App nach Problemen zurückgezogen

Digitaler Führerschein nicht verfügbar: ID-Wallet nach einer Woche offline

Knapp eine Woche nach dem Startschuss ist der digitale Führerschein nicht mehr verfügbar. Die dafür benötigte App ID Wallet ist aus den App-Stores verschwunden.

Update, Freitag, 01. Oktober, 14.30 Uhr: Der digitale Führerschein habe das Potenzial, „den Alltag von Autofahrern deutlich zu erleichtern“, hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CDU) erklärt. Stattdessen sorgte die digitale Version des „Lappens“ direkt nach ihrem Start für Ärger. Mittlerweile ist die zugehörige App ID Wallet sogar gar nicht mehr in den App-Stores verfügbar – wegen „technischer Probleme“.

Andreas ScheuerMitglied des Deutschen Bundestages
ParteiChristlich-Soziale Union (CSU)
AmtBundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (seit März 2018)

Digitaler Führerschein – gute Idee, scheinbar schlechte Umsetzung

Nach dem Go-Live des digitalen Führerscheins am Donnerstag (23. September) gab es laut Angaben der Bundesregierung ein enormes Interesse an der Anwendung. Über die benötigte App ID Wallet erhalten Autofahrer eine digitale Version ihres Führerscheins auf ihr Smartphone.

Damit soll der Nachweis beispielsweise beim Carsharing erleichtert werden – langfristig auch bei Polizeikontrollen. Klingt praktisch: Nach nur knapp einer Woche ist das Projekt nun allerdings zunächst wieder auf Eis gelegt.

Digitaler Führerschein – eine Woche nach dem Startschuss ist wieder Schluss

Wie die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch (29. September) erstmalig berichtete, hätten sich gleich nach dem Start Beschwerden über die App in den sozialen Medien gehäuft. Zahlreiche Nutzer konnten sich nach Medienberichten keinen digitalen Schein ausstellen lassen. Mittlerweile wurde die App komplett aus den App-Stores (Android und iOS) genommen.

Auf der Webseite des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) heißt es dazu aktuell:

Aufgrund technischer Probleme der ID Wallet App wurde die App aus den Stores genommen. Damit ist die Ausstellung der digitalen Kopie des Kartenführerscheins aktuell nicht mehr möglich. 

Kraftfahrtbundesamt

Digitale Fahrerlaubnis – Bundesregierung will Sicherheitshinweisen nachgehen

Auf der Seite der Bundesregierung wird ergänzend erläutert, es hätten sich „unerwartete Lastspitzen ergeben, die temporär die Nutzung der ID Wallet-App beeinträchtigt haben.“ Zudem hätten zahlreiche Nutzer sich zum Start „intensiv mit Vertrauens- und Sicherheitsfragen“ befasst.

Diesen Hinweisen gehe man nun zum nächsten Release nach. Nach diesem offiziellen Statement der Bundesregierung ist aber davon auszugehen, dass es tatsächlich Sicherheitsprobleme – und nicht nur „Lastspitzen“ gegeben hat.

Digitaler Führerschein – in einigen Wochen wieder verfügbar

Wie heise.de berichtet, hatte ein Mitglied des Chaos Computer Clubs (CCC) bereits am Dienstag (28. September) Bedenken darüber geäußert, dass die Infrastruktur hinter der App sowie die zugrundeliegende Blockchain-Technik angreifbar sein könnten. Gebaut hat die App die Firma Digital-Enabling GmbH.

Regierungssprecher Steffen Seibert (CDU) erklärte am Freitag (1. Oktober), es habe bislang keinen erfolgreichen Angriff oder ein Hacking des Systems gegeben, wie die dpa berichtet. Die zurückgezogene App ID Wallet solle „in einigen Wochen“ wieder verfügbar sein.

Erstmeldung, Donnerstag, 23. September, 9.46 Uhr: Die deutsche Bundesregierung versucht die Digitalisierung voranzutreiben und immer mehr Dokumente den Bürgern in digitaler Form zur Verfügung zu stellen. Nach Personalausweis und Impfpass folgt nun auch der Führerschein. Laut Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist dieser ab Donnerstag (23. September) für alle Smartphones verfügbar. Allerdings hakt es noch gewaltig an einigen Stellen.

Digitaler Führerschein ab sofort erhältlich: Aber mit vielen Schwachstellen

„Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.“ Jeder Autofahrer kennt diese Worte, wenn er schon einmal in eine Verkehrskontrolle der Polizei geraten ist. Dann folgt das Suchen im Handschuhfach und das Kramen nach dem Geldbeutel. Mit dem digitalen Führerschein soll dieses Szenario bald Geschichte sein. Dann wird es genügen, das Smartphone mit den entsprechenden Dokumenten vorzuzeigen.

