Teilweise krebserregend

Giftige Kleidung beim Online-Shop Shein: Gefährliche Schadstoffe entdeckt

Shein wirft täglich tausende neue Produkte auf den Markt. In vielerlei Hinsicht ist das bedenklich. Auch die Gesundheit der Kunden ist gefährdet.

Dortmund – Jeden Tag tausende neue Artikel im Angebot, immer aktuellen Trends folgend und das zu günstigen Preisen, sodass wirklich jede und jeder zugreifen kann: Das ist Shein. Dass dieses Mode-Utopia auch seine Schattenseiten hat, ist vielen bekannt und wird von vielen ignoriert. Doch das kann auf die Kosten der eigenen Gesundheit gehen.

Online-Händler Shein bietet Kleidung zu Spottpreisen in rauen Mengen an

Gerade in Krisenzeiten, wenn in allen Bereichen die Preise steigen, müssen viele Menschen dreimal überlegen, ob sie sich eine neue Klamotte leisten können, oder eben doch verzichten müssen. Klar kommen dann Modekonzerne wie Shein gerade recht. Hier können Nutzerinnen und Nutzer shoppen und müssen dabei kaum auf das Geld achten. Denn hier ist einfach alles günstig.

Winterstiefel für 22,99 Euro, der Mantel für 27 Euro oder sogar ein Hochzeitskleid für unglaubliche 19 Euro – das und vieles mehr ist bei Shein möglich. Abgesehen von Kleidung werden auf dem Portal auch Wohnaccessoires, Beauty-Artikel und Produkte für Kinder angeboten. Neben den Preisen ist ein weiterer Fakt unglaublich: Täglich werden zwischen 6.000 und 9.000 neue Artikel bei dem Textilhändler Shein online gestellt.

Shein glänzt nicht nur mit Billig-Ware – Konsum geht auf Kosten von Menschen, Umwelt und Gesundheit

Seit der Gründung im Jahr 2013 hat sich Shein mit diesem Preis- und Ultra-Fast-Fahion-Modell an die Spitze gekämpft. Das chinesische Unternehmen gehört inzwischen zu den größten Modeunternehmen der digitalen Welt. Rund 10.000 Menschen arbeiten für den Milliarden-Konzern. Das hat seinen Preis.

Wahrscheinlich können nur wenige Konsumentinnen und Konsumenten von sich behaupten, ausschließlich faire Mode zu kaufen und ständig alle globalen Konsequenzen ihres Tuns auf dem Schirm zu haben. Auch wenn für einige Menschen die massiven Auswirkungen auf die Umwelt und die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten beim Shoppen weniger relevant sein mögen. Womöglich könnte der Fakt, dass einige der günstigen Textilien, der Gesundheit schaden können, Kundinnen und Kunden vom nächsten Kauf abhalten.

Online-Shop Shein verkauft Produkte samt gefährlichen Chemikalien

Geht es um die Fabriken, die die Textilien für Shein färben und jene, die sie zu neuen Trend-Teilen zusammennähen, hält sich der Konzern eher bedeckt. Es ist nur wenig dokumentiert und wenige Daten sind einsehbar. Doch die Produkte selbst geben Aufschluss über den ökologischen Fußabdruck und auch über die gesundheitlichen Konsequenzen für Kundinnen und Kunden.

Greenpeace hat 47 Artikel bei Shein über die Webseiten in Österreich, Deutschland, Italien, Spanien, der Schweiz und in einem Pop-Up-Store in München erstanden und vom unabhängigen Labor BUI (Bremer Umwelt Institut) untersuchen lassen. Dabei wurden gefährliche Chemikalien gefunden.

Shein wirft täglich tausende neue Produkte auf den Markt. In vielerlei Hinsicht ist das bedenklich.

