Verschreibung vom Arzt

Nicht nur Medikamente: Diese medizinischen Apps gibt es bald auf Rezept

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Gesundheitsapps auf Rezept? Schon bald soll das möglich sein.

Mit dem neuen Gesundheitsgesetz sollen die Krankenkassen ab Ende 2020 die Kosten für ausgewählte Gesundheitsapps übernehmen.

  • Bald schon kann man sich Apps vom Arzt auf Rezept verschreiben lassen.
  • Bereits Ende 2020 werden die Kosten für manche Gesundheitsapps  von der Krankenkasse übernommen.
  • Dafür müssen sie allerdings vorher geprüft und der Datenschutz gesichert werden.

Dortmund - Viele Smartphones haben beispielsweise bereits eine Fitnessapp integriert. Doch neben diesen gibt es noch jede Menge anderer Gesundheitsapps. Die volle Nutzung der Apps hat allerdings oft ihren Preis. Das soll bald passé sein und unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse bezahlt werden.

Gesundheitsapps: Beispiele und Erklärung

Zunächst einmal: Was sind überhaupt Gesundheitsapps? Als solche werden Apps bezeichnet, die informieren, bei Training und Ernährung unterstützen, Präventionsmaßnahmen anbieten oder medizinische Werte messen, speichern und analysieren.

Die Verbraucherzentrale unterscheidet dabei weitergehend in drei Kategorien von Apps: Das erste sind sogenannte Lifestyle-Apps. Die sollen jedem helfen, gesund zu leben oder sich gesundheitsbewusst zu verhalten. Beispiele dafür wären Fitnesstracker, Schrittzähler oder Ernährungsapps. 

Ab 2020 gibt es Gesundheitsapps vom Arzt auf Rezept

Gesundheitsapps, die an die Einnahme von Medikamenten erinnern, über die man Arzttermine vereinbaren kann oder die als Tagebücher für Symptome und Krankheitsverläufe dienen, nennt man Service-orientierte Apps

Hierzu zählen zum Beispiel auch die Apps der Krankenkassen, die oftmals helfen, die Kommunikation zwischen Mitgliedern und Krankenkassen erleichtern oder bei der Suche nach einem Arzt helfen. 

Die letzte Kategorie sind die medizinischen Apps, die bei der Diagnose und der Therapie einer Krankheit unterstützen. Ein Beispiel hierfür sind Diabetikerapps, die die Blutzuckerwerte messen, speichern und analysieren.

Gesundheitsapps in Deutschland: Was besagt das neue Gesetz?

Grund für diese Neuerung ist das "Digitale-Versorgungs-Gesetz" der deutschen Bundesregierung. Das wurde bereits im November 2019 verabschiedet und soll nun 2020 in Kraft treten. 

Es besagt, dass bestimmte Gesundheitsapps von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden sollen. Zudem sollen im digitalen Zeitalter Videosprechstunden Alltag und die Krankenakten digital abgelegt werden. 

Aber auch Rezepte oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vom Arzt wird es künftig digital geben, denn das Krankenwesen soll in den kommenden Jahren möglichst papierfrei werden, wie das Bundesgesundheitsministerium berichtet

Video: Die digitale Patientenakte kommt – Ist Deutschland überhaupt bereit dafür?

Gesundheitsapps auf Rezept: Wie funktioniert das für den Patienten?

Wichtig ist zunächst, dass nur die Kosten für Apps mit einem CE-Zeichen übernommen werden können. Das CE-Zeichen bedeutet, dass die Gesundheitsapp auch das beinhaltet, was sie besagt und den geltenden Anforderungen entspricht. 

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wird dafür die jeweilige Gesundheitsapp hinsichtlich ihrer Datensicherheit, des Datenschutzes und ihrer Funktonalität prüfen. Hat sie den Test bestanden, wird sie in das "Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen" aufgenommen. Ist das der Fall, stehen die Chancen nicht allzu schlecht, dass die Krankenkasse die Kosten für die Gesundheitsapp übernimmt.