Bis es aber soweit ist, scheint es noch ein weiter Weg zu sein. Zwar ist der digitale Führerschein ab sofort verfügbar, er bringt allerdings noch relativ wenig, denn bei der Digitalversion des „Lappens“ handelt es sich bislang nur um einen Prototyp, entsprechende Anwendungen müssen erst entwickelt werden.

Digitaler Führerschein: So lässt er sich auf dem Smartphone speichern

Wer sich dennoch eine erste Version des digitalen Führerscheins auf das Smartphone ziehen möchte, muss folgendes tun: Zunächst muss dafür die App „ID-Wallet“, die in den entsprechenden App-Stores als digitale Brieftasche beworben wird, heruntergeladen werden. So weit, so einfach. Die nächsten Schritte, um die digitale Variante des Führerscheins erstellen und auf dem Smartphone speichern zu können, gestalten sich etwas komplizierter.

Denn wer laut t-online.de seinen Führerschein in der App integrieren möchte, muss dies mit dem Personalausweis autorisieren. Das geht allerdings nur, wenn in der App die Online-Ausweisfunktion freigeschaltet ist oder der digitale Personalausweis hinterlegt wurde – doch auch der existiert bisher mehr als Idee statt als echte Umsetzung.

Wichtiger Hinweis zur App „ID-Wallet“

Laut bussgeldkatalog.org benötigt man ein Smartphone mit NFC-Funktion („Near Field Communication”), um die App „ID-Wallet“ nutzen zu können. NFC ergänzt Bluetooth und ist ein Übertragungsstandard für Smartphones, Tablets und Laptops, um Daten über kurze Entfernungen von bis zu vier Zentimeter auszutauschen. Inzwischen sind allerdings die meisten modernen Handys mit der Funktion ausgestattet, die unter anderem auch dafür genutzt wird, bargeldlos mit dem Smartphone zu bezahlen.

Immerhin: Im Juni 2021 wurde das Smart-E-ID-Gesetz auf den Weg gebracht, das die Grundlage schafft, um den digitalen Personalausweis starten zu können. Im Dezember dieses Jahres soll es so weit sein. Auch dafür soll die App „ID-Wallet“ genutzt werden. Denn die speichert die von der Bundesdruckerei gesammelten und verifizierten Identitätsdaten und generiert daraus einen QR-Code für das entsprechende Dokument – sei es digitaler Führerschein oder Personalausweis (mehr Digital-News bei RUHR24).

Video: Führerschein-Umtausch: Die Frist für die ersten Jahrgänge läuft ab

Digitaler Führerschein ab sofort verfügbar – aber mit wenig Nutzen

Wer die App „ID-Wallet“ also bisher schon nutzt – beispielsweise für das digitale Hotel-Check-in – der kann sich auch relativ einfach den digitalen Führerschein auf dem Smartphone speichern. Für alle anderen gestaltet sich das Vorhaben schwierig und wenig erbringlich. Insbesondere im Hinblick auf das, was man mit dem digitalen Führerschein bislang machen kann.

Genau genommen ist das nämlich noch nicht viel. So wird das digitale Dokument bislang weder bei Polizeikontrollen akzeptiert, noch bei einer Führerscheinprüfung beispielsweise im Rahmen einer Autovermietung. Doch schon bald soll sich das ändern, kündigte Scheuer an. Man arbeite derzeit auf EU-Ebene daran, dass der digitale Führerschein als offizieller Nachweis in sämtlichen Bereichen akzeptiert werde, so der Bundesverkehrsminister gegenüber der Passauer Neuen Presse.

Andreas Scheuer (CSU), Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, verspricht große Pläne für den digitalen Führerschein.

Digitaler Führerschein: Diese Funktionen sind noch geplant

In einem nächsten Schritt sei es geplant, den digitalen Führerschein für die Anmietung von Mietwagen und Carsharing-Angeboten bereitzustellen. Dies geschehe in Zusammenarbeit mit BMW und dem Mietwagen-Anbieter Sixt, erklärte Scheuer weiter. Danach wolle man die Funktionen schrittweise ausbauen, sodass er irgendwann mit dem klassischen Führerschein gleichgestellt ist. Einen genauen Zeitraum, wann es soweit sein könnte, nannte der Minister allerdings nicht.

Bis dahin werden die meisten somit noch mit dem Führerschein in Kartenform vorlieb nehmen müssen. Der soll übrigens auch nicht abgeschafft werden. Das digitale Dokument stellt lediglich ein zusätzliches Angebot dar, was freiwillig genutzt werden kann.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen, Patrick Pleul/dpa, Collage: RUHR24

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