Das sagen Experten

Darf mir mein Friseur im Lockdown zuhause die Haare schneiden? Die aktuellen Corona-Regeln

Der Lockdown wird verlängert und die Haare wachsen trotzdem weiter. Darf ich einen Friseur zu mir nach Hause bestellen – trotz Corona-Pandemie?

Dortmund – Seit dem 16. Dezember wachsen sie – ohne dass jemand unseren Haaren Einhalt gebieten kann. Noch haben unsere Corona-Frisuren vielleicht kein dramatisches Ausmaß angenommen und wir sehen noch recht ansehnlich aus. Doch der Lockdown wird verlängert. Mindestens bis zum 31. Januar bleiben also auch die Friseure geschlossen. Dieser Umstand könnte für Chaos auf unseren Köpfen sorgen. Doch kann der Friseur mir nicht einfach einen Hausbesuch abstatten?

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Hausbesuch vom Friseur: Das steht in der Coronaschutzverordnung

Auf diese Idee sind wahrscheinlich schon einige gekommen, die im Lockdown nicht wie ein Waldschrat aussehen wollen. Immerhin, kommt der Friseur einen besuchen, handelt es sich doch lediglich um einen weiteren Haushalt. Also völlig coronakonform – oder etwa nicht?

Tja, um es kurz zu machen: Nein. Daran ist leider gar nichts coronakonform. Denn in der aktuellen Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen heißt es explizit: „Dienstleistungen und Handwerksleistungen, bei denen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden nicht eingehalten werden kann (insbesondere Friseurdienstleistung, Gesichtsbehandlung, Kosmetik, Nagelstudios, Maniküre, Massage, Tätowieren und Piercen), sind untersagt (Paragraf 12, Absatz 2).“

„Im Grunde geht es bei der Corona-Regelung nicht um eine Betriebsschließung, sondern um eine Tätigkeitsuntersagung der Friseure*“, erklärt Rechtsanwalt Arndt Kempgens aus Gelsenkirchen gegenüber von wa.de. Eine Ausnahme dieser Regel ist nur bei medizinisch notwendigen Leistungen möglich.

Doch es gibt auch Ausnahmen für diesen Absatz. Nur leider nicht für Friseure. Weiter heißt es: „Davon ausgenommen sind 1. medizinisch notwendige Leistungen von Handwerkern und – unabhängig vom Vorliegen einer eigenen Heilkundeerlaubnis – Dienstleistern im Gesundheitswesen (einschließlich Physio-, Ergotherapeuten, Podologen, medizinische Fußpflege, Logopäden, Hebammen und so weiter, Hörgeräteakustikern, Optikern, orthopädischen Schuhmachern und so weiter) sowie 2. die gewerbsmäßige Personenbeförderung in Personenkraftwagen.“ Das wars dann wohl für prachtvolle Frisuren im Januar.

Hausbsuch vom Friseur im Corona-Lockdown: Bußgelder im vierstelligen Bereich möglich

Wem nun aber mehr an seiner Frisur als an der Gesundheit seiner Mitmenschen liegt, sollte vorsichtig sein. Das könnte ein teurer Haarschnitt werden. Anwältin Nicole Mutschke erklärt gegenüber RTL, dass Bußgelder im vierstelligen Bereich möglich seien. Wobei Kunden an dieser Stelle noch Glück haben dürften (alle News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24.de).

Da es die Dienstleistung der Friseure ist, die untersagt ist, wird es vermutlich auch der Friseur sein, der einen Großteil der Strafe verbüßen muss. Aber will man das tatsächlich dem Menschen antun, der einem die Haare schneidet?

Haarschnitt trotz Corona-Lockdown: Bundesliga-Spieler wollten Regeln umgehen

Nicht nur wir Otto Normalverbraucher sind schon auf die glorreiche Idee gekommen, die Coronaregeln frech zu umgehen. Auch Fußballprofis wollen nicht mit Wuschelkopf in der Öffentlichkeit gesehen werden. Der Frankfurter Promi-Friseur Boris Lipovac verrät gegenüber der Bild, dass er schon ein paar Anfragen von Bundesliga-Spielern bekommen hätte. Sie hätten angefragt, ob er nicht mal bei ihnen zu Hause vorbeischauen könne. Das hat der Star-Friseur natürlich abgelehnt – das Risiko sei zu groß.

Aber wie kommt es, dass die Spieler dennoch top gestylt auf dem Platz einlaufen und mit schönen Frisuren um die Wette strahlen? Der Promi-Friseur vermutet, dass sie sich im Urlaub die Haare haben schneiden lassen. In anderen Ländern dürfen Friseure öffnen. Und es solle wohl auch Friseure geben, die die Corona-Regel hier in Deutschland nicht weiter beachten und dennoch Hausbesuche machen würden.

Haare im Corona-Lockdown selber schneiden – aber vorsichtig

Für alle, die nicht eben nach Dubai jetten können, um sich die Spitzen schneiden zu lassen und auch nicht riskieren wollen, dass ihr Lieblingsfriseur ein hohes Bußgeld zahlen muss, bleibt nur eins: Abwarten. Oder selber schneiden!

Um sich im Corona-Lockdown die Haare selbst zu schneiden, braucht es unbedingt eine vernünftige Schere – bitte nicht die rostige Küchenschere umfunktionieren. Außerdem sollten Laien sich nicht an komplizierten Schnitten versuchen, Spitzen schneiden sollte erst einmal genügen.

Wichtig: Immer nur ein bisschen schneiden. Denn der Corona-Haarschnitt kann ganz schnell in die Hose gehen. Aber das Gute ist: Wir sind sowieso zu Hause – sieht ja keiner. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Florian Forth/RUHR24

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