Kurzes Intermezzo

Google stellt gescheiterten Dienst ein – Nutzer müssen sich Alternative suchen

Der Spieleabodienst Stadia von Google ist tot. Das kurze Intermezzo hat viele Gründe und zieht für die Nutzer mehrere Konsequenzen nach sich.

NRW – So wirklich überrascht hat es wohl die Wenigsten: Der Cloud Gaming Service „Google Stadia“ wird knapp drei Jahre nach dem Start im November 2019 schon bald wieder eingestellt. Dass Gaming-Freunde mit dem Google-Dienst nie so wirklich warm geworden sind, hat mehrere Gründe (mehr Service-News auf RUHR24).

Google StadiaCloud-Gaming Dienst des US-Unternehmens Google
Erscheinungsjahr19. November 2019
Voraussichtliches Ende18. Januar 2023

Google stampft Gaming-Dienst Stadia nach rund drei Jahren wieder ein – Erwartungen wurden nicht erfüllt

Am 29. September 2022 kam die Nachricht, mit der wohl nicht nur echte Gaming-Experten gerechnet haben. Die Spiele-Plattform Stadia musste offiziell ihr Ende verkünden. Zu gering war in den rund drei Jahren Laufzeit das Interesse der Spielefreunde am Gaming-Dienst des US-amerikanischen Technologieriesen Google.

Über ein baldiges Ende des Angebots Stadia wurde bereits von vielen Seiten seit Längerem gemutmaßt. Nicht umsonst wurde die Priorität des Gaming-Angebots, das am Ende circa 289 Spiele umfasste, bereits zu Beginn des Jahres 2022 herabgesetzt, berichtet die IT-Seite winfuture. Die eigenen Studios für die Spieleentwicklung in Los Angeles und Montral wurden laut dem Magazin t3n bereits zu Beginn des Jahres 2021 geschlossen, die Mitarbeiter woanders hin versetzt.

Phil Harrison, Google Vice President, musste am Ende einräumen, dass Stadia „bei Nutzern nicht so viel Fahrt“ aufnehmen konnte, wie sich die Initiatoren versprochen hatten. Den Dienst nun zeitnah einzustampfen, sei nichtsdestotrotz eine „schwierige Entscheidung“ gewesen, erklärte er in einem Blog-Beitrag.

Google-Dienst Stadia verharrte in Deutschland stets im tristen Nischendasein

Wie auch die deutsche Computerspielezeitschrift Gamestar berichtet, solle die Technologie, auf der Stadia basierte, weiter genutzt werden, so zum Beispiel bei Youtube oder Google Play. Beim sogenannten Cloud-Gaming, das sich bisher noch nicht so richtig durchsetzen konnte, werden Spiele in Google-Rechenzentren ausgeführt und per Videostream an die Spieler versendet.

In der Gaming-Branche konnte Stadia nie wirklich über sein Nischendasein hinauswachsen. Gamestar gibt gleich mehrere Gründe dafür an. Einerseits sei für ein flüssiges Gaming-Erlebnis beim Streaming von Spielen zunächst eine sehr gute Internetverbindung vonnöten – und da befindet sich Deutschland bekanntermaßen eher in der Bandbreit-Hölle als im Glasfaser-Olymp.

Schlechtes Internet in Deutschland sorgte unter anderem für das Aus von Google-Dienst Stadia

Deutschland liegt in puncto Internet-Geschwindigkeit im Festnetz laut dem Speedtest Global Index von Ookla nur auf Platz 38, berichtet Verivox. Beim mobilen Internet springt nur Platz 30 heraus.

Zwar gibt es dazu keine verlässlichen Zahlen, aber dass sich Stadia angesichts derartiger Platzierungen hierzulande nicht durchsetzen konnte, erscheint nicht ganz unwahrscheinlich. In Deutschland werden Angebote der Konkurrenz, wie Playstation Plus oder der Xbox Game Pass, deutlich besser angenommen.

Nur 13 Prozent der Gamer in Deutschland vertrauten Stadia – Konkurrenten meilenweit voraus

Das belegen auch die Zahlen. Laut einer Statista Global Consumer Survey aus dem Jahr 2021 nutzen hierzulande nur rund 13 Prozent der Spieleabonutzer den Google-Service Stadia. Damit lag das Cloudstreaming-Angebot bereits damals schon abgeschlagen auf dem letzten Platz. Google selbst veröffentlichte dazu keine Zahlen.

Dass Gamerinnen und Gamer alle Spiele trotz eines Monats-Abos nochmals zum Vollpreis kaufen mussten und sie dann dennoch nicht wirklich besaßen, dürfte laut Gamestar ebenfalls ein Grund für das kurze Stadia-Intermezzo gewesen sein. Hinzu kommt, dass das Angebot im Vergleich zu den Angeboten der übermächtigen Konkurrenz nur sehr überschaubar war.

Zahlreiche deutsche Nutzer begegneten Stadia stets mit Misstrauen

Zu guter Letzt brach wohl auch das durchgehende Nischendasein dem Gaming-Service von Google das Genick. Weil sich Stadia neben der starken Konkurrenz auf dem umkämpften Gaming-Markt nie richtig durchsetzen konnte, seien die Nutzer laut Gamestar mit ihren Käufen „entsprechend zögerlich“.

Der Gaming-Service Stadia von Google konnte sich trotz hoher Investitionen von mehreren Millionen US-Dollar nie durchsetzen. Experten, wie beispielsweise der Youtuber „m00sician“, standen Stadia von Anfang an wegen der aufgeführten Gründe ohnehin kritisch gegenüber.

Der Gaming-Service „Stadia“ von Google konnte sich in Deutschland nie richtig durchsetzen.

Er kritisiert „Googles Verschwiegenheit“ zu Stadia und dass sich der Konzern beispielsweise nie genug Mühe gegeben habe, eine organische Fanbase aufzubauen. Google habe sich nie wirklich hinter das eigene Produkt gestellt, meint er.

Google erstattet Einkäufe und schließt den Google-Store für Stadia-Produkte

Doch Nutzer können zumindest etwas aufatmen. Denn alle Stadia-Käufe, die über den Google-Store getätigt wurden – egal ob Hard- oder Software – werden automatisch bis etwa Mitte 2023 erstattet, berichtet Gamestar. Zudem dürfen Stadia-Gamer ihre gekauften Geräte, wie etwa Gaming-Controller, behalten.

Außerdem werden Vorbestellungen, wie etwa FIFA23, abgebrochen, der Stadia Store ist bereits geschlossen. Ebenso haben bereits mehrere Entwicklerstudios wie Ubisoft oder IO Interactive verkündet, dass sie versuchen wollen, die Spielstände von Stadia auf andere Plattformen zu übertragen.

Rubriklistenbild: © Offenberg/Imago

Mehr zum Thema