Paprika mit Wucherpreisen

Gemüse: Preise in deutschen Supermärkten explodieren – das sind die Gründe

Die Paprika-Preise sorgen aktuell für großen Ärger bei den Kunden. Ein Kilogramm kostet bis zu neun Euro pro Kilo. Die Gründe sind vielfältig.

Deutschland – Wer in den letzten Tagen bei Rewe Paprika kaufen wollte, hat sicher erst einmal geschluckt. Denn das beliebte Gemüse kostet bei der Supermarktkette aktuell fast neun Euro pro Kilo. Auf Twitter machen bereits erste Supermarkt-Kunden ihrem Ärger über die hohen Preise Luft.

ReweLebensmitteleinzelhändler
Gründung1927
HauptsitzKöln

Ärger im Supermarkt – Kunden erschrocken über aktuelle Gemüsepreise

So schreibt beispielsweise ein Twitter-Nutzer: „Rewe wollte gestern 8.99€/kg für Paprika. Was für ein Wucher!“ Auf Nachfrage von 24RHEIN* erklärt Thomas Bonrath von Rewe dazu: „Aktuell sind Paprika verhältnismäßig teuer, weil es in den saisonalen Anbaugebieten Spanien und Marokko in den vergangenen Monaten Witterungsbedingungen gab, die die Ernte negativ beeinflusst haben“.

Denn in den Ländern ist es zuletzt ungewöhnlich kalt gewesen, wodurch das Wachstum der Paprikapflanze gebremst wurde. Dementsprechend fiel die Ernte weniger üppig aus. Aber auch andere Gemüsesorten wie beispielsweise Lauchzwiebeln sind von starken Preisanstiegen betroffen.

In Deutschland oder in den Niederlanden seien die Paprika-Pflanzen gleichzeitig noch nicht so weit, dass der Ernteausfall kompensiert werden könne. Dementsprechend käme es zu einem deutlich geringeren Angebot und der Preis zieht an.

Enormer Preisanstieg bei Gemüse – Wetter und Corona erschweren die Ernte

Witterungsbedingt kommt es immer wieder zu Preisschwankungen von Obst und Gemüse – das ist nichts Neues. Und gerade im April macht das Wetter ohnehin bekanntlich, „was es will“. Doch nicht nur das Wetter ist schuld an der aktuellen Misere. Wie so oft in diesen Tagen tut Corona sein Übriges.

Denn die Corona-Pandemie bedingt den hohen Paprikapreis ebenfalls. Experte Hans-Christoph Behr von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (Ami) erklärt den Zusammenhang gegenüber t-online.de. So würden bei der Ernte nicht nur in Deutschland, sondern auch in den südeuropäischen Ländern Saisonkräfte aus dem Ausland eingesetzt – zumeist aus Osteuropa.

Corona-Auflagen bei der Ernte bedingen hohe Produktionskosten

Diese müssten wegen den coronabedingten Hygieneauflagen und Abstandsregeln anders untergebracht werden als üblich, verdeutlicht der Experte. Auch bei der Ernte selbst seien Abstandsregeln einzuhalten, was zu längeren Erntezeiten und einer geringeren Produktivität führe.

Ebenso würden sich die Personalkosten erhöhen. Sowohl geringere Produktivität als auch höhere Erntekosten führten schließlich zu steigenden Preisen.

Teures Gemüse: Paprika kostet aktuell bis zu neun Euro pro Kilo. (Symbolbild)

Paprikapreis in den Supermärkten: Steigerung deutlich höher als im Vorjahr

Die Preissteigerung betrifft dabei nicht nur Rewe, sondern auch andere Supermärkte. Wie t-online.de unter Berufung auf Ami berichtet, ist der Paprikapreis seit Jahresbeginn von durchschnittlich 2,56 Euro je Kilo auf 7,12 Euro gestiegen. Das ist ein Plus von 178 Prozent. Im Vorjahr sei der Preis im gleichen 14-wöchigen Zeitraum von 2,48 Euro nur um 54 Prozent auf 3,83 Euro gestiegen.

Anders als sonst säßen die Discounter dabei in diesem Jahr nicht am längeren Hebel und könnte die Preise nicht wie üblich drücken, verdeutlicht der Experte von Ami. Durch das knappe Angebot könnten vielmehr die Hersteller die Preise bestimmen.

Während der Wettereffekt kurzfristig sei, habe Corona dabei längerfristig Auswirkungen auf die Gemüsepreise, gibt Hans-Christoph Behr an. So bedingen Wetter und Corona derzeit nicht nur die hohen Preise für Paprika.

Schock für Verbraucher: Preise von Konsumgütern steigen coronabedingt

Auch der ohnehin nicht ganz günstige Spargel wird in dieser Saison durch die Umstände nochmal teurer als gewöhnlich. Ebenso steigen auch die Preise von weiterem Gemüse wie Lauchzwiebeln oder Tomaten aktuell.

Und selbst das zu Beginn der Pandemie als „Blattgold“ beschriebene Toilettenpapier, das damals wochenlang gehamstert wurde, könnte wieder teurer werden. Denn durch Rohstoffknappheit und Pandemie verursacht, kommt es aktuell zu stark erhöhten Produktionskosten von Toilettenpapier, die die Hersteller auf die Kunden umlegen wollen. Bleibt also abzuwarten, welche Preiswucher pandemiebedingt noch auf Verbraucher zukommen. *24rhein ist ein Angebot des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Tobias Schwarz/dpa, Daniel Karmann/dpa; Collage: RUHR24