Shein verkauft Kleidung mit krebserregenden Stoffen – auch Bekleidung für Kinder betroffen

In sieben Proben (15 Prozent) fanden die Expertinnen und Experten gefährliche Chemikalien, die gegen EU-Grenzwerte im Rahmen der REACH-Verordnung verstoßen. Laut Oeko-Tex-Standard wurden in 15 Produkten (32 Prozent) gefährliche Chemikalien in „besorgniserregenden Mengen“ gefunden, wie es in dem Bericht der Umwelt-Organisation Greenpeace heißt.

REACH-Verordnung der EU

REACH leitet sich vom Titel der Verordnung ab: Regulation concerning the Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of CHemicals. Übersetzt also Verordnung über die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe.

Seit 2007 ist die europäische Chemikalienverordnung in Kraft und soll ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sicherstellen. REACH gilt für alle chemischen Stoffe – nicht nur in industriellen Prozessen, sondern auch für Stoffe, die im täglichen Leben vorkommen. Somit hat die Verordnung auch Einfluss auf Produkte wie Kleidung, Putzmittel, Möbel oder Elektrogeräte. Daher hat REACH Auswirkungen auf die meisten Unternehmen in der gesamten EU.

„In einem Kleid für ein kleines Kind wies das Labor einen hohen Gehalt an krebserregendem Formaldehyd nach, in einem Schuh die Weichmacher Phthalate“, erklärt Viola Wohlgemuth, Expertin für Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft bei Greenpeace. Der Phthalat-Wert hat den laut REACH-Verordnung zugelassenen Wert um das 680-fache überschritten.

Giftige Stoffe in Shein-Produkten nachgewiesen – Gefahr für Kunden und Arbeiter

Hier ein Auszug der gefundenen Schadstoffe und deren mögliche Auswirkungen für Umwelt und Gesundheit:

  • Alkylphenolethoxylate (APE): Giftig für Wasserlebewesen.
  • Formaldehyd: Wahrscheinlich krebserregend und kann allergische Reaktionen verursachen, reizt Augen, Nase und Rachenraum. 
  • Schwermetalle wie Cadmium, Blei und Quecksilber: Blei und Quecksilber können das Nervensystem schädigen, Cadmium kann die Nieren schädigen und Krebs verursachen.
  • Phthalate: Können die Reproduktionsfähigkeit schädigen.
  • DMF – N-N-Dimethylform-amid: Als fortpflanzungsgefährdend eingestuft.
  • Aromatische Amine: Teilweise krebserregend.

Shein zu den Greenpeace-Vorwürfen: „Betroffene Produkte sofort entfernt“

Shein ist laut eigenen Aussagen den gefährlichen Chemikalien auf der Spur. Gegenüber RUHR24 teilt das Unternehmen mit: „Wir sind den Vorwürfen von Greenpeace gründlich nachgegangen. Wir können auch bestätigen, basierend auf den von Greenpeace zur Verfügung gestellten Informationen, dass wir die betroffenen Produkte sofort entfernt haben, während eine Untersuchung läuft. SHEIN ist bestrebt, den Verbrauchern stets sichere und zuverlässige Produkte anzubieten.“

Weiter betont das chinesische Unternehmen, dass alle Lieferanten entsprechende Kontrollen einhalten müssten, die unter anderem an der REACH-Verordnung ausgerichtet sind. Zudem würde Shein mit Prüfstellen wie unter anderem TÜV zusammen arbeiten. Im vergangenen Jahr hätte Shein mit diesen Behörden mehr als 300.000 Chemikaliensicherheitstests durchgeführt.

Doch trotz dieser Tests sind laut Greenpeace-Recherche einige Chemikalienverstöße durchgerutscht. Nicht nur Kundinnen und Kunden könnten mit ihrer Gesundheit für die schnelle Mode zahlen. Vor allem die Menschen in den Produktionsstätten sind durch die Chemikalien gefährdet – und das neben elf Stunden Arbeit am Tag an 29 Tagen im Monat.

Rubriklistenbild: © Antoine Wdo/Imago