Zwei Gründe sprechen dagegen

Gas sparen und Heizlüfter kaufen: Experten warnen vor Blackout

Angst vor hohen Gas-Kosten oder gar vor dem Ausfall der Heizung im Winter? Ein Umstieg auf einen elektrischen Heizlüfter ist nicht die Lösung.

Dortmund – Die Aussichten für den Winter sind eher bescheiden. Bereits jetzt ziehen die ersten Anbieter ihre Gaspreise an. Und auch die geplante Gas-Umlage, die weitere immense Kosten verursachen könnte, verschärft die Situation weiter. Einige Verbraucher und Verbraucherinnen haben aber nicht nur Angst vor den hohen Kosten, sondern auch davor, im Winter komplett ohne Heizung dazustehen.

Heizlüfter statt Gas: Verbraucher setzen auf elektrische Heizung

So verwundert es wenig, dass Baumärkte trotz sommerlichen Temperaturen aktuell einen regelrechten Run auf Heizlüfter erleben. Die elektrischen Heizgeräte sind derzeit heiß begehrt, laut Tagesspiegel seien dieses Jahr bis Juni in Deutschland rund 600.000 Geräte verkauft worden. Das sei ein Plus von knapp 35 Prozent.

Anscheinend wollen sich einige Verbraucher und Verbraucherinnen auf eine mögliche Heiz-Katastrophe vorbereiten. Sollte es im Winter kein Gas mehr geben, könnte ja immerhin noch über die Steckdose geheizt werden. Andere wiederum wollen mit den Geräten womöglich Kosten sparen.

Heizlüfter sind günstig in der Anschaffung – verursachen aber enorme Heiz-Kosten

Doch gerade wer Kosten sparen möchte und die steigenden Gas-Preise umgehen will, sollte nicht auf elektrische Heizlüfter umsteigen. Denn die sind zwar günstig in der Anschaffung, doch die Kosten für den Strom können schnell jeglichen Rahmen sprengen.

Die elektrischen Geräte, die schon ab 15 Euro zu haben sind, können eine Strom-Abrechnung verursachen, die einem die Schweißperlen auf die Stirn treibt – ganz ohne Heizung. Energieberater Norbert Endres rechnet gegenüber Focus Online vor: Eine 100 Quadratmeter Wohnung elektrisch zu beheizen, kann jährlich 4000 Euro kosten. Ein Einfamilienhaus kommt sogar auf 8000 Euro.

Selbst wenn die Gaspreise extrem stark ansteigen, kommen sie nicht an die Preise eines Heizlüfters heran. Doch einige Verbraucherinnen und Verbraucher setzen auf die Geräte, um für das Schlimmste gerüstet zu sein. Ist das ein guter Plan?

Heizlüfter statt Gas-Heizung: Experten raten davon ab und warnen vor schlimmen Folgen

„Wir sehen die aktuelle Entwicklung mit einiger Sorge, da unsere Stromversorgung für eine derartige gleichzeitige Zusatzbelastung nicht ausgelegt ist“, sagt Martin Kleimaier, Fachbereichsleiter bei der Energietechnischen Gesellschaft im VDE. Die Technikverbände VDE und DVGW raten davon ab, mobile elektrische Heizgeräte wie Heizlüfter, Radiatoren und Heizstrahler zu nutzen.

Demnach könne der gleichzeitige Gebrauch solcher Geräte die Stromversorgung beeinträchtigen und zu regionalen Stromausfällen führen. Kleinmaier verweist gegenüber dem Tagesspiegel auf ein Beispiel aus dem Jahr 1969, wo Menschen auch verstärkt auf Heizlüfter setzten. Der Strom war günstig. Es kam fast zum Blackout.

Das Thermostat der Heizung runterdrehen und die elektrische Heizung anschmeißen? Keine gute Idee.

Heizlüfter können die nächste Katastrophe hervorrufen: Regionale Stromausfälle möglich

Und ist der Strom wegen Überlastung erst einmal ausgefallen, ist es gar nicht so einfach, ihn wieder einzuschalten. Denn ist der Strom weg, bleiben die Heizlüfter in den Haushalten weiter eingeschaltet an der Steckdose.

Versucht der Netzbetreiber sich wieder zuzuschalten, fliegen direkt die Sicherungen raus. Im Gegensatz zu Nachtspeicher-Heizungen und Wärmepumpen, können Heizlüfter, die an der Haushaltssteckdose hängen, nicht vom Netzbetreiber abgeschaltet werden.

Kleinmaier erklärt weiter, dass man in dem Fall eigentlich per Lautsprecher oder per App die Kunden informieren müsse, die Heizlüfter auszuschalten.

Statt Heizlüfter: Besser Gasheizung nutzen und trotzdem Gas einsparen

Statt mit dem übermäßigen Gebrauch von Heizlüftern gleich die nächste Katastrophe hervorzurufen, sollten Verbraucher und Verbraucherinnen weiterhin ihre Gasheizung nutzen. „Die Gasheizung kann in jedem Fall weiterbetrieben werden“, sagte Frank Gröschl vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVWG).

Er spricht davon, schon im Sommer Effizienzmaßnahmen anzugehen. Demnach würde eine Absenkung der Raumtemperatur um ein Grad bereits sechs Prozent Energie einsparen. Auch Experten aus NRW geben Tipps, wie man effektiv Gas sparen kann. So kann vor allem auch die nächtliche Temperatur-Absenkung Gas und Kosten einsparen.

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