Gas sparen

Millionen Deutsche müssen ab 1. Oktober Heizungscheck machen

Ab Oktober treten die mittelfristigen Energiesparmaßnahmen der Bundesregierung in Kraft. Damit wird auch ein Heizungs-Check verpflichtend.

Deutschland – Um der Gaskrise entgegenzuwirken, hat das Bundeskabinett Ende August zwei neue Verordnungen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) verabschiedet. Einige der Energiesparmaßnahmen gelten bereits seit September und sind kurzfristig für sechs Monate angelegt. Am 1. Oktober treten weitere mittelfristige Maßnahmen in Kraft, die für zwei Jahre gelten sollen. Teil der neuen Regeln ist ein verpflichtender Heizungs-Check für Gaskunden.

Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK)Oberste Bundesbehörde
BehördenleitungRobert Habeck (Grüne)
SitzBerlin

Energie sparen: Neue Regeln des Bundeswirtschaftsministers machen Heizungs-Check zur Pflicht

Erklärtes Ziel von Robert Habeck ist es, mit den Maßnahmen in der kommenden sowie in der darauf folgenden Heizperiode Gas zu sparen. Damit soll die Abhängigkeit von russischen Importen reduziert werden. Neben öffentlichen Körperschaften und Unternehmen sind auch Privathaushalte von den Neuregelungen betroffen.

So wird es ab Oktober für Privatpersonen eine Pflicht zur Heizungsüberprüfung und -optimierung geben. Vonseiten des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) heißt es dazu: „Alle Eigentümer und Eigentümerinnen von Gebäuden mit Gasheizungen müssen in den nächsten zwei Jahre einen Heizungscheck durchführen.“

Konkret betreffen Habecks Pläne folglich sämtliche Eigentümer von Gebäuden – ganz gleich, ob Einfamilien-, Mehrfamilienhäuser oder Firmengebäude –, die mit Gas heizen. Diese müssen ihre Heizung innerhalb der nächsten zwei Jahre nicht nur prüfen, sondern falls nötig auch optimieren lassen (Service-News auf RUHR24).

Hausbesitzer müssen ihre Heizung prüfen lassen – so soll der Check ablaufen

Über die genaue Umsetzung der geplanten Maßnahme gibt der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) Aufschluss. Der neue Heizungs-Check im Rahmen der Verordnung unterscheide sich von dem bislang üblichen Check nach DIN EN 15378, den Gebäudeeigentümer freiwillig durchführen lassen können, erklärt der Verband.

Anders als beim bekannten Check handele es sich bei der neuen Heizungsprüfung um ein „vereinfachtes, visuelles Verfahren“. Zu prüfen sind laut der „Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung durch mittelfristig wirksame Maßnahmen“ (EnSimiMaV) des BMWK:

  • ob die Heizung hydraulisch anzugleichen ist,
  • ob effiziente Heizungspumpen im Heizungssystem eingesetzt werden,
  • ob Dämmaßnahmen von Rohrleitungen und Armaturen notwendig sind
  • und ob die einstellbaren technischen Parameter hinsichtlich der Energieeffizienz optimiert sind.

Heizungs-Check: Diese Fachleute können die Prüfungen durchführen

Der verpflichtende Check der Heizungsanlage muss von einem Fachmann durchgeführt werden. Dazu können Gebäudeeigentümer sich laut der Deutschen Handwerks Zeitung an SHK (Sanitär Heizung Klima)-Handwerker, Schornsteinfeger oder spezielle Energieberater wenden.

Um die Prüfung durchführen zu können, müssen die Fachleute in die Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes aufgenommen sein, wie der ZVSHK erläutert. Auf der Webseite der Deutsche Energie-Agentur (dena) finden Hausbesitzer entsprechende Energieexperten in ihrer Nähe.

Ergebnisse des Heizungs-Checks – Hauseigentümer müssen Optimierungen vornehmen

Die Ergebnisse des Heizungs-Checks sind laut ZVSHK schriftlich vom jeweiligen Energieexperten festzuhalten. Für diesen Zweck habe der Verband bereits eine Mustervorlage erstellt. Stellt der Experte bei der Prüfung Optimierungsbedarf fest, müsse der Besitzer der geprüften Gasheizung diese entsprechend optimieren lassen.