Voraussetzungen zur Erstattung der Gesundheitsapps von der Krankenkasse

Um eine App erstattet zu bekommen, müssen aber insgesamt drei Punkte erfüllt werden:

  • Das BfArM muss die App in das "Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen" aufgenommen haben.
  • Der behandelnde Arzt hat eine zugelassene Gesundheits- oder Medizinapp auf Rezept verschrieben.
  • Eine begründete Diagnose liegt vor.

Aber es gibt wie immer auch Ausnahmen: In manchen Fällen sollte die Erstattung auch ohne ärztliche Verordnung möglich sein. Dazu muss die Krankenkasse die Anwendung der App genehmigen. Es ist bereits klar, dass dazu allerdings keine Anwendungen zählen, die allein auf Lifestyle abzielen, wie Schrittzähler oder Fitnesstracker

Nicht alle Fitnessapps werden von den Krankenkassen übernommen. 

In allen anderen Fällen haben Patienten voraussichtlich Mitte 2020 die Möglichkeit, sich die Kosten für die Gesundheitsapp erstatten zu lassen. 

Tipps zum Überprüfen einer Gesundheitsapp vor dem Herunterladen

Ob eine Gesundheitsapp überhaupt sinnvoll ist oder ob, die man sich ausgesucht hat, auch wirklich den gesundheitlichen Zweck erfüllt, den man sich erhofft, erkennt man laut der Verbraucherzentrale daran, indem man sich folgende Fragen stellt: 

  • Welche Funktion soll die App erfüllen? Stimmt die tatsächliche Funktion mit der versprochenen überein? Achtung: Gratis-Programme haben oft einen sehr begrenzten Funktionsumfang.
  • Wer ist der Hersteller der App: ein wissenschaftliches Institut, Mediziner, Pharmaunternehmen, Krankenkassen? Möglicherweise steckt hinter der Gesundheitsapp das Interesse, ein Produkt zu verkaufen.
  • Sind die Informationen verständlich? Sind die ausgegebenen Werte plausibel oder unterscheiden sich die gemessenen Werte, wie zum Beispiel Blutzuckerwerte, erheblich von denen vom Arzt?
  • Wird bei kritischen Werten darauf hingewiesen, einen Arzt zurate zu ziehen?
  • Datenschutz: Gibt es Hinweise zur Weitergabe von Daten an Dritte und wenn ja, an wen und zu welchem Zweck?
  • Wo werden die Daten gespeichert: auf dem Smartphone oder extern bei dem jeweiligen Anbieter? Achtung: Bei einer externen Speicherung verliert man möglicherweise die Kontrolle über die Daten.

Eine Gesundheitsapps konnten bereits die Krankenkassen überzeugen

Da das Gesetz bereits in Kraft getreten ist, sind einige Anbieter bereits auf dem Vormarsch und bemühen sich, dass ihre Gesundheitsapp zu denen gehört, die von den Krankenkassen übernommen werden. Und tatsächlich sind einige schon mit dem CE-Zeichen ausgezeichnet und können nach Absprache mit dem Arzt auf Rezept ausgestellt werden.

So zum Beispiel die Anwendung Cardio Secur. Eine Gesundheitsapp, die wie ein mobiles EKG-Gerät funktionieren soll. Oder die App 7Mind. Eine Funktion, die bei der täglichen Meditation unterstützt und von der Krankenkasse übernommen wird. Viele Betreiber, wie auch die der App "Ada", betonen allerdings immer wieder, dass die Gesundheitsapps keinen Besuch beim Arzt ersetzen können. 

Gesundheitsapps bringen Bewegung in den digitalen Gesundheitsmarkt

Versicherte der AOK können auf Kosten der Krankenkasse unter anderem die App "Bewusst einkaufen" nutzen, um im Supermarkt einen Überblick zu den Nährwerten der verschiedenen Produkte zu erhalten und sich dann gesünder zu ernähren. 

Die Liste könnte noch weitergeführt werden, am besten ist es, man bespricht sich jedoch mit dem behandelnden Arzt. Auch er kann in einigen Fällen Hinweise geben, ob es eine Anwendung gibt, die von der Krankenkasse übernommen wird. 

Aber eins ist in jedem Fall klar: Das Gesetz bringt mit den Gesundheitsapps Bewegung in den digitalen Gesundheitsmarkt und in den kommenden Jahren wird sich da noch einiges tun. 

Brm