Was kann der Stoff Curcumin?

Goldene Milch: Ist der beliebte Kurkuma-Latte wirklich ein Allheilmittel?

Goldene Milch oder eben Kurkuma-Latte soll richtig gesund sein und sogar diverse Krankheiten heilen können. Aber was ist dran an dem Wundermittel?

Dortmund – Draußen ist es kalt, nass und dunkel. Ein Getränk, das wärmt, gesund ist und die Laune mit seiner strahlenden Farbe heben würde, wäre jetzt perfekt. Gut, dass es genau das gibt: goldene Milch! Die leuchtend gelbe Kurkuma-Milch ist nicht nur ein Hingucker, sondern soll zudem sehr gesund sein. Aber ist das wirklich so? RUHR24* ist dem auf den Grund gegangen.

PflanzeKurkuma
FamilieIngwergewächse (Zingiberaceae)
Alternative BezeichnungenKurkume, Gelber Ingwer, Safranwurz, Gelbwurz, Gilbwurz oder Curcuma

Kurkuma-Latte: Goldene Milch besticht mit strahlender Farbe und soll gesund sein

Goldene Milch ist eine Mischung aus Milch oder Pflanzenmilch, Kurkuma, Ingwer, Pfeffer, Zimt und etwas Süße in Form von Honig oder auch pürierten Datteln. Die Rezepte sind immer etwas unterschiedlich, eines haben sie aber immer gemeinsam: Kurkuma ist wichtigster Bestandteil der Wunder-Milch.

Denn ohne würde die goldene Milch eben auch nicht golden, sondern irgendeine andere wenig beeindruckende Farbe haben. Die Kurkuma-Wurzel, die passenderweise auch noch den Namen Gelbwurzel trägt, besticht mit ihrer leuchtenden Farbe, wenn man sie aufschneidet. Dafür ist der Farbstoff Curcumin verantwortlich.

Daher ist Kurkuma nicht nur ein wunderbares Gewürz in der asiatischen Küche und wichtige Zutat in der goldenen Milch, sondern wird auch in der Lebensmittelindustrie als Farbstoff E100 eingesetzt. So kommt die mit dem Ingwer verwandte Knolle auch in Senf oder Wurstwaren zum Einsatz.

Goldene Milch: Ein Allheilmittel oder bloß Gewürz in Milch?

Kurkuma wird so einiges nachgesagt und so auch der goldenen Milch: Es soll Krebs und Demenz heilen, bei Übergewicht und Haarausfall helfen, einen fiesen Kater mindern sowie Depressionen bekämpfen. Die Liste lässt sich noch fortführen. Aber kann es wirklich so einfach sein? Goldene Kurkuma-Milch trinken und alle Probleme sind passé?

Kurz: Nein. Zwar gibt es zahlreiche Studien, die in Laborversuchen gezeigt haben, dass der Stoff Curcumin bestimmt Proteine von Krankheiten, die man behandeln will, ausschalten kann. Allerdings gibt es dabei laut der promovierten Chemikerin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim einen großen Haken. Auf ihrem Youtube-Channel „maiLab“ erklärt die Wissenschaftlerin, was es mit dem Kurkuma-Mythos auf sich hat.

Kurkuma-Latte: Stoff Curcumin ist ein Hochstapler und kann nicht so viel, wie er verspricht

Die Ergebnisse der Curcumin-Tests stammen meist aus Labortests oder Tierversuchen – jedoch nicht aus klinischen Studien mit Menschen. Denn der Kurkuma-Stoff kann zu falsch-positiven Ergebnissen führen, die Youtuberin spricht von einem „Hochstapler-Molekül“.

Dabei verweist sie auf einen wissenschaftlichen Kommentar, der bereits 2014 in der Fachzeitschrift Nature erschienen ist. Die Autoren raten dazu, die Wirkungsweise von Curcumin und ähnlichen Molekülen zu vernachlässigen.

Goldene Milch: Curcumin aus Kurkuma wird als Allheilmittel angepriesen

Mit dieser Meinung stehen die Wissenschaftler nicht alleine da. Der Münchner Mediziner Peter Schnabel, Allergologe und Dermatologe der TU München, hat sich über Jahre die Veröffentlichungen zu medizinischen Studien genauer angesehen.

Sein Fazit zu der Wirkungsweise von Curcumin fällt vernichtend aus. Gegenüber dem BR erklärt er 2017: „Nicht eine einzige Arbeit bringt den Nachweis, dass es irgendwelche Wirkungen bei den vielen, vielen Erkrankungen gibt. Curcumin wird praktisch als Allheilmittel angepriesen, nicht nur gegen Krebs. Das stimmt schlicht und ergreifend nicht.“

Kurkuma-Latte oder auch „Goldene Milch“ soll richtig gesund sein! Aber was ist dran?

Curcumin ist wenig überzeugend: Für Medikamente kaum geeignet

Der Mediziner führt weiter aus, dass in vielen Arbeiten schlussendlich stünde, dass man nicht genau wisse, welche Mechanismen dahinter stecken und die Untersuchungen weitergeführt werden müssten. Klingt wenig überzeugend.

Auch wenig überzeugend sind die Eigenschaften des Stoffes Curcumin. Denn die chemische Verbindung ist sehr empfindlich und zerfällt schnell in seine Einzelteile. Zudem ist er nicht wasserlöslich – eine Grundvoraussetzung für die Herstellung von Medikamenten.

Goldene Milch ein Flop? Die Kurkuma-Latte kann doch noch punkten

Aber was heißt das jetzt für unsere geliebte und wärmende Kurkuma-Latte? Nun, mit Sicherheit wird das Getränk kein Alzheimer und erst recht keinen Krebs heilen. Doch ein paar positive Eigenschaften soll das Getränk dennoch haben.

Der Mediziner Peter Schnabel räumt rein, dass Curcumin entzündungshemmend und antioxidativ wirkt. So kann Kurkuma bei Magen-Darm-Beschwerden und auch bei der Fettverdauung helfen. Auch die Verbraucherzentrale schreibt: „Leichte Beschwerden wie Blähungen oder ein Völlegefühl nach dem Essen können durch Kurkuma (als Gewürz)* abgemildert oder vermieden werden.“

Kurkuma-Latte: Golden Milch ist kein Wundermittel – aber wenn‘s schmeckt

Doch zu viel Kurkuma kann auch ins Gegenteil umschlagen. Wer zu viel davon aufnimmt, muss sich mit Blähungen, Übelkeit, Durchfall und Sodbrennen herumschlagen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung teilt mit, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI, Acceptable Daily Intake) für Curcumin von 3 mg/kg Körpergewicht (KG) und Tag empfiehlt.

Das hört sich an, als könnte das schnell erreicht werden, allerdings sollte man bedenken, dass auch Kurkuma nur etwa ein bis sechs Prozent Curcumin enthält. Effektiv ist es tatsächlich aber noch weniger, da die Bioverfügbarkeit gering ist. Heißt: Es kommt im Körper weniger an, als der Stoff hergibt. Laut maiLab liegt die Bioverfügbarkeit bei nur einem Prozent, der Rest wird wieder ausgeschieden (mehr Lifehacks* bei RUHR24).

Abschließend lässt sich also sagen: Die goldene Milch ist kein Wundermittel, wenn es aber schmeckt, schadet es aber auch nicht. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Victoria Maiwald/RUHR24

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