Angst vor Lockdown

Corona: Hamsterkäufe - erste Supermärkte schlagen Alarm

Es geht wieder los: Wegen steigender Corona-Zahlen scheinen einige wieder zu Hamsterkäufen zu neigen. So ist die Lage bei Aldi, Lidl und Edeka.

Deutschland/NRW - Es sind Zahlen, die an März und April 2020 erinnern: Binnen eines Tages sind die Corona-Neuinfektionen in Deutschland um weitere 1000 Fälle auf mittlerweile 5132 gestiegen. Das teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch (14. Oktober) mit. Neue Regeln auf Länder- und Bundesebene sollen diese Zahlen wieder eindämmen. Doch die Bürger scheinen, zumindest in einer Stadt in NRW, wenig beruhigt.

VirusCoronavirus
NebeneffekteLockdown, Hamsterkäufe, Wirtschaftskrise
LockdownAb März 2020
Stärkste betroffene Bundesländer NRW, Bayern, Baden-Württemberg

Hamsterkäufe wegen Corona: Pandemie treibt Verkäufe im Einzelhandel an

Der Lockdown und wochenlang ausverkauftes Toilettenpapier sind zwei Dinge, die uns sofort einfallen, wenn wir an Frühjahr dieses Jahres denken. Leergefegte Regale in Drogerien, die auf Hamsterkäufe zu Beginn der Corona-Pandemie zurückzuführen waren, wurden zum Leitbild einer nie vorher da gewesenen Krise.

Auch Supermärkte hatten schwer mit Massen-Einkäufern zu kämpfen: Der Andrang auf Mehl, Hefe und Nudeln war ungebrochen. „Bitte nur eine Packung pro Person“ - Schilder wie diese sollten die Problematik lösen. Außerdem betonten Experten immer wieder, dass es in Deutschland trotz Pandemie keinen Engpass bei der Lebensmittelversorgung geben würde.

Hamsterkäufe: Sinkende Infektionszahlen führten zu Rückgang von gesteigertem Kaufverhalten

Doch erst sinkende Infektionszahlen ab Ende April konnten die Bürger wieder beruhigen: Die Hamsterkäufe haben aufgehört. Zumindest bis jetzt. Denn offenbar treibt das aktuelle Infektionsgeschehen im Herbst die Leute wieder dazu an, unnötige Vorräte anzulegen.

Wie die Wuppertaler Rundschau berichtet, hätten die Hamsterkäufe in der nordrhein-westfälischen Metropole in den vergangenen Tagen stark zugenommen. Händler berichten von Engpässen bei Toilettenpapier und Küchenrolle sowie einer gesteigerten Nachfrage von Nudeln und Mehl. Haben die Leute etwa nichts gelernt?

Hamsterkäufe wegen Corona in Wuppertal (NRW): Edeka-Chef appelliert an gesunden Menschenverstand

„Dieses Verhalten ist anderen Kunden gegenüber, die ‚normal‘ einkaufen, einfach nur egoistisch. Denn die stehen am Ende vor leeren Regalen“, sagt Markus Billstein, Geschäftsführer bei Edeka Billstein gegenüber der Wuppertaler Rundschau. Und fügt appellierend hinzu: „Hamsterkäufe sind nicht nötig!“

Die gesteigerte Nachfrage sei in den vergangenen Tagen nicht nur ihm und seinem Team aufgefallen, sondern auch anderen Einzelhändlern in Wuppertal. Es ist davon auszugehen, dass das Verhalten mit den steigenden Corona-Zahlen in der Stadt zu tun hat. In Wuppertal gab es 78,59 neue Fälle in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. (alle Corona-Entwicklungen in NRW im RUHR24-Live-Ticker)

Immer mehr Städte in NRW gelten mittlerweile als Risikogebiet. Ihre Einwohner dürfen nur noch mit negativem Coronatest in viele andere Bundesländer reisen.

Hamsterkäufe: Entwarnung in Deutschland - Einzelhändler denken wegen Corona-Pandemie um

Anfang Oktober gab es seitens der Einzelhändler noch Entwarnung. Es hätte „keinerlei Anzeichen für Bevorratungskäufe“ hieß es etwa vonseiten der REWE gegenüber der Wirtschaftswoche (WiWo). „Wir erkennen auch keine Präferenzen bei bestimmten Warengruppen“, hieß es weiter.

Auch Kaufland hätte nichts von Hamsterkäufen mitbekommen. Etwas anders verhält es sich bei der Drogeriekette dm: Nachdem die Nachfrage nach bestimmten Artikeln im Frühjahr rasant angestiegen war, hätte man „Maßnahmen getroffen und Warenprozesse angepasst“.

Außerdem wären bei besonders nachgefragten Produkten - zum Beispiel Desinfektion - neue Produkte ins Sortiment aufgenommen worden, erklärt Sebastian Bayer, dm-Geschäftsführer verantwortlich für Marketing und Beschaffung, der WiWo auf Nachfrage. Ein verstärktes Kaufverhalten in diesen Bereichen konnte bis Oktober aber nicht festgestellt werden (alle Service-Themen bei RUHR24).

Aldi und Lidl reagieren auf Hamsterkäufe und beobachten Corona-Lage ganz genau

Um künftig auf veränderten Konsum reagieren zu können, haben Discounter wie Aldi und Lidl im Zuge der Corona-Pandemie ihre Früherkennung verbessert. Schwankungen bei der Nachfrage können so genau beobachtet werden, um mögliche Lieferengpässe zu vermeiden.

Sollte sich in den kommenden Wochen etwas ändern, sei man bestens vorbereitet, heißt es. Man könne schnell reagieren und zusammen mit den Logistikpartnern Lösungen finden, um die Filialen zu beliefern. So oder so sind Hamsterkäufe nicht sinnvoll und sorgen für eine unfaire Verteilung von Lebensmitteln und Non-food-Produkten.

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