Dazu hat der Hausbesitzer laut Verordnung bis zum Ablauf der Frist, also bis zum 15. September 2024, Zeit. Wichtig zu wissen: Eigentümer, die in den letzten zwei Jahren einen vergleichbaren Heizungs-Check haben durchführen lassen, sind von der Pflicht zum erneuten Check befreit.

Heizungs-Check wird Pflicht: Diese Kosten kommen auf Hausbesitzer zu

Wie der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks erklärt, sollte der neue Check möglichst im Zusammenhang mit anderen Arbeiten durchgeführt werden, um Zeit und somit Kosten zu sparen. Beispielsweise könne die Heizung gecheckt werden, wenn der nächste Termin des Schornsteinfegers ohnehin ansteht.

Welche Kosten konkret auf Immobilienbesitzer zukommen, steht dabei offenbar noch nicht genau fest. So erklärt der Bundesverband der Schornsteinfeger weiter, die zu erwartenden Kosten hingen „unter anderem vom Anbieter, von der Dauer und dem Umfang ab“.

Laut dem Portal heizung.de belaufen sich die Ausgaben für den bisher üblichen Heizungscheck auf rund 100 bis 150 Euro. Die Fachzeitschrift SBZ-online gibt in diesem Zusammenhang aber zu bedenken, dass der Check mitsamt anschließendem Beratungsgespräch auch zum „Zeitfresser“ werden könnte, dessen tatsächliche Kosten noch schwer kalkulierbar seien.

Pflicht zum Heizungs-Check – Millionen Gas-Kunden müssen handeln

Auch die praktische Umsetzung könnte laut SBZ-online zur Herausforderung werden. So müssten die entsprechenden Energieexperten im vorgeschriebenen Zeitraum ca. 14 Millionen deutsche Gaskessel prüfen.

Im Check seien zudem noch keine Optimierungsmaßnahmen enthalten. Hierfür kämen zusätzliche Termine und Ausgaben auf die Kunden zu. Auch Frank Ebisch vom ZVSHK warnte bereits, man könne „nicht 20 Millionen Heizungen bis Weihnachten optimieren.“ Besitzer von Gasheizungen müssen sich also eventuell auf Wartezeiten einstellen.

Was Eigentümern droht, die die Optimierungsmaßnahmen nicht durchführen lassen, steht offenbar ebenfalls noch nicht konkret fest. So konnte Andreas Schuh, Obermeister der Innung SHK Berlin, gegenüber der Deutschen Handwerker Zeitung dazu keine Angaben machen. Er erklärte gegenüber der Zeitung aber, dass er eine entsprechende Klarstellung vonseiten der Bundesregierung erwarte.

Robert Habeck (Grüne) erklärt beim Pressestatement zum Energieverbrauch und zur Gasversorgung seine Pläne.

Neue Regeln für größere Gebäude: Hydraulischer Abgleich wird Pflicht

Für Gaszentralheizungen in größeren Wohn- und Nichtwohngebäuden wird auch ein sogenannter hydraulischer Abgleich verpflichtend sein. Durch dieses Verfahren wird sichergestellt, dass durch sämtliche Heizkörper im Haus die richtige Wassermenge fließen kann. So kann sich auch die Wärme gleichmäßig im Haus verteilen – was wiederum den Energieverbrauch reduziert.

Die Pflicht, einen solchen Abgleich vorzunehmen, gilt laut Verordnung des BMWK für Nichtwohngebäude ab einer beheizten Fläche von 1.000 Quadratmetern oder Wohngebäude mit mindestens zehn Einheiten. Die Frist endet bereits am 30. September 2023. Gasheizungen in Wohngebäude mit mindestens sechs Wohneinheiten müssen zudem bis zum 15. September 2024 hydraulisch abgeglichen werden.

Nicht betroffen von der Regel sind laut BMWK Gebäudebesitzer, die bereits einen hydraulischen Abgleich bei ihrem Heizsystem haben durchführen lassen. Ebenso greift die Regel nicht, wenn sechs Monate nach dem Stichtag ohnehin ein Heizungsaustausch oder eine Wärmedämmung ansteht.

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