlungen und Überweisungen ohne Einschränkungen tätigen.

Allein, neue Konten könnten derzeit nicht eröffnet werden, teilt die Ruuky Bank mit. Auch Echtzeitaufladungen und den Taschengeld-Assistenten kann das Unternehmen aktuell nicht anbieten. Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten. Das Unternehmen selbst gibt an, dass man weiterhin an Ruuky arbeite und mit einem Insolvenzverwalter die nächsten Schritte festlege.

Rubriklistenbild: © Giorgio Fochesato/Imago; Zoonar.com/Smilla/Imago; Collage: Wagner/RUHR24