Wenige Testsieger, klarer Verlierer

Bratwurst von Rewe, Lidl und Aldi: Grillwurst vom Discounter hat schwere Mängel

Beim Kauf von Schweine-Grillwürsten können Verbraucher auf minderwertige Ware treffen. Das hat der Bratwurst-Check von Öko-Test gezeigt.

NRW – Ob Nürnberger oder Thüringer Rostbratwurst – der Bruzzelspaß und der knackig-würzige Wurstgeschmack lassen die Herzen vieler Fleischgenießer höher schlagen. Bratwürste gehören für sie zu einem illustren Grillabend während des Sommers einfach dazu. Allerdings kann ein Fehlgriff beim Gang durch die Tiefkühlregale von Supermärkten und Discountern wie Aldi, Lidl oder Rewe weitreichende Folgen haben – Öko-Test hat bei einem Bratwurst-Check schwerwiegende Mängel festgestellt.

Öko-TestVerbrauchermagazin
Erscheinungsweise monatlich (erstmals 1985)
Hauptsitz Frankfurt am Main

Bratwurst-Test: Öko-Test durchleuchtet Würste in Laboren und checkt Tierwohl

Beim Test der 19 gebrühten Grillwürste aus Schweinefleisch waren laut Öko-Test Ware aus Biomärkten, Eigenmarken der Supermärkte und Discounter sowie Marken bekannter Wursthersteller vertreten. Preislich lag man zwischen 2,49 Euro und 10,98 Euro, umgerechnet auf je 500 Gramm.

Die beauftragten Labore untersuchten die Qualität der Wurstmasse unter Berücksichtigung verschiedenster Indikatoren, wie beispielsweise die mikrobiologischen Belastungen oder die Mineralölbestandteile. Neben diesen Kategorien waren auch Fragen rund ums Tierwohl sowie die Einhaltung von Nachhaltigkeits- und Umweltzielen bei der Bewertung entscheidend.

Bratwurst-Test: Nur sechs von 19 Grillwürsten überzeugen die Tester – ein klarer Verlierer

Hinzu kam die Frage nach einem transparenten Vorgehen seitens der Anbieter, Schlacht- und Mastbetriebe sowie der Landwirte. Deren Arbeitsweise wurde über einen dreiteiligen Fragebogen ermittelt wurde. Dafür wurden laut Öko-Test Zertifikate, Lieferverträge, Nachhaltigkeitsberichte und weitere Dokumente geprüft.

Am Ende schnitten zwei Sorten mit „sehr gut“, vier mit „gut“, zwei mit „befriedigend“, zehn mit „ausreichend“ und eine Sorte mit „mangelhaft“ ab. Die kompletten Ergebnisse mitsamt der Testsieger gibt es hier.

Insgesamt war die Tierhaltung überwiegend miserabel, zudem stießen die Tester vielfach auf Mineralöl-Spuren, denen die EU jüngst den Kampf angesagt hat. Bei der Benotung des Verlierers waren die als mangelhaft deklarierten Inhaltsstoffe und die nur als ausreichend bewertete Tierhaltung ausschlaggebend:

  • Produkt: BBQ Bratwurst Herzhaft 10 Stück 
  • Anbieter: Aldi Nord/Aldi Süd (HoWe Wurstwaren)
  • Preis pro 500 Gramm: 2,50 Euro
  • Mängel Inhaltsstoffe: Salz erhöht, Phosphate
  • Mineralölbestandteile erhöht
  • Testergebnis Inhaltsstoffe / Sensorik (50%): mangelhaft
  • Auslauf der Tiere ermöglicht: Nein 
  • Keine Impfung / keine Antibiotika: Nein/ Nein
  • Kein Kupieren der Schwänze / keine Kastration: Nein/ Nein
  • Akzeptabler Anteil Soja / Soja ohne Gentechnik / entwaldungsfreies Soja: Nein/ Nein/ Teilweise
  • Fragen zum Unternehmen, zu Haltung und Landwirtschaft beantwortet: ausführlich (12 Punkte) 
  • Testergebnis Transparenz / Tierhaltung (50%): ausreichend
  • Gesamturteil: mangelhaft

Bratwurst-Test: Kunden sollten auf EU-Gütesiegel und Herkunft des Fleisches achten

Beim Bratwurst-Kauf sollten Kunden, denen das Wohl der Tiere am Herzen liegt, von solch einem Produkt Abstand nehmen. Auch wenn das EU-Bio-Gütesiegel sicherlich kein Freifahrtschein ist, so garantiere es laut utopia zumindest ökologische Mindeststandards während der Tierhaltung und keine gentechnischen Veränderungen, zum Beispiel beim Futter.

Wenn das Geschmacks-„Erlebnis“ als Grund nicht schon ausreicht, sollten Verbraucher billiges und Discount-Fleisch mit den Haltungsformen 1 und 2 sowie eingeschweißtes Fleisch aus Gründen des Arbeitsschutzes meiden. Wie zahlreiche Beispiele zeigen, arbeiten oftmals Menschen unter unwürdigen Bedingungen in den Schlachtbetrieben. Aus Gründen der Nachhaltigkeit sollte zudem nicht zu weit gereistem Fleisch aus Ländern wie Brasilien, Argentinien oder den USA gegriffen werden.

Öko-Test hat im großen Check 19 Bratwürste genauer unter die Lupe genommen.

Auch der WWF informiert auf seiner Homepage über die Vorteile des umweltschonenderen Bio-Fleisches und kritisiert die Intensivtierhaltung. Und nicht von ungefähr kommt der Titel des Öko-Test-Magazins „Besser iss Bio“, in dem die Wurstprodukte bewertet wurden.

Bratwurst-Check: Deutsche essen immer weniger Schweinefleisch

Worldsofffood hat die Statistik aufgestellt, dass „in Deutschland jede Sekunde umgerechnet 665 Bratwürste verzehrt“ werden. Insgesamt geht der Fleischkonsum und damit auch der Schweinefleischkonsum aber eindeutig zurück. Das belegen die Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), auf die sich das Öko-Test-Magazin beruft.

Demnach waren es 2011 von insgesamt 62,8 Kilogramm Fleischkonsum pro Kopf noch durchschnittlich 40,1 Kilo Schweinefleisch, die ein Deutscher im Jahr gegessen hat. Zum Vergleich: Zehn Jahre später waren es von insgesamt 55 Kilogramm nur noch 31 Kilo pro Kopf.

Rubriklistenbild: © Fleig/Eibner-Pressefoto/Imago; Öko-Test

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