"Das hat wenig mit Spaß zu tun"

Die Freibadsaison startet bald: Trotz Coronavirus ins Schwimmbad - Experte ahnt Schlimmes 

Ob wir trotz Coronavirus im Freibad ins Wasser hüpfen können, ist unklar.
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Ob wir trotz Coronavirus im Freibad ins Wasser hüpfen können, ist unklar.

Die Temperaturen steigen - da zieht es die Menschen gleich in die Freibäder. Aber wie sieht es angesichts der Coronavirus-Pandemie in diesem Jahr aus?

  • Sich mit hunderten anderen Menschen im Freibad abkühlen? Klingt in der Coronavirus-Zeit unvorstellbar.
  • Dennoch bereiten sich die Freibäder auf die anstehende Saison vor.
  • Können wir uns in diesem Krisen-Jahr ins kühle Nass wagen? 

Update, Sonntag (17. Mai), 13.52 Uhr: Nordrhein-Westfalen - Inzwischen ist es beschlossen, dass die Freibäder in Nordrhein-Westfalen öffnen dürfen: Starttermin ist der 20. Mai. Allerdings gelten hier auch strenge Corona-Schutzmaßnahmen. Dazu hat das NRW-Gesundheitsministerium neue Vorgaben veröffentlicht.

Demnach dürfen nur eine begrenzte Zahl an Gästen die Freibäder betreten. Es muss gewährleistet werden, dass der Mindestabstand zu anderen Gästen eingehalten werden kann - auch im Schwimmbecken und in Duschen.

Darüber hinaus gilt in geschlossenen Räumen - wie Umkleidekabinen - eine Maskenpflicht. Beim Betreten des Freibads müssen Gäste ihre Hände waschen oder desinfizieren und jeder soll registriert werden.

Freibad in der Coronavirus-Krise - Chance auf Spaß im kühlen Nass? 

Erstmeldung, 21. April: Blauer Himmel, die Sonne strahlt mit voller Kraft, zur Abkühlung schnell vom Badehandtuch ab ins kühle Nass und danach noch eine würzige Pommes mit ordentlich Mayo. So könnte der perfekte Tag im Freibad aussehen, wenn das Wörtchen "wenn" und die Coronavirus-Pandemie nicht wären.

Freibad in der Coronavirus-Krise: Vorbereitungen auf die Saison laufen

Einen frühen Sommertag im Freibad verbringen, mit vielen anderen hundert Menschen - klingt derzeit unvorstellbar. Mindestabstand halten? Schwierig. Mundschutz im Wasser tragen? Nutzlos. Doch eigentlich würde die Freibad-Saison schon im Mai beginnen. Besonders im Hinblick auf den Sommerurlaub, der in diesem Jahr wahrscheinlich ausfallen wird, wären Freibäder eine willkommene Abwechslung.

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, laufen in vielen Freibädern auch schon die Vorbereitungen auf die Saison, obwohl nicht klar ist, ob und wann die Bäder öffnen dürfen. Doch eine Öffnung braucht eben Zeit, teilweise bis zu zwei Wochen, daher laufen schon jetzt die Vorbereitungen.

Ochtrup: Das Bergfreibad wird nach einer Komplettsanierung für den Betrieb bereit gemacht. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus kann derzeit ein Zeitpunkt für die Wiedereröffnung nicht vorhergesagt werden.

Coronavirus überträgt sich nicht über Badewasser in Freibädern

Um überhaupt öffnen zu können, bräuchte es strenge Auflagen. Uwe Lübking, Sportverantwortlicher beim Städte- und Gemeindebund sagte gegenüber der dpa, dass es entsprechende Hygienemaßnahmen geben müsste. Die Menschen müssten demnach genügend Abstand zueinander halten, Warteschlangen dürfe es nicht geben.

Das Gute: Nach derzeitigem Kenntnisstand werden die Coronaviren nicht über das Badewasser übertragen. Das Chlor in Freibädern würde das Virus laut der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) deaktivieren. "Damit besteht in Schwimmbädern kein größeres Ansteckungsrisiko als in anderen Einrichtungen auch", schreibt die DGfdB auf ihrer Homepage.

Freibad-Besuch gleicht oft dem Besuch einer Großveranstaltung

Um ein erhöhtes Ansteckungsrisiko in den Freibädern zu vermeiden, schlägt die DGfdB vor, die eh schon hohen Hygienestandards in den Bädern weiter zu erhöhen. Außerdem sollten die Badegäste darüber informiert werden, dass die übliche Husten- und Nies-Etikette und eine ordentliche Handhygiene einzuhalten sind. Zudem hat die DGfdB einen Pandemie-Plan entworfen.

Ob das ausreicht, ist derzeit nicht klar. Denn ein Freibad-Besuch gleicht nicht selten dem Besuch einer Großveranstaltung. Und die sind bis Ende August dieses Jahres verboten. Achim Wiese, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), ist sich im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sicher, dass es in diesem Jahr keine normale Badesaison geben wird. 

Mindestabstand in Freibädern - das hat wenig mit Spaß zu tun

Obwohl die Freibäder Vorkehrungen treffen würden, Mundschutz-Masken für das Personal und Desinfektionsmittelspender, sei es laut Wiese "unvorstellbar, dass am 4. Mai die Menschen in die Freibäder strömen". Immerhin gäbe es Freibäder, in die bis zu 3000 Menschen passen würden - in der aktuellen Situation undenkbar.

Und auch, wenn die Freibäder nur eine begrenzte Anzahl an Gästen hereinlassen würden, um den Mindestabstand gewährleisten zu können: Mit Spaß hat das laut Wiese nur noch wenig zu tun. Dann könnten die Menschen nur noch - mit Abstand - Bahnen schwimmen.

DLRG: Aufs Schwimmen verzichten und an Land bleiben

Aber nicht nur die Freibad-Saison ist derzeit durch das Coronavirus gefährdet, auch Badeseen und Strände bergen - trotz etwa in NRW guter Wasserqualität - ein potenzielles Ansteckungsrisiko. Der DLRG-Sprecher Wiese rät den Menschen derzeit dazu, an Land zu bleiben. 

Denn jeder müsste damit rechnen, in einen Unglücksfall im Wasser verwickelt zu werden. Damit bringt man nicht nur sich selbst, sondern auch die potenziellen Retter in Gefahr. Bei einer Rettung können sie keinen Abstand halten oder Schutzkleidung tragen. Auch wenn es nicht offiziell untersagt ist, bittet die DLRG dringend darum, derzeit aufs Schwimmen zu verzichten. Dazu sollen sich die Badegäste nicht durch das verbotene Schwimmen in Seen und Kanälen während dem Hitze-Sommer in NRW in Gefahr begeben, bittet die DLRG.

Video: Wale genießen die Ruhe vor der Küste von Marseille

Wie der Sommer in Deutschland in den Freibädern, an den Stränden und Seen letztendlich aussehen wird, ist derzeit unklar. Wer trotzdem nicht auf den Wasserspaß im Pool verzichten will, für den gibt es Alternativen. Klar ist nur, dass dieser Sommer kein normaler sein wird. Und auch andere Länder beschäftigen sich gerade mit der Sommer-Gestaltung in der Coronavirus-Krise.

Übrigens wird in der Stadt Bochum im Ruhrgebiet darüber nachgedacht, eine Badestelle an der Ruhr einzurichten - für den Sommer 2021.

In Italien wird darüber nachgedacht, wie der Mindestabstand an den beliebten Stränden gewährleistet werden kann. Sogar Acrylglas-Boxen an den Stränden wurden schon vorgeschlagen. Nach weniger Plastik klingt der Vorschlag nach einer Pflicht der Reservierung an den Stränden. In Spanien unterdessen bereitet man sich trotz Coronavirus auf einen gebremsten Start in die Tourismus-Saison frühestens im August vor.

Auch eine Möglichkeit: In NRW, wo inzwischen Ferienhäuser und -wohnungen wieder geöffnet werden dürfen, kann man sich sonst auch einfach ein Haus mit Pool mieten.