Mehrere Möglichkeiten

Fleisch und Milch: Kosten explodieren wegen Tierwohlabgabe

Kühe in Stall
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Die Tierwohlabgabe soll Haltungsbedingungen von Tieren verbessern.

Für mehr Tierwohl könnte bald einiges teurer werden. Etwa eine Steuererhöhung für Fleisch und Milch wäre rechtlich möglich.

Dortmund - Bei Fleisch und Milchprodukten könnten in Zukunft die Preise steigen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat per Studie von der Anwaltskanzlei Redeker überprüfen lassen, ob das rechtlich möglich wäre. Diesmal hat die Preiserhöhung allerdings nichts mit Protesten von Landwirten zu tun.

Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und VerbraucherschutzJulia Klöcker
ParteiChristlich Demokratische Union (CDU)
Geboren16. Dezember 1972 (Alter 48 Jahre), Bad Kreuznach

Tierwohlabgabe kommt: Kunden sollen mit Fleisch und Milch mehr Tierschutz finanzieren

Hintergrund ist stattdessen die Verbesserung des Tierwohls von Nutztieren. Die Preiserhöhung könnte unter anderem mehr Tierschutz in den Ställen von Landwirten finanzieren. Und das sei grundsätzlich auch rechtlich durchsetzbar, wie die Studie für das BMEL jetzt ermittelt hat. Kunden könnten direkt beim Kauf von Fleisch und Wurst im Supermarkt drauf zahlen.

Die sogenannte „Tierwohlabgabe“ wurde im Auftrag von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) von der Borchert-Kommission angeregt – einer Expertenkommission des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung. Denkbar wäre demnach beispielsweise eine generelle Preiserhöhung Fleisch und Wurst. Diese könnte etwa als Verbrauchssteuer durchgesetzt werden.

Auch eine Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes (MwSt.) von bisher sieben Prozent auf 19 Prozent für tierische Produkte oder gar alle Lebensmittel sei möglich. Eine weitere Möglichkeit, die Tierwohlabgabe durchzusetzen, wäre eine Ergänzungsabgabe auf die Einkommensteuer.

Tierwohlabgabe rechtlich möglich? Wie Fleisch und Milch für Kunden teurer werden könnten

Beschlossene Sache ist aber noch keine dieser Varianten. Denn es gibt auch Stolpersteine bei der Durchsetzung der Tierwohlabgabe. Wie die Kanzlei Redeker erläutert, könnte es problematisch sein, wenn vor allem deutsche Tierhalter von der Preiserhöhung profitieren, aber gleichzeitig auch Import-Produkte teurer werden. Denn es gilt ein Benachteiligungsverbot für Landwirte aus anderen EU-Ländern.

Dennoch könnte die Preiserhöhung für Fleisch und Milch kommen. Die Borchert-Kommission hat eine Verbrauchssteuer auf tierische Produkte schon vor über einem Jahr vorgeschlagen. Das Konzept wurde im Bundestag im Juli 2020 von großer Mehrheit unterstützt, wie die Frankfurter Allgemeine berichtet.

Fleisch und Milch wird teurer: So könnte die Tierwohlabgabe aussehen

Laut Anregung der Borchert-Kommission könnten die Preise für tierische Produkte je nach Art unterschiedlich erhöht werden. Die konkreten Vorschläge der Kommission zur Tierwohlabgabe:

  • 40 Cent mehr pro Kilogramm Fleisch und Wurst
  • 15 Cent mehr pro Kilogramm Käse und Butter
  • 2 Cent mehr pro Kilogramm Milchprodukte und Eier

Durchschnittlich müsse so jeder Verbraucher rund 35 Euro im Jahr mehr für tierische Produkte bezahlen, sollte die Tierwohlabgabe in dieser Form durchgesetzt werden. Insgesamt würden sich daraus jährliche Einnahmen von 3,6 Milliarden Euro ergeben. Diese sollen den Landwirten zugutekommen, etwa für den Umbau von Ställen.

Video: Weltverbrauchertag: Tierwohl versus Billigfleisch

Höhere Preise für Fleisch und Milch: Gespräche zur Tierwohlabgabe laufen

Bis zur Bundestagswahl im September sollen genaue Finanzierungsvorschläge der Tierwohlabgabe vorliegen. „Die Gesellschaft möchte mehr Tierwohl, das gibt es nicht zum Nulltarif“, so Julia Klöckner. „Ohne staatliche Vorgaben wird das nicht funktionieren.“

Die Landwirtschaftsministerin will nun mit anderen Parteien Gespräche führen und Vorschläge austauschen. Der Systemumbau zu höheren Tierschutz-Standards sei Voraussetzung für die Zukunft der Tierhaltung in Deutschland und ihre gesellschaftliche Akzeptanz. „Für mich geht es nicht um das Ob, wie reden über das Wie“, so Klöcker.

Bisher konnten Kunden sich beim Einkaufen vor allem an dem freiwilligen Tierwohl-