Fadenscheinige Erklärung

Pharma-Skandal: 58 Contergan-Opfer sollen keine Entschädigung mehr erhalten

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Ein Medikament, das für viel Leid sorgte: Ein Wirkstoff in Contergan führte zu massiven Missbildungen bei Neugeborenen.

Die Conterganstiftung kommt seit rund 50 Jahren für die Entschädigung der Opfer auf. Doch jetzt will sie 58 Betroffenen die Zahlungen streichen.

Bis Ende der 50er Jahre wurde das Medikament Contergan gezielt Frauen verschrieben, die mit Unruhe und Schwangerschaftsübelkeit zu kämpfen hatten. Das Präparat mit dem Wirkstoff Thalidomid galt als sicher - doch die Einnahme hatte für viele Frauen schreckliche Folgen. So konnte Contergan in der frühen Phase der Schwangerschaft zu Wachstumsstörungen beim Ungeborenen führen. Viele Babys kamen mit Missbildungen wie extrem verkürzten Armen zur Welt.

Conterganstiftung will lebenslange Entschädigungszahlungen streichen

Nicht nur im Medikament Contergan war der schädliche Wirkstoff Thalidomid enthalten, sondern auch in einem anderen Präparat mit dem Namen Sedalis. Die Einnahme von Sedalis konnte somit dieselben gefährlichen Folgen wie die Contergan-Einnahme haben. Produziert wurde Thalidomid von dem deutschen Pharmaunternehmen Chemie Grünenthal GmbH. Geschädigte gibt es weltweit, unter anderem in Brasilien. 58 brasilianischen Betroffenen will die Conterganstiftung nun die lebenslangen Entschädigungszahlungen streichen - mit einer unglaublichen Begründung.

So geht aus einem Schreiben der Stiftung an die Opfer hervor, dass sie die Anerkennungsbescheide mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen beabsichtige und die sofortige Vollziehung angeordnet werden würde, wie der Spiegel meldete. Im Klartext: Die Conterganstiftung will die Zahlungen an die 58 Brasilianer sofort einstellen. Als Begründung gibt die Stiftung an, dass Sedalis kein Präparat der Grünenthal GmbH sei, sondern ein Medikament, "welches durch einen Lizenznehmer in eigener Verantwortung hergestellt und vertrieben wurde".

"Keine Veranlassung, an dieser Bewertung zu zweifeln"

Doch die Betroffenen aus Brasilien waren teilweise bereits vor Jahrzehnten als entschädigungsberechtigt bewertet worden, weil die Conterganstiftung das Schlafmittel Sedalis als Grünenthal-Medikament eingestuft hatte. Die Firma Grünenthal distanziert sich dem Spiegel zufolge von den Vorhaben der Conterganstiftung. "Die Conterganstiftung hat durch ihre verantwortlichen Gremien vor beinahe 50 Jahren in Kenntnis der Umstände entschieden, dass Sedalis ein Produkt war, das unter das Conterganstiftungsgesetz fällt", so eine Stellungnahmen von Grünenthal. Die Firma habe "keine Veranlassung, an dieser Bewertung zu zweifeln", zitiert der Spiegel.

Die Höhe der Entschädigungszahlungen für Contergan-Opfer beläuft sich auf Millionen von Euro. So soll es derzeit weltweit 2.584 Thalidomid-Geschädigte geben, die monatliche Renten von bis zu 8.000 Euro erhalten. Im Jahr 2018 kamen so über 130 Millionen Euro zusammen, die die Conterganstiftung an die Betroffenen ausschüttete.

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jg