Ältere Menschen gefährdet?

Grippe oder Coronavirus? Es gibt kaum Unterschiede - das erschwert die Diagnose

Die echte Grippe und das Coronavirus treten derzeit gleichzeitig auf. Es sind zwei Krankheiten mit ähnlichen Symptomen. Das erschwert die Diagnose. 

  • In Deutschland kursieren gerade sowohl das Coronavirus als auch die Grippe. 
  • Zunächst hielten Wissenschaftler die Grippe noch für gefährlicher als das Virus. 
  • Neue Erkenntnisse widerlegen jedoch das bisherige Wissen. 

Update, Freitag (28. Februar), 08.30 Uhr:  Gingen Experten bislang noch davon aus, dass die Grippe gefährlicher ist, als das neuartige Coronavirus, hat sich die Sachlage nun gewendet. Nach neusten Angaben des Robert Koch-Instituts gilt nun der neue Erreger Covid-19 als gefährlicher.

Experten bestätigen: Coronavirus tödlicher als die Grippe

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Grippe zu sterben liege bei 0,1 bis 0,2 Prozent, so Lothar Wieler, Leiter des Robert Koch-Instituts. Die Gefahr durch das Coronavirus ist dagegen fast zehnmal so hoch. Behörden setzten deshalb nun alles daran, einen Ausbruch zu verhindern. 

Außerdem hat sich der Verdacht bestätigt, dass das Coronavirus leichter übertragen wird als zu Beginn der Epidemie angenommen. Lange sei man davon ausgegangen, dass der Erreger vor allem in den tiefen Atemwegen vorkommt. Man müsse ihn also in die Lunge einatmen, um sich tatsächlich anzustecken.

Ansteckung durch das Coronavirus schneller als bislang vermutet

Nun haben Experten des Robert Koch-Instituts allerdings festgestellt, dass sich das Virus bereits im Rachenbereich vermehren kann. Das ist auch ein wesentlicher Unterschied zu SARS, der Erreger, der 2003 für Aufregung sorgte. 

Erstmeldung, Samstag (25. Januar), 16:00 Uhr: Es ist ein neuartiges Virus, das die Menschen derzeit in Angst und Schrecken versetzt: das Coronavirus. Dabei werden wir es in den nächsten Wochen vor allem mit einer eher altbekannten Krankheit zu tun bekommen: der Grippe! Und die schätzen Experten derzeit noch als gefährlicher ein, als das Coronavirus.

Grippewelle 2020 kommt auf NRW zu

Wie in fast jedem Jahr, kurz nach dem Jahreswechsel, rollt derzeit eine Grippewelle auf uns zu. Bereits am 22. Januar twitterte das Robert Koch- Institut (RKI) eine erste Warnung. Den Höhenpunkt der Grippewelle, so sagen es die Experten voraus, haben wir aber längst nicht erreicht. 

In den vergangenen vier Jahren verzeichnete das Robert Koch- Institut den Höhenpunkt der Grippewelle zwischen der fünften und achten Kalenderwoche. In diesem Jahr beginnt die fünfte Kalenderwoche am kommenden Montag, dem 27. Januar. Und obwohl die Grippe jedes Jahr nicht nur viele Kranke, sondern auch Todesopfer fordert, nehmen viele die Grippe noch immer auf die leichte Schulter. 

Grippe oder Coronavirus: Was ist gefährlicher

Für die besonders schwere Grippe-Saison 2017/2018 gehen Experten laut mdr von etwa 25.000 Toten in Deutschland aus. Aktuell schätzen Ärzte die Grippe sogar noch als gefährlicher ein als das Coronavirus, das derzeit vor allem in Wuhan/China grassiert und nun auch zum ersten Mal in Deutschland aufgetreten ist. "Nach allem, was bisher bekannt ist, ist die Sterblichkeit bei einer echten Grippe deutlich höher", erklärte eine Virus-Expertin gegenüber dem NDR in Bezug auf das Coronavirus

Das Coronavirus, so scheint es bislang, ist nicht besonders leicht übertragbar. Allerdings fehlen laut RKI bislang Informationen dazu, wie es das neuartige Coronavirus genau übertragen wird. Das Influenza-Virus hingegen wird ganz einfach per Tröpfcheninfektion übertragen. Heißt, es kann beim Niesen, Husten, Sprechen, Küssen oder Händeschütteln von einem Menschen auf den anderen übergehen.

Coronavirus: Nicht so leicht übertragbar wie Grippevirus

Doch es gibt nicht nur das eine Coronavirus aus Wuhan. Auch SARS und MERS waren schwere, durch Coronaviren verursachte Krankheiten. Sie waren weniger leicht übertragbar als Influenza, aber sie haben dennoch zu großen Ausbrüchen geführt, informiert das RKI.

Nun treffen der Ausbruch des neuartigen Coronavirus in China und der Start der Grippewelle aufeinander. Was neben der zeitlichen Komponente für zusätzliche Verunsicherung führen könnte: Die anfänglichen Symptome der Grippe und des Wuhan-Coronavirus ähneln sich. Beide beginnen mit Symptomen wie bei einer einfachen Erkältung. 

Aus diesem Grund können sich die Menschen vor dem Coronavirus auch ähnlich schützen. Welche Maßnahmen neben Desinfektionsmittel und Mundschutz helfen? 

Bei der Influenza listet das RKI Symptome wie Fieber, Husten oder Halsschmerzen, Muskel- oder Kopfschmerzen auf. Auch allgemeine Schwäche, Schweißausbrüche oder eine laufende Nase können dazugehören. Seltener leiden Menschen, die sich mit der Grippe angesteckt haben, auch an Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Impfung gegen Grippe: Vor allem für ältere Menschen sinnvoll

Die Symptomatik liest sich bei einer Infektion mit gewöhnlichen Coronaviren ganz ähnlich. Laut RKI treten zunächst Husten, Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen auf. Bestimmte Coronaviren, wie das Virus aus Wuhan, können aber auch schwere Infektionen der unteren Atemwege verursachen und zu einer Lungenentzündung führen. 

Die Ausbreitung und das Ausmaß des Coronavirus ist auf einer Live-Karte von der John Hopkins University live mitzuverfolgen. Mittlerweile kursieren die kuriosesten Verschwörungstheorien über den Coronavirus im Netz. Teils ist es zum Lachen, teils aber auch zum Schaudern. 

Das neue Coronavirus, wegen dem es zu Lieferengpässen bei chinesischen Produkten kommen könnte, scheint mit einem schwereren Verlauf einherzugehen. Wie auch bei der echten Grippe sind vor allem ältere oder bereits geschwächte Menschen besonders gefährdet, eine Lungenentzündung zu entwickeln. Auch ein tödlicher Verlauf ist bei beiden Krankheiten vor allem bei älteren und geschwächten Menschen zu beobachten.

Auch wegen eines möglichen schweren Verlaufs raten Ärzte immer wieder, dass sich besonders Menschen aus Risikogruppen gegen die Grippe impfen lassen sollten. Gegen das Coronavirus gibt es derzeit noch keine Impfung, bis diese auf den Markt kommen wird, kann es laut Expertenaussagen noch mindestens ein Jahr dauern. Das RKI rät, sich am besten schon vor Beginn der jährlichen Grippewelle impfen zu lassen, also im Oktober oder November. Doch auch jetzt kann eine Impfung gegen die Grippe unter Umständen noch sinnvoll sein.

Rubriklistenbild: © obs/assona GmbH/South_agency, Uncredited/Centers for Disease Control and Prevention/AP/dpa; Collage: RUHR24

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