Goldener Windbeutel

Goldener Windbeutel 2019: So lügen die Hersteller bei ihren Lebensmitteln

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Der goldene Windbeutel wird jedes Jahr an das Unternehmen mit der dreistesten Werbelüge verliehen

Die Lebensmittelindustrie trickst, wo sie nur tricksen kann. Sei es bei den Inhaltsstoffen, bei der Herkunft oder beim Marketingversprechen. Das fängt schon beim Mineralwasser an. Der goldene Windbeutel soll die Hersteller verwarnen.

  • Die Hersteller lügen oft bei der Verpackungsgröße oder den Inhaltsstoffen.
  • Aber auch der Zusatz "gesund" oder "fit" erweckt oft einen falschen Eindruck.
  • Passend dazu wird jedes Jahr der goldene Windbeutel verliehen. 
  • Mieses Marketing: Keine Piermontkirsche in Mon Chérie

    Seit Jahren wirbt die kleine Praline Mon Chérie mit der berühmten Piermontkirsche. Eine komplette Kirsche soll sich in jeder Praline besitzen. Dabei gibt es gar keine Piermontkirschen in der Natur. Das ist weder eine eigene Kirschsorte, noch gibt es überhaupt Kirschen in Piermont. Der Produzent Ferrero,in dessen Werk es vor Kurzem erst zu einem Streik kam, kauft die Kirschen grundsätzlich dort ein, wo sie gerade am günstigsten sind. Das kann dann auch schon mal Chile sein.

    Ein weiterer Marketing-Trick: Mon Chérie wird nicht in den Sommermonaten verkauft. Offiziell heißt es, dass sie im Sommer die ausgezeichnete Qualität nicht sichern können und Angst vor einem Wärmeschaden haben. Dabei schaffen es auch andere Hersteller, ihre Schokolade gekühlt zu halten. Dagegen ist die Vermutung wahrscheinlicher, dass der nicht-Verkauf etwas mit dem Umsatz zutun hat. Im Sommer essen die Menschen potenziell weniger Schokolade. Wenn F e rrero Mon Chérie im Herbst wieder einführt, steigt der Umsatz sprunghaft an.

    Weniger süß: Krüger Chai Latte mit weniger Zucker und weniger Inhalt

    Die Firma Krüger bietet zwei Varianten seiner Chai-Latte-Tees an: klassisch und weniger süß. Anstatt jedoch bei der weniger süßen Version auf Zucker zu verzichten, wurde ein ganz anderer Trick angewandt: Sie machen einfach die Verpackung kleiner.

    Die normale klassische Variante des Pulvers enthält rund 71,9 Prozent Zucker. "Weniger süß" dagegen 59,4 Prozent. So bleibt der Instant-Tee auch weiterhin eine Zuckerbombe. Damit der Unterschied im fertig angemischten Getränk größer ist, hat der Hersteller die Verpackung der einzelnen Tüten einfach kleiner gemacht. Während die klassische Variante in 25 Gramm pro Tüte kommt, ist es bei der weniger süßen Variante nur noch 14 Gramm. So hat das Produkt nicht nur, augenscheinlich, weniger Zucker, sondern passend dazu ist der Tee auch noch 80 Prozent teurer.

    Größte Täuschung der Verbraucher 2018: Smartwater von Coca Cola

    Der gemeinnützige Verein Foodwatch vergibt jedes Jahr den goldenen Windbeutel für die dreistesten Werbelügen. Im vergangenen Jahr ging der Preis an Smartwater. Der Hersteller Coca Cola verdiente die Auszeichnung dadurch, dass sie ihr Wasser als das bessere Wasser betitelte. Das komme angeblich daher, dass sie das Wasser vorher dampfdestillieren, um einen besseren Geschmack zu erreichen. Bei diesem Verfahren werden allerdings alle Mineralien und Spurenelemente abgetötet. Coca Cola fügt diese in einem weiteren Verfahren wieder hinzu.

    Schlussendlich hat Coca Cola, laut Foodwatch, einen unnötigen Schritt gemacht. Trotzdem verkaufen sie ihr Wasser mit einem vergleichsweise siebenfach höheren Preis. Einen Vorteil gegenüber des Wassers der Konkurrenz hat Smartwater aber nicht.

    Goldener Windbeutel 2019: Die Abstimmung hat begonnen

    Auch in diesem Jahr wird wieder der goldene Windbeutel verliehen. Am Dienstag (5. November) hat Foodwatch seine nominierten Lebensmittel vorgestellt und zur Abstimmung aufgerufen. Ein zweifelhaftes Produkt unter den nominierten sind beispielsweise die Wasabi Erdnüsse von Rewe Gute Wahl.

    Rewe bewirbt auf der Vorderseite der Verpackung die Nüsse mit Wasabi. Nicht nur ersichtlich durch den Namen der Erdnüsse von Rewe, sondern auch durch die grüne Farbe der Verpackung und dem Darstellen der grünen Erdnüsse. Dabei enthält das Produkt gerade mal 0,003 Prozent Wasabi. Stattdessen fügt Rewe Aroma und Farbstoffe hinzu. Das soll den typischen Wasabi-Geschmack nur vortäuschen. Das Verfahren ist bei weitem günstiger, als echtes Wasabi zum Würzen der Nüsse zu benutzen.