Bedenkliche Problemstoffe

Gesichtscreme im Öko-Test: Schockierendes Urteil für Top-Marken

Öko-Test hat Gesichtscremes für trockene und sensible Haut getestet. Viele sind gut – aber drei beliebte Produkte fallen komplett durch.

Deutschland – In der aktuellen Ausgabe stellen die Frankfurter Tester Gesichtscremes auf den Prüfstand, die speziell der Pflege trockener und sensibler Haut dienen. Viele Produkte können überzeugen. Bedenkliche Inhaltsstoffe wie hormonell wirkende Stoffe oder hautreizende Konservierungsstoffe sind aber ein Problem. Gerade in Cremes für sensible Haut haben solche Substanzen nichts zu suchen.

Öko-TestVerbrauchermagazin
Chefredakteur und GeschäftsführerHans Oppermann
HauptsitzFrankfurt

Gesichtscremes für trockene und sensible Haut im Öko-Test – so wurde geprüft

Öko-Test hat die 20 Gesichtscremes für trockene und empfindliche Haut in Drogerien, Bioläden, Apotheken, Supermärkten und Reformhäusern eingekauft. Die Preise reichten dabei von rund 2 bis 22 Euro pro 50 Milliliter.

Die Cremes wurden dann in verschiedenen Testlaboren auf Problemstoffe hin untersucht. Dazu zählen allergieauslösende oder hautreizende Stoffe sowie bedenkliche Mineralöle. Außerdem floss auch die Umweltfreundlichkeit der Verpackung in die Bewertung mit ein.

Öko-Test: Gesichtscremes auf dem Prüfstand – das sind die Testnoten

Insgesamt kann sich das Ergebnis sehen lassen: Von den 20 Gesichtscremes schneiden bei Öko-Test 13 Cremes mit „sehr gut“ ab. An diesen haben die Tester „nichts auszusetzen“. Fast alle Cremes, die überzeugen, sind zertifizierte Naturkosmetik-Produkte. Dieses gute Abschneiden von Naturkosmetik hat sich auch schon im Öko-Test von Schaumfestigern, sowie im Öko-Test von Mascara gezeigt.

Daneben vergeben die Tester zweimal „ausreichend“, einmal „mangelhaft“ und insgesamt dreimal „ungenügend“. Bei den Gesichtscremes bekannter Marken sind es dabei vor allem bedenkliche Inhaltsstoffe, die das Testergebnis herunterziehen.

Bedenkliche Stoffe in Gesichtscremes: UV-Filter können für sensible Haut zum Problem werden

In drei Gesichtscremes für trockene Haut haben die Tester UV-Filter nachgewiesen, die als bedenklich gelten – Octocrylen und Ethylhexylmethoxycinnamat. Die Stoffe stehen im Verdacht, hormonell zu wirken und sind laut Öko-Test „problematisch“.

Öko-Test geht dabei noch weiter und kritisiert grundsätzlich, dass UV-Filter in Gesichtscremes für trockene und sensible Haut nicht zu suchen hätten. Eine Creme mit Lichtschutzfaktor sollte lieber bei Bedarf zusätzlich darüber aufgetragen werden.

Einschränkend ist hier anzumerken, dass viele Hautpflegeexperten anders als Öko-Test zu einer Tagespflege mit UV-Filter raten. Zum täglichen Schutz vor UV-Strahlen gilt das eigentlich als empfehlenswert. Allerdings sind UV-Filter immer auch eine Belastung für die Haut. Gerade sensible Haut ist daher ohne UV-Filter in der täglichen Pflege wohl besser beraten.

Problemstoffe in Gesichtscremes: Vor allem viele Konservierungsstoffe sind kritisch

Das Hauptproblem bei den Cremes, die durch den Test rasseln, sind aber Konservierungsstoffe. Die Tester verweisen hier darauf, dass das ein heikles Thema sei, da die Konservierung gerade bei sensibler Haut wichtig ist, damit sich potenziell hautreizende Mikroorganismen nicht vermehren.

Andererseits werde bei der Konservierung vielfach auf die falschen Mittel verwendet. So enthalten beispielsweise einige Gesichtscremes Chlorphenesin, eine halogenorganische Verbindung, die Hautreizungen verursachen kann.

Weitere im Test nachgewiesene Stoffe, die als bedenklich gelten, sind das Konservierungsmittel Propylparaben und das Antioxidans Butylhydroxytoluol (BHT).

Öko-Test: PEG-Verbindungen bleiben ein Problem in der Kosmetik – auch bei Gesichtscremes

Zudem sind auch PEG/PEG-Derivate als kritisch anzusehen. Polyethylenglykole werden oft in Kosmetik verwendet, da sie günstig und vielseitig einsetzbar sind. Diese Hilfsstoffe stehen seit langem in der Kritik, da sie die Haut durchlässiger machen können.

Eigentlich sollen sie die Haut empfänglicher für pflegende Wirkstoffe machen, dadurch können aber auch Schadstoffe die Hautbarriere passieren. Außerdem enthalten Polyethylenglykole auch Ethylenoxid, eine giftige, krebserregende und erbgutschädigende Substanz.

Gesichtscremes bei Öko-Test: Bebe, L‘Oréal und Neutrogena nur „ungenügend“

Neben zwei ausreichenden und einem mangelhaften Testergebnis fallen diese drei Cremes mit dem vernichtenden Urteil „ungenügend“ komplett durch:

  • Bebe Sanftumsorgt Sensitive Pflege – Note: ungenügend, Preis: 3,55 Euro, Problemstoffe: bedenklicher UV-Filter, PEG/PEG-Derivate, BHT, Propylparaben, Silikone
  • L‘Oréal Hydra Active 3 Feuchtigkeitspflege Tag – Note: ungenügend, Preis: 2,95 Euro, Problemstoffe: PEG/PEG-Derivate, BHT, Paraffine
  • Neutrogena Hydro Boost Aqua Creme – Note: ungenügend, Preis: 9,95 Euro, Problemstoffe: PEG/PEG-Derivate, halogenorganische Verbindung
  • Alle Verlierer und Gewinner im Test gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel).

Bei allen dieser Cremes handelt es sich um beliebte Produkte bekannter Marken, die zur konventionellen Kosmetik zählen und in vielen Geschäften, wie Drogerien oder Supermärkten, zu finden sind. Aufgrund der Menge an bedenklichen Inhaltsstoffen, sind diese Cremes wirklich überhaupt nicht zu empfehlen – vor allem nicht für sensible Haut.

Öko-Test zu Gesichtscremes: Bei sehr sensibler Haut auf Duftstoffe verzichten

Denn wer sensible Haut hat, weiß, wie schwierig es ist, eine passende Gesichtscreme zu finden. Die empfindliche Haut reagiert viel schneller mit Reizungen und Rötungen als die anderer Hauttypen.

Die Tester verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass auch zahlreiche der eigentlich sehr guten Cremes deklarationspflichtige Duftstoffe wie Geraniol, Cumarin, Citral oder Eugenol enthielten. Diese besäßen ebenfalls ein allergenes Potenzial – allerdings ein extrem schwaches. Für sehr sensible Haut sind aber auch solche Duftstoffe nicht zu empfehlen.

Video: Die besten Pflegetipps bei trockener Haut

Trockene und empfindliche Haut: Eine schwierige Kombination

Trockene Haut ist eigentlich ein anderer Hautzustand – trockene und sensible Haut treten aber häufig gemeinsam auf. Und dann wird es richtig schwierig. Denn bei empfindlicher Haut heißt das Motto eigentlich: weniger ist mehr.

Trockene Haut bedarf aber hingegen einer reichhaltigeren Pflege – vor allem in den Wintermonaten. Daher ist es bei dieser Kombination besonders wichtig, auf die Inhaltsstoffe der Gesichtscremes zu achten. Potenziell reizende Stoffe sollten grundsätzlich vermieden werden.

Rubriklistenbild: © Christin Klose/dpa

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