Preis-Schock durch Ersatzversorgung

Gaspreis droht ums Fünffache zu steigen – Verbraucher trifft Gesetzeslücke

Durch eine Gesetzeslücke rutschen hunderttausende Mieter in die Ersatzversorgung – mit teuren Folgen.

Die Gaspreisbremse soll dafür sorgen, dass Mieterinnen und Mietern mit der nächsten Rechnung keine böse Überraschung ins Haus flattert. Doch eine Lücke im Gesetz sorgt jetzt dafür, dass hunderttausende Haushalte in Deutschland mit dem Fünffachen des eigentlichen Gaspreises rechnen müssen.

StadtBerlin (Pankow)
BundeslandBerlin
ThemaGaspreise

Gaspreis droht zu explodieren – Vermieter werden zu Gewerbekunden

Betroffen sind Mieter, in deren Haushalte energiesparende, zentrale Gasthermen eingebaut wurden. Dadurch werden Vermieter zum alleinigen Vertragspartner der Lieferanten und automatisch als Gewerbekunden registriert. Nehmen sie mehr als 10.000 Kilowattstunden pro Jahr ab, rutschen sie statt der Grundversorgung in die fünfmal so teure Ersatzversorgung.

Ein Beispiel zeigt ein Fall aus Berlin, über den der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) in der Sendung Super.Markt berichtet. Knut Muhsik wird von seinem bisherigen Gaslieferanten aus Flensburg aufgrund der Krise auf dem Gasmarkt gekündigt. Dadurch rutscht der Vermieter des Mehrfamilienhauses im Stadtteil Pankow automatisch in die Versorgung des lokalen Berliner Anbieters Gasag.

Der Lieferant stuft Muhsik nun als Gewerbekunden ein, da er das Gas für das gesamte Haus bezieht. „Wenn Versorger ihren Kunden kündigen, müssen wir diese aufnehmen und adhoc versorgen“, sagt Gasag-Sprecherin Ursula Luchner dem RBB und erklärt die Einstufung als Gewerbekunden: „Er ist wirtschaftlich tätig mit seinem Unternehmen und bezieht mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr.“

Gaspreis droht für tausende Mieter ums Fünffache zu steigen – Schuld ist die Ersatzversorgung

Durch den Einbau der zentralen Gasthermen haben die Mieter keine eigenen Zähler und kommen somit nicht in die Grundversorgung. Diese ist deutlich günstiger, weil Lieferanten den Strom am langfristig ausgelegten Terminmarkt einkaufen. Strom für die Ersatzversorgung wird dagegen am stark schwankenden Spotmarkt eingekauft, dessen Preise sich an der aktuellen Situation orientieren.

Thomas Engelke vom Bundesverband der Verbraucherzentrale fordert daher, „dass die Mieterinnen und Mieter auch in die Grundversorgung rutschen können.“ Möglich sei dies durch eine Anhebung der Grenze von 10.000 Kilowattstunden pro Jahr oder einer Anpassung der Definition des Begriffs Eigenverbrauch: „Weil ja nicht der Vermieter das Gas verbraucht, sondern es an seine Mieterinnen und Mieter durchreicht.“

In Zeiten der Gaskrise lohnt sich ein Blick auf den Zählerstand.

Verbraucherzentrale bezeichnet Änderung im Gesetz als Fehler

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, liegt an einer Änderung des Bundeswirtschaftsgesetzes aus dem Sommer. Um die Gasversorger davor zu bewahren, dass Privatkunden günstigeres Gas auf Vorrat kaufen, wurde die Obergrenze von 10.000 Kilowattstunden im Jahr als Privatverbrauch festgelegt.

Die Abrechnung über den zentralen Sammelzähler bei zentralen Gasthermen hat die Bundesregierung dabei offenbar nicht bedacht. Die Verbraucherzentrale bezeichnet dies als „Fehler“.

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