In 40 Filialen

Elektronik-Händler geht drastischen Schritt: Gravis schafft Bargeld ab

Beim Technikhändler Gravis beginnt die Zukunft schon jetzt. Denn in den 40 Filialen der Kette kann man künftig nicht mehr mit Bargeld bezahlen.

Berli/Dortmund – Am Montag (16. Januar) findet bei der deutschen Technikkette Gravis eine „Ära“ ihr Ende. Denn der Technikhändler, der eng mit Apple kooperiert, nimmt fortan keine Bargeldzahlungen mehr an. Auf Spiegel-Nachfrage hätte das Unternehmen bereits bestätigt, dass das für alle 40 Filialen in Deutschland und auch unabhängig vom Einkaufswert gilt, heißt es.

Erster Elektronik-Händler nimmt kein Bargeld mehr in den Filialen an

Bedeutet ganz konkret: Wer bei Gravis beispielsweise nur ein Zubehörteil kaufen möchte, das wenige Euro kostet, der kann zum Bezahlen nicht mehr auf sein Bargeld zurückgreifen, berichtet kreiszeitung.de. Die Kartenzahlung ist die einzige Option.

Schon seit etwa zwei Jahren sei der Anteil der Bargeldzahlungen „zu vernachlässigen“, so Gravis. Es wäre nur noch ein „kleiner einstelliger Prozentanteil“ der Kunden, die bis heute bei Gravis mit Bargeld bezahle (mehr Service-News bei RUHR24).

Darüber hinaus betont die Technikkette, ihre Entscheidung sei nach „einer erfolgreichen Testphase in ausgewählten Stores auf Basis der überdurchschnittlich großen Akzeptanz von bargeldlosem Zahlen“ getroffen worden. Aus Kundensicht sei das bargeldlose Zahlen „einfach, sicher, schnell – und eben auch schon längst gelernt“. Das sieht man beim Selbstbedienungs-Dorfladen „Emmas“ in Neubruchhausen wohl ähnlich.

Gravis schafft Bargeld ab – „kostengünstiger, einfacher und es ermöglicht schnellere Prozesse“

Doch steckt hinter dem Aus des Bargeldes bei Gravis hin zum ausschließlichem Bezahlen mit der Karte nicht nur eine Orientierung am Kundenverhalten. Auch Businesskalkül fließt hier mit ein. „Für uns als Händler ist bargeldloses Zahlen kostengünstiger, einfacher, und es ermöglicht schnellere Prozesse“, nennt Gravis die eigenen Vorteile der Umstellung.

Und für die Kunden könne das Unternehmen die Preise auf diesem Wege länger stabil halten. Ob das Unternehmen aber juristischen Ärger befürchte? Eher weniger. Schließlich sehe die Rechtslage vor, „dass ein gesetzliches Zahlungsmittel ausgeschlossen werden kann, sofern darüber informiert wird“.

Und das ist erfolgt. Durch Hinweise in den Filialen, „in Form von gut sichtbaren Aufstellern im Kassenbereich“, wie es von Gravis heißt. Zudem würden die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) darüber informieren.

Bargeld als emotionales Thema in Deutschland: Was, wenn Kartenlesegeräte ausfallen?

Bleibt noch die Frage, wie es sich konkret mit dem Unmut der Verbraucher, also den Kunden, verhalte. Gravis würde sich darauf einstellen, „dass es zu Beginn vereinzelt noch Erklärungsbedarf geben kann“. Doch gehe das Unternehmen davon aus, „dass die meisten unserer Kunden die Vorteile des bargeldlosen Zahlens nachvollziehen können“. So zumindest die Hoffnung.

Das Zahlungsverhalten in Deutschland

Laut der Zahlungsverhaltensstudie der Bundesbank von 2021 „bleibt Bargeld ein fester Bestandteil im Zahlungsverhalten der Bürgerinnen und Bürger“. So sei die durchschnittliche Höhe der Geldbestände in den Portemonnaies seit vielen Jahren nahezu gleichgeblieben.

Selbst die Bürger, „die nach eigenen Aussagen für Zahlungen bevorzugt zur Karte greifen, haben durchschnittlich noch 77 Euro im Portemonnaie“, so die Bundesbank. 2021 war Bargeld sogar nach wie vor das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel der Deutschen.

Hierzu heißt es von der Bundesbank: „58 Prozent der im Tagebuch der Befragten notierten Transaktionen und rund 30 Prozent der aufgezeichneten Umsätze entfielen auf Bargeld“. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Nutzung von Bargeld im Vergleich zu anderen Zahlungsmitteln rückläufig ist. Dieser Trend hätte sich in der Corona-Pandemie zumindest vorläufig noch verstärkt.

„Im Vergleich zur Vorgängerstudie aus dem Jahr 2017 ist der Barzahlungsanteil gemessen an der Anzahl der Transaktionen in den vergangenen vier Jahren um 16 Prozentpunkte zurückgegangen; gemessen am Umsatz beträgt der Rückgang 18 Prozentpunkte“, heißt es hierzu. Und ein Großteil dieses Rückgangs dürfte laut Bundesbank auf die beiden Pandemie-Jahre 2020 und 2021 entfallen.

Beim Elektronikhändler Gravis kann man ab sofort nicht mehr Bargeld bezahlen.

Vor allem in Deutschland ist das Thema Bargeld emotional aufgeladen. Denn in der Bundesrepublik wird noch vergleichsweise häufig bar bezahlt. Beim Fallbeispiel Gravis wäre ein Pro-Argument für die Barzahlung beispielsweise, dass es auf diesem Wege bislang kein Problem war, dort technische Geräte oder Zubehör anonym zu kaufen.

Nicht außer Acht zu lassen ist zudem, dass das Barzahlen als einer von mehreren Zahlungswegen Kunden flexibler macht. Im Frühjahr 2022 waren bei zahlreichen Einzelhändlern zeitweise gar keine Kartenzahlungen mehr möglich. Es gab technische Probleme bei einem bestimmten, weit verbreiteten Zahlungsterminal.

Von Bargeld- zur Kartenzahlung: Wie Gravis einen neuen Weg beschreitet

De facto konnte man bislang bei Gravis jedes Produkt bar bezahlen. So heißt es zumindest von Unternehmensseite. Mit seinen 40 Filialen zählt das Unternehmen zu den bekanntesten deutschen Technikhändlern und ist zum Beispiel in Hamburg, Köln und Berlin präsent. 

Nach Angaben von Gravis sei man sogar „Deutschlands größte autorisierte Apple-Handelskette“. Zudem ist die Rede vom „größten zertifizierten Apple-Servicepartner“ in ganz Europa. Das Unternehmen gehört zur Freenet AG.

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago; Fotostand/K. Schmitt/Imago; Collage: Wagner/RUHR24