Stiftung Warentest prüft Hähnchen

Hähnchenschenkel im Test: Ekel-Funde – viele Produkte enthalten fiese Krankheits-Keime

Legehennen
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Hähnchenschenkel bei Stiftung Warentest: Keime in fast allen Produkten gefunden. (Symbolbild)

In seiner aktuellen Ausgabe hat die Stiftung Warentest Hähnchenschenkel auf den Prüfstand gestellt. In vielen Produkten haben die Tester Krankheitskeime gefunden.

Berlin – Knusprige Brathähnchen sind bei vielen Deutschen sehr beliebt. Insbesondere jetzt im Frühling, wenn die Temperaturen steigen, stehen Hähnchen zum Grillen wieder bei vielen auf dem Speiseplan. Wer sich die aktuelle Ausgabe von Stiftung Warentest ansieht, dem kann die Lust auf Hähnchen allerdings vergehen. Denn die Prüfer aus Berlin finden in zahlreichen Produkten gefährliche Krankheitserreger (weitere Testberichte auf RUHR24.de).

Stiftung WarentestVerbraucherorganisation
Gründung1964
HauptsitzBerlin

Hähnchenkeulen bei Stiftung Warentest: So wurde geprüft

In ihrem Test untersucht die Stiftung Warentest insgesamt 17 Hähnchenschenkel. Darunter sind sowohl günstige Discounter-Produkte – beispielsweise von Aldi oder Lidl – als auch teure Bioware.

Untersucht haben die Tester dabei nicht nur die Fleischqualität und den Geschmack. Auch inwieweit sich die Hersteller für Tierwohl und Umwelt einsetzen, wurde geprüft. Bedenklich dabei: Nur ein Produkt kann in allen Punkten überzeugen.

Antibiotikaresistente Keime, Salmonellen und mehr: Ekelfunde beim Hähnchen-Test

Die Stiftung Warentest hat die Schenkel im Test auf Rück­stände von Antibiotika, Krank­heits­erreger und andere Keime hin geprüft. Das Ergebnis: Viele Hähn­chenschenkel enthalten den Erreger Campyl­obacter, der Durchfall verursachen kann.

Ebenso finden die Tester auch antibiotikaresistente Keime in zahlreichen Produkten. Zwei Produkte enthalten sogar Salmonellen. Zur Verunreinigung von Lebensmitteln mit Salmonellen kommt es immer wieder. Erst kürzlich wurde ein Tiefkühlprodukt bei mehreren Supermärkten deshalb zurückgerufen.

Hähnchenkeulen im Test: Nur ein Produkt ohne Keimbelastung

Was noch auffällt: In fast allen der getesteten Hähnchen finden die Prüfer Keime. Insgesamt weist die Stiftung Warentest in lediglich einem der getesteten Hähnchenschenkel gar keine Krankheitskeime nach.

Campylobacter weisen die Tester auch in den Produkten auf, die mit gut bewertet werden. Diese Bakterien zählen zu den häufigsten Verursachern von einer bakteriellen Infektion.

Hähnchenschenkel im Test: Fieser Durchfallerreger in fast allen Produkten

Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist die Campylobacter-Enteritis mit 60.000 - 70.000 übermittelten Fällen pro Jahr (80 - 90 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner) die häufigste bakterielle meldepflichtige Krankheit in Deutschland. Die Erkrankungen treten hierzulande vermehrt in der warmen Jahreszeit auf.

Die Infektionen sind überwiegend lebensmittelbedingt. Geflügelfleisch, insbesondere Hühnerfleisch, ist dabei laut RKI die bedeutendste Infektionsquelle. Eine Gefahr bestehe insbesondere dann, wenn das Fleisch unzureichend durcherhitzt ist.

Video: Gefährliches Hähnchen im Supermarkt

Stiftung Warentest prüft Hähnchenkeulen: das sind die großen Verlierer

Dennoch erhält nur ein Produkt die vernichtende Note „mangelhaft“. Das sind die großen Verlierer im Test:

  • Produkt: Freiland Puten Bio-Hähnchenkeulen; Note: mangelhaft; mikrobiologische Qualität: zu hohe Gesamtkeimzahl, Campylobacter-Bakterien, Pseudomonaden, antibiotikaresistente Keime; Preis pro Kilogramm: 14,90 Euro
  • Produkt: Norma Gut Langenhof Hähnchenschenkel mit Rückenstück; Note: ausreichend; mikrobiologische Qualität: zu hohe Gesamtkeimzahl, antibiotikaresistente Keime; Preis pro Kilogramm: 2,72 Euro
  • Produkt: Edeka Gut und Günstig Hähnchenschenkel mit Rückenstück; Note: ausreichend; mikrobiologische Qualität: Salmonellen, antibiotikaresistente Keime; Preis pro Kilogramm: 2,72 Euro

Daneben erhalten auch die beiden geprüften Aldi-Produkte nur ausreichend. Fünf Produkte können im Test überzeugen und erhalten ein „gut“. Die Bestnote „sehr gut“ erhält keines der Produkte. Alle Gewinner und Verlierer gibts bei Stiftung Warentest (Bezahlartikel).

Unternehmensverantwortung der Hersteller: Das sagt Stiftung Warentest zu Umwelt und Tierwohl

Wie die Stiftung Warentest berichtet, engagiert sich ausgerechnet der Hersteller am meisten für das Tierwohl, dessen Produkt wegen Keimbelastung mit „mangelhaft“ komplett durchfällt. Insgesamt schneiden die Bio-Produkte aber besser ab. Denn im Test bestätigt sich, dass Hühner auf Bio-Höfen generell artgerechter leben.

Entscheidende Kennzeichnung für das Tierwohl ist die Haltungsform. Dabei werden vier Stufen unterschieden:

  • Stufe 1: gesetzlicher Mindeststandard
  • Stufe 2: gesetzlicher Mindeststandard wird erfüllt; außerdem haben die Tiere etwas mehr Platz
  • Stufe 3: die Hühner haben Zugang zu Frischluft, mehr Platz und genverändertes Futter ist verboten
  • Stufe 4: Bio-Standard: Die Tiere haben ein Freigelände und Unter­schlupf-Mög­lich­keiten. Die Tiere haben noch mehr Platz (max. 21 Kilo pro Quadratmeter).

Stiftung Warentest: Tierwohl ist meistens nur „ausreichend“

Grundsätzlich – so die Tester – gebe es in Sachen Tierwohl noch viel Verbesserungsbedarf. Insbesondere die konventionellen Hersteller engagierten sich nur durchschnittlich oder wenig.

So kommt die Stiftung Warentest zu dem Fazit: Händler und Land­wirte könnten das Leben der Tiere deutlich verbessern. Und auch Verbraucher könnten das unterstützen, indem sie Fleisch der Haltungsstufe 3 und 4 kaufen.

Antibiotika in der Geflügelmast: Branche bekommt Problem nicht in den Griff

Grund zum Unmut gibt auch der Einsatz von Antibiotika. So fanden die Prüfer zwar keine Medikamentenrückstände, aber antibiotikaresistente Keime wurden in mehr als der Hälfte aller Hähnchenschenkel nachgewiesen.

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner (CDU) bezeichnete den erhöhten Einsatz von Antibiotika in der Geflügelmast bereits 2019 als „nicht akzeptabel“. Laut Stiftung Warentest hat der Einsatz von Antibiotika bei Geflügel aber seitdem sogar noch zugenommen.

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