Mehrere Gründe

EC-Karte nach 50 Jahren vor dem Aus – Ende kann für Kunden teuer werden

Kartenzahlung wird immer populärer. Die gängigste Variante ist die EC-Karte, beziehungsweise Girocard. Doch ausgerechnet die steht jetzt vor dem Ende.

Dortmund – Wer kennt es nicht? Ein ausgiebiger Shoppingtrip, ein Besuch im Restaurant, eine Bootstour im Urlaub: Selten werden – insbesondere teure – Transaktionen mit Bargeld beglichen. Stattdessen wird die EC-Karte, heute Girocard genannt, mit all ihren praktischen Funktionen gezückt. Das könnte bald der Vergangenheit angehören.

KarteGirocard
ErklärungRahmen der deutschen Kreditwirtschaft für die Debitzahlungs- und Geldautomatensysteme, Co-Badging mit Maestro oder VPay möglich
AnzahlEtwa 100 Millionen in Deutschland

EC-Karte nach 50 Jahren vor dem Aus – Ende kann für Kunden teuer werden

Denn offenbar ist das Konzept der Girocard mit Maestro-Funktion vom Anbieter Mastercard beziehungsweise VPay-Funktion von Visa – die auch das Zahlen im Ausland ermöglichen – nur in Deutschland richtig etabliert. Hierzulande sind etwa 100 Millionen EC-Karten im Umlauf, wie Girocard im Februar 2022 mitteilte.

Im weltweiten Vergleich machen die hiesigen Zahlungen über Maestro oder Visa aber nur einen sehr geringen Anteil aus, ist für die Anbieter, also die US-amerikanischen Zahlungsdienstleister Mastercard beziehungsweise Visa, allerdings ein Kostenfaktor. Deswegen steht die EC-Karte offenbar vor dem Aus, wie die FAZ berichtete.

EC-Karte mit Maestro-Funktion ein Kostenfaktor für die Unternehmen: Änderung in Sicht

Neben dem monetären Punkt nennt Jürgen Moormann, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, beim ZDF als möglichen Grund, dass Mastercard und wohl auch Visa ihren Marktanteil in Deutschland vergrößern wollen. Mit ihren eigenen Debitkarten, anstatt lediglich mit dem Service bei der Girocard.

Demzufolge soll es ab dem 1. Juli 2023 keine „klassische EC-Karte mit Maestro-Funktion“ mehr geben, schreibt die FAZ. Sie soll also gar nicht mehr angeboten oder aber kostenpflichtig werden. Stattdessen soll auf andere Angebote der US-amerikanischen Konkurrenten Visa oder Mastercard gesetzt werden. Die Karten, die bis dahin im Umlauf sind, behalten ihre Gültigkeit bis spätestens 2027.

Ebenso wie Maestro von Mastercard könnte das vergleichbare Zahlungssystem Vpay des Konkurrenten Visa vor dem Aus stehen, meinte Zahlungsexperte Moormann. Entsprechende Pläne habe Visa schon vor zwei Jahren angekündigt.

Die beliebte EC-Karte steht vor dem Aus. Das hat Konsequenzen für die Kunden.

Aus von EC-Karte hat auch positive Konsequenzen für Kunden

Aber welche Konsequenzen hat das bevorstehende EC-Aus für die Kunden? Zunächst bietet die Neuerung Vorteile. Während man mit der Girocard bei Zahlungen im Ausland irgendwann an die Grenzen stößt, soll mit den neuen Debitkarten, die die Nachkommen der Girocard werden sollen, das Zahlen vereinfacht werden. Auch Online-Shopping soll ermöglicht werden.

Allerdings drohen zumindest für Händler auch Nachteile. Mastercard und Visa können aufgrund ihrer hohen Marktmacht hohe Transaktionsgebühren verlangen. Entgelte für Händler können bis zu viermal höher werden als bei der Girocard, berichtet Chip.de.

Höhere Gebühren drohen, wenn EC-Karte eingestampft wird

Verbraucherschützer fordern deswegen ein europäisches System als Konkurrenz der US-Anbieter. Dies gilt jedoch als unwahrscheinlich. Die „European Payment Initiative“ mit ebenjenem Ziel gilt schon jetzt als nicht realisierbar. Des Weiteren soll es eine gesetzliche Deckelung der Transaktionen geben.

Dass die Girocard jedoch ganz verschwindet, ist unwahrscheinlich. Zu groß ist die Akzeptanz in Deutschland und zu verbreitet sind die Zahlungsstellen. Ein alternatives Modell, das es bereits an Volksbanken und Sparkassen gibt, ist das Co-Badge. Also eine Girocard mit Funktionen einer Master- oder Visacard. Das bedeutet allerdings auch doppelte Gebühren für die Bankinstitute.

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