Dos und Don‘ts

Giersch entfernen: Hausmittel, Chemie, jäten – was wirklich hilft

Wer schonmal versucht hat, Giersch im Garten zu bekämpfen, weiß: Dieses Unkraut ist besonders hartnäckig. Nur wenige Methoden helfen dauerhaft. 

NRW – Die Herausforderung beim Giersch: Einfaches Ausreißen des Krautes bringt rein gar nichts, denn danach wächst es bereits nach kurzer Zeit wieder nach. Auch viele der angeblich hilfreichen Hausmittel sind unwirksam – dennoch gibt es Möglichkeiten, Giersch nachhaltig zu entfernen.

Gierschweit verbreitetes Beikraut
wissenschaftlicher NameAegopodium podagraria
Familie Doldenblütler

Giersch entfernen – das Beikraut vermehrt sich rasend schnell 

Gewöhnlicher Giersch (Aegopodium podagraria) zählt zu den Doldenblütlern. Obwohl die Pflanze im Mittelalter sogar als Heilkraut angebaut wurde, ist sie heutzutage bei Hobbygärtnern extrem unbeliebt.  

Der Grund: Mit seinen unterirdischen Kriechtrieben (Rhizomen) kann Giersch sich schnell in Rasen oder Beet vermehren und anderen Pflanzen Nährstoffe entziehen bzw. sie verdrängen (weitere Garten-News auf RUHR24).

Giersch bekämpfen mit Chemie – wirksam, aber mit Vorsicht anzuwenden

Im Handel sind für genervte Gartenbesitzer mittlerweile spezielle chemische Unkrautvernichter gegen Giersch erhältlich. Diese können tatsächlich helfen, das lästige Beikraut loszuwerden.

Insbesondere bei jungen Pflanzen haben sich chemische Mittel gegen Giersch bewährt. Hat die Pflanze erst eine gewisse Wuchshöhe erreicht, besteht allerdings die Gefahr, dass nur die Blätter braun werden und absterben und der Giersch dennoch wieder nachwächst. 

Der große Nachteil solcher Unkrautvernichter: Sie können auch die umliegenden Pflanzen sowie den Rasen schädigen und sind daher grundsätzlich nur streng nach Anweisung und äußerst vorsichtig anzuwenden.  

Giersch auf dem Rasen – das lästige Unkraut lässt sich nur schwer bekämpfen. (Symbolfoto)

Die größten Fehler beim Entfernen von Giersch – diese Mittel bringen gar nichts 

Viele umweltbewusste Gärtner möchten lieber ganz auf Chemie verzichten. Zahlreiche der Hausmittel, die angeblich gegen Giersch helfen sollen, sind jedoch wenig hilfreich und führen regelmäßig zu Frust. Teilweise können sie sogar noch zur Ausbreitung beitragen. 

Hausmittel, die man sich sparen kann, sind zum Beispiel: 

  • Essig und Salz: Giersch mit einer Lösung aus Essig und Salz zu bekämpfen, ist rechtlich problematisch. Denn laut Pflanzenschutzgesetz sind nur Mischungen zulässig, die speziell für die Anwendung zugelassen sind. Ohnehin tötet die Mischung die Pflanze nur oberflächlich ab, sodass diese wieder nachwächst. 
  • Giersch entfernen mit Kaffeesatz: Kaffeesatz lässt sich als Hausmittel zwar vielseitig einsetzen. Entgegen vieler Annahmen hilft er aber nicht gegen Giersch.  
  • Kartoffelwasser: Heißes Kartoffelwasser kann dafür sorgen, dass oberirdische Pflanzenteile absterben. Die unterirdischen Triebe bleiben davon aber unbeeindruckt, der Giersch wächst nach. 
  • Abdecken mit Rindenmulch: Damit lässt sich das Wachstum lediglich etwas hemmen. Wer´s mal versucht hat, weiß aber, dass das unbeliebte Doldengewächs auch den Weg durch die Mulchschicht findet. 
  • Ausreißen oder oberflächliches Jäten: Dank ihrer langen Ausläufer wachsen die Pflanzen nach dem Entfernen einfach nach. 
  • Wer probiert, die tiefen Wurzeln mit einem Spaten auszugraben, kann es sogar noch schlimmer machen: Denn mit dem Spaten läuft man Gefahr, die Wurzeln zu durchtrennen und aus den Wurzelstücken wachsen wieder neue Pflanzen. 

Giersch nachhaltig bekämpfen: Das Unkraut bei der Wurzel packen und am Ball bleiben 

Dennoch ist das Entfernen der unterirdischen Triebe grundsätzlich eine gute Methode, um Giersch dauerhaft loszuwerden:

  • Dabei sollte aber unbedingt statt Spaten eine Grabegabel verwendet werden.
  • Es ist darauf zu achten, dass wirklich die komplette Wurzel ausgegraben wird. Daher sollte der Boden mindestens 30 Zentimeter tief umgegraben werden.
  • Bestenfalls solle die ausgegrabene Erde sogar nochmal ausgesiebt werden, um auch jedes Wurzelstückchen zu erwischen, empfiehlt Utopia.de.
  • Es kostet zwar Zeit und Mühe, die hellen Wurzeln penibel aus dem Boden zu suchen, – das Vorgehen kann aber langfristig zum Erfolg führen. 
  • Oberste Regel bei dieser natürlichen Methode: Hartnäckig bleiben (schließlich ist auch der Giersch hartnäckig). Sobald erste kleine Pflanzen nachwachsen, sollten diese sofort wieder ausgegraben werden.
  • Wichtig zudem: Der Giersch sollte vor der Blüte entfernt werden, da er sich sonst schnell wieder über die Samen vermehrt. Die entfernten Teile der Pflanze dürfen außerdem nicht auf den Kompost, denn auch von hier kann sie sich wieder ausbreiten. 

Giersch entfernen – den Pflanzen mit Pappe Sauerstoff entziehen

Ein weiteres natürliches Mittel, um Giersch zu bekämpfen, das Mein-schöner-Garten und Compo.de empfehlen, ist das Abdecken des Bodens mit Pappe. Diese Methode eignet sich insbesondere für die unbewachsenen Teile der Beete.  

Der Boden wird dort mit einfacher Pappe oder speziellem Unkrautvlies abgedeckt und darüber mit Rindenmulch versehen. So werden beim Beikraut Sauerstoff und Licht entzogen. 

Auch bei dieser nachhaltigen Weise, um Giersch zu entfernen, braucht man aber Geduld. So könne es bis zu zwei Jahre dauern, bis die unterirdischen Triebe absterben, erklärt Compo.de. 

Giersch entfernen – nur wenige Methoden helfen dauerhaft. (Symbolfoto)

Giersch natürlich bekämpfen: Mit Storchenschnabel und Kartoffeln gegen das Kraut

Eine besonders naturnahe Möglichkeit, um den Kampf gegen den Giersch zu gewinnen, sind bestimmte Pflanzen. Gärtner setzen hier beispielsweise auf Storchenschnabel. Der beliebte Bodendecker entzieht den nachwachsenden, kleinen Gierschpflanzen mit seinen dichten Blättern das Licht. 

Aus eben diesem Grund empfiehlt Mein-schöner-Garten.de auch Kartoffelpflanzen, die ebenfalls ein dichtes Blattwerk besitzen und Giersch zudem auch Nährstoffe entziehen können. Der Kartoffelanbau ist somit zur Bekämpfung von Giersch eine natürliche und schmackhafte Alternative zu Chemiekeulen oder mühsamem Jäten. 

Giersch essen statt entfernen – das „Unkraut“ eignet sich für viele Rezepte

Apropos schmackhaft: Wer mag, kann Giersch auch essen, statt ihn mühselig zu bekämpfen. Wie der Naturschutzbund Deutschland auf seiner Webseite erklärt, lassen sich damit beispielsweise Salate, Pesto oder Suppen zubereiten.  

Giersch schmecke ähnlich wie Petersilie und sei dabei sehr gesund. Er enthalte unter anderem Vitamin C, Vitamin A und Kalium. Früher sei er sogar als Heilkraut eingesetzt worden, sein wissenschaftlicher Name Aegopodium podagraria bedeute übersetzt “die Gicht heilend 

Giersch erkennen – es besteht Verwechslungsgefahr mit giftigen Pflanzen

Zu beachten ist allerdings, dass Giersch einigen giftigen Pflanzen sehr ähnlich sieht – beispielsweise der giftigen Hundspetersilie oder dem Gefleckten Schierling.  

Zu identifizieren ist Giersch mithilfe der Dreierregel: Er hat jeweils drei mal drei Blätter und auch der Stängel ist beim Durchschneiden dreieckig. Zerreibt man die Blätter mit dem Finger, riechen sie zudem leicht nach Petersilie. 

Giersch entfernen im Einklang mit der Natur – das Beikraut nutzt Bienen und schmeckt Meerschweinchen

Wem es nicht geheuer ist, das Beikraut zu essen, kann es immerhin noch als Futter für Nagetiere verwenden: Kaninchen oder Meerschweinchen lieben das hartnäckige Gewächs.  

Auch für Wildtiere ist es von Vorteil, den Giersch nicht gänzlich aus dem Garten zu entfernen: Laut nabu.de nutzt die Pflanze vielen Schmetterlingsarten und auch Bienen. 

Rubriklistenbild: © Regina Wolf/ RUHR24, imagebroker/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24

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