Gefahr für die Gesundheit

Gartengeräte 2022 im Test: Ergebnisse fallen „alarmierend“ aus

BUND hat Gartenartikel von Obi, Hellweg und Bauhaus untersucht. Mit erschreckendem Ergebnis.

Dortmund – Passend zum Beginn der Gartensaison hat die Organisation Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Gartengeräte in einem unabhängigen Labor testen und auf gesundheitsschädigende Schadstoffe hin überprüfen lassen. Die Ergebnisse sind alarmierend, berichtet RUHR24*.

UmweltschutzorganisationBund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.
HauptsitzBerlin
Mitglied desInternationalen Naturschutznetzwerk Friends of the Earth und des Deutschen Naturschutzrings

Gartengeräte von Obi, Hellweg und Bauhaus auf dem Prüfstand: So wurde getestet

Insgesamt hat sich der BUND zehn Gartengeräte von den bekannten Baumärkten Obi, Hellweg und Bauhaus angeschaut. Darunter waren Artikel wie Schaufeln, Teichfolien, Handschuhe, Gartenschuhe, Schnüre und Gartenschläuche. Geräte, die jeder Hobbygärtner häufig im Gebrauch hat – insbesondere jetzt, wo der Frühling in den Startlöchern steht und im Garten* allerhand zu tun ist.

Die Umweltschutzorganisation wollte von den Experten im Labor wissen, ob die Gartengeräte bedenkliche Schadstoffe enthalten. Im Fokus standen Chemikalien wie Phthalate, Paraffine, Blei, Antimon oder Bisphenol. Die Substanzen werden unter anderem von den Herstellern eingesetzt, um Plastik beispielsweise weicher, hitzebeständig oder generell stabiler zu machen.

Garten: Erschreckende Ergebnisse – Geräte enthalten gesundheitsgefährdende Schadstoffe

Das Problem: Die Schadstoffe, auf die der BUND die Gartengeräte hin untersucht hat, gelten alle als potenziell gefährlich für die Gesundheit und die Umwelt. So stehen Phthalate (DIBP und DEHP) unter anderem im Verdacht, fortpflanzungsschädigend zu wirken und die sexuelle Entwicklung bei Kindern zu stören.

Laut BUND dürfen daher seit 2020 keine Produkte mehr in Umlauf gebracht werden, die diese Stoffe über 0,1 Prozent enthalten – das gilt allerdings nur für Dinge, die im Innenbereich oder mit viel Hautkontakt verwendet werden. Die Organisation sieht hier deutliche Gesetzeslücken und fordert daher ein generelles Verbot der Chemikalien, die auch als schädlich für die Umwelt gelten.

Der BUND lies Gartengeräte von den Baumärkten Obi, Bauhaus und Hellweg ins Labor schicken.

Das Erschreckende: Die beiden Plastikzusatzstoffe wurden in einigen Gartengeräten mit deutlich erhöhter Konzentration im Labor nachgewiesen. So fanden die Tester bei der „Siena Garden KST-Schnur“ einen Anteil von 16 Prozent DIBP. Auch die getesteten Teichfolien von Bauhaus und Obi wiesen Werte zu 21 Prozent (Oase, Alfafol PvC-Teichfolie bei Bauhaus) und 4,2 Prozent (Heissner Teichfolie von Obi) auf.

BUND findet gefährliche Schadstoffe bei Gartengeräten von Obi, Hellweg und Baumarkt

Auch die anderen Chemikalien stehen im Verdacht, die Gesundheit zu schädigen. Sie stehen deshalb auch auf einer Liste der „Registration, Evaluation, Authorisation of Chemicals“ (kurz REACH) Verordnung. Diese Liste enthält derzeit rund 200 Substanzen, die als besorgniserregend eingestuft werden.

Steht ein Schadstoff auf dieser Liste, haben Verbraucher das Recht zu erfahren, ob ein Produkt die Chemikalie enthält. Werden erhöhte Werte festgestellt, müssen Hersteller und Händler die Kunden darüber informieren – nicht selten kommt es dann auch zum Rückruf*.

Da bei allen vom BUND getesteten Gartengeräten Schadstoffe nachgewiesen werden konnten, hat die Umweltschutzorganisation die Produkte, deren Wert über den gesetzlichen Vorgaben lag, bei den Behörden gemeldet. Einige Unternehmen müssen jetzt mit einer Strafzahlung rechnen, denn sie kamen ihrer Auskunftspflicht nicht nach.

Gartengeräte mit Schadstoffen belastet: Warnung – sie können Gesundheit und Umwelt schädigen

Doch das ist längst nicht alles. Denn die Tester haben im Rahmen der BUND-Studie in allen zehn untersuchten Gartengeräten Schadstoffe gefunden. In beiden überprüften Gartenhandschuhen von Bauhaus und Obi konnte beispielsweise Antimon nachgewiesen werden – eine Chemikalie, die unter Verdacht steht, Krebs zu verursachen.

In einem Gartenschlauch von Hellweg fanden sich etwa 0,5 Prozent Chlorparaffine. Sie sind äußerst langlebig und können sich in Menschen und Umwelt anreichern. Sie gelten vor allem als besonders giftig für Tiere, die im Wasser leben. Mit dem Gebrauch solcher Gartengeräte schadet man im schlimmsten Fall nicht nur seiner Gesundheit, sondern auch Tieren und Pflanzen.

Garten: BUND hat Tipps für weniger Schadstoffe bei der Gartenarbeit

Der BUND hat aber auch ein paar Tipps für Hobbygärtner. So solle man Gartenartikel besser nicht entfremden. Eine mit Schadstoff belastete Teichfolie birgt in ihrem eigentlichen Anwendungsbereich weniger Risiko für die Gesundheit, als wenn man sie für ein Planschbecken oder ein Hochbeet nutzt. Auch sollten Kinder nicht mit Gartengeräten spielen, um so unnötig Kontakt mit den belasteten Produkten zu vermeiden.

Außerdem könnten Baumarkt-Kunden immer darauf achten, ob es nicht plastikfreie Alternativen für das Gartengerät gibt. Anstatt einer Teichfolie könne man das Becken zum Beispiel auch mit Lehm abdichten. Denn am Ende soll die Arbeit im Garten* ja vor allem Spaß bringen und nicht der Gesundheit schaden. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Paul J. Richards/AFP, RUHR24, Collage: RUHR24

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