Letzte Hoffnung bleibt

Klopapier-Hersteller meldet Insolvenz an – Aus nach knapp 100 Jahren droht

Ein deutscher Klopapier-Hersteller ist insolvent. Gestiegene Energie- und Materialpreise waren ausschlaggebend. Doch die Lage ist nicht hoffnungslos.

NRW – In der Corona-Pandemie ist das Verhältnis der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher zum Klopapier offenbar geworden. Mit blankem Entsetzen erinnern sich wohl noch die meisten unter ihnen an die gähnend leeren Regale bei den Supermärkten und Discountern. Nun muss ein deutscher Klopapier-Hersteller die Reißleine ziehen, das Unternehmen ist insolvent – doch es gibt auch gute Nachrichten (mehr Service-News auf RUHR24).

Hakle Deutsches Unternehmen der Papierindustrie
SitzDüsseldorf
Gründung1928

Deutscher Hygienepapierhersteller Hakle plant Insolvenz in Eigenverwaltung

Das sichere Hygienegefühl der mehrlagigen Papiertücher, die laut dem Verband „Die Papierindustrie“ vor allem „am Arbeitsplatz und in öffentlichen Einrichtungen wie z.B. Krankenhäusern, Pflegeheimen und Flughäfen unverzichtbar“ seien, wollen wohl die wenigsten Verbraucher missen. Dennoch könnte das begehrte Toilettenpapier in absehbarer Zeit schon wieder knapp werden, mahnt die Papierindustrie.

Dass der Hygienepapierhersteller Hakle nun Insolvenz anmelden musste, kommt nicht von ungefähr. Schließlich seien die global gestiegenen Preise für Strom und Gas sowie für die Logistik und Rohstoffe wie Papier alles andere als spurlos an der energieintensiven Papierindustrie vorbeigegangen. Längst warnt die Branche vor einem erneuten Klopapiernotstand.

Gestiegene Material- und Energiepreise treiben Papierindustrie in die Enge

Wie die Lebensmittel Praxis (LP) berichtet, kämpften die Unternehmen „seit nunmehr drei Jahren mit stark gestiegenen Herausforderungen – vor allem im Gas- und Stromsektor“. Auch Hakle leidet seit dem Beginn der Corona-Pandemie unter den „starken Verwerfungen im global agierenden Rohstoff-, Logistik- und Energiemarkt“.

Das Düsseldorfer Traditionsunternehmen konnte die Kosten für den Transport, die Energie und das Material „nicht im zeitlich und/oder wirtschaftlich hinreichenden Umfang an die Kunden im Lebensmitteleinzelhandel und den Drogeriesektor“ weitergeben, berichtet die LP. Doch ganz hoffnungslos ist die Lage nicht.

Hakle will „den Erhalt des Standortes und seiner Arbeitsplätze“ sicherstellen

Schließlich verkündete der Papierhersteller, dass der Geschäftsbetrieb vollumfänglich fortgesetzt werden solle, es gehe „um den Erhalt des Standortes und seiner Arbeitsplätze“, erklärt Geschäftsführer Volker Jung. Neben den rund 225 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann also auch die Kundschaft aufatmen.

Dass es allein wegen der Hakle-Insolvenz bald schon zu größeren Lücken in den Klopapier-Regalen in den Supermärkten und Discountern kommen könnte, erscheint daher unwahrscheinlich. Hinter dem Optimismus der Geschäftsführung steckt der anvisierte Plan, das Unternehmen in Eigenverwaltung wieder auf gesunde Beine zu stellen.

Der Hygienepapierhersteller Hakle muss Insolvenz anmelden.

Hakle will eine schnelle und nachhaltige Sanierung des Betriebs

Darin sieht Volker Jung den Vorteil der notwendigen „Flexibilität und Geschwindigkeit, um unseren Betrieb nachhaltig zu sanieren und ganz im Sinne unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kunden und Gläubiger neu aufzustellen“. Bei der laufenden Insolvenz in Eigenverwaltung, die zuletzt bei einer traditionsreichen Bierbrauerei nicht gelang, bleibt die Geschäftsführung weiterhin für das operative Geschäft zuständig, so die LP.

Damit das Vorhaben gelingt, stehen dem Hygienepapierhersteller laut der LP mehrere Experten zur Seite. Neben den Sanierungsexperten der AMBG Adiutor Management- und Beratungsgesellschaft mbH und dem Team um Dr. Matthias Kampshoff von der Kanzlei McDermott & Emery soll auch der vom Gericht bereitgestellte Rechtsanwalt und Restrukturierungsspezialist Dr. Jan-Philipp Hoos von White & Case den Betrieb sanieren.

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