Änderungen ab Januar

Gelber Schein ab Januar 2021 abgeschafft – doch es gibt einen Haken

Ab Januar treten zahlreiche Gesetzesänderungen in Kraft. Praktisch für Arbeitnehmer: Die AU soll digital werden. Doch die Sache hat leider einen Haken.

Deutschland – Der AU-Schein, auch bekannt als „Gelber Schein“ soll in diesem Jahr abgeschafft werden. Für Arbeitnehmer hieße das weniger Aufwand im Krankheitsfall. Doch die ursprünglichen Pläne des Gesundheitsministeriums sind erstmal durchkreuzt worden.

Bundesministerium für Gesundheit Behörde
Gründung 1961
Behördenleitung Jens Spahn (CDU)
Stellung oberste Bundesbehörde

Patientendaten und AU-Schein werden digital – Verbesserung der Krankenkassenleistung

Bereits seit Mai 2019 gilt das von Gesundheitsminister Jens Spahn vorgelegte Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Ziel dieses Gesetzes für schnellere Termine und bessere Versorgung ist unter anderem auch die Verbesserung der Krankenkassenleistungen.

Ein wesentlicher Punkt des Gesetzes: die Digitalisierung. So soll die elektronische Patientenakte (ePA) ab 2021 einen einfacheren und schnelleren Zugriff auf Behandlungsdaten gewähren. Laut Gesundheitsministerium wird es die ePA bereits ab Januar 2021 geben. Dann können alle gesetzlich Versicherten eine solche digitale Akte ihrer Krankenkassen erhalten.

Bis Mitte 2021 sollen alle 70 Millionen gesetzlich Versicherten mit den knapp 200.000 niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern verbunden sein. Eine weitere wesentliche Änderung im Zuge der Digitalisierung: Auch die Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit soll digital zwischen Ärzten und Krankenkassen übermittelt werden.

AU wird digital – was das konkret für Arbeitnehmer bedeutet

Laut Terminservicegesetz müssen dann zukünftig nicht mehr die Arbeitnehmer selbst, sondern die Ärzte die Krankenkassen über eine Arbeitsunfähigkeit ihrer Versicherten informieren. Papierformular werden dann durch einfache Ausdrucke für Versicherte und Arbeitgeber ersetzt.

Diese Formulare erstellt der Arzt und gibt sie dem Patienten unterschrieben mit. Die Aufgabe, den Ausdruck an den Arbeitgeber zu senden, bleibt laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung zunächst bei den Versicherten. Zukünftig sollen die Daten der AU dann aber auch elektronisch an den Arbeitgeber übermittelt werden.

Änderung für 2021 geplant: Müssen wir nie mehr eine AU einreichen?

Die vollständige elektronische Übermittlung wird allerdings noch dauern. Ursprünglich sollte die Digitalisierung des gelben AU-Scheins bereits ab Januar 2021 starten. Ab diesem Zeitpunkt sollten die Praxen den Schein eigentlich digital an die Krankenkassen übermitteln. Fehlende Technik sowie die besondere Situation in der Corona-Krise machen diesen Plänen jetzt aber einen Strich durch die Rechnung.

Wie unter anderen Medien auch die Frankfurter Rundschau berichtet, wird laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung die notwendige Technik „nicht rechtzeitig flächendeckend für alle Praxen und Krankenkassen verfügbar sein.“

Insbesondere durch die Pandemie seien beide Seiten derart stark belastet, dass sich der Start verzögere. So gab es ja beispielsweise mit der coronabedingten Krankschreibung per Telefon zahlreiche neue Herausforderungen für die Ärzte und Krankenkassen.

AU dem Arbeitgeber vorlegen – wie soll das zukünftig ablaufen?

Aber die Weiterleitung der Daten an den Arbeitgeber soll im zweiten Schritt in Zukunft digital erfolgen. Das liegt laut Kassenärztlicher Vereinigung in der Verantwortung der Krankenkassen, die die AU-Daten elektronisch an den Arbeitgeber senden sollen.

Wichtig zu wissen: Ärzte sind dennoch weiterhin verpflichtet, ihren Patienten eine vereinfachte AU auf Papier auszuhändigen. Auch ein unterschriebener Ausdruck für den Arbeitgeber muss Patienten ausgestellt werden, wenn diese das wünschen.

Digitalisierung der AU: Wie geht es weiter? Der vorläufige Zeitplan

Noch müssen wir uns mit beidem gedulden: Denn sowohl die elektronische Übermittlung der AU von den Praxen an die Krankenkasse als auch die Übermittlung der Bescheinigung von den Krankenkassen an die Arbeitgeber verzögert sich:

  • Der Pflichttermin für Ärzte, die eAU an die Krankenkassen zu übermitteln, ist auf den 1. Oktober 2021 verschoben. Bis dahin müssen Arbeitnehmer also weiterhin die „gute alte“ AU bei der Kasse einreichen.
  • Der Termin für die elektronische Übermittlung der AU von den Krankenkassen zum Arbeitgeber wurde aufgrund von Verzögerungen der Technik auf den 1. Juli 2022 verschoben. Er war zunächst für den 1. Januar 2022 vorgesehen.

Für krankgeschriebene Arbeitnehmer bedeutet das konkret: Nach dem jetzigen Stand muss man ab Oktober 2021 keine AU mehr bei der Krankenkasse einreichen. Erst ab Juli 2022 muss der AU-Schein dann auch nicht mehr beim Arbeitgeber vorgelegt werden. Solange wird es mindestens noch dauern, bis die Digitalisierung abgeschlossen ist – und es eine vollständige eAU gibt.

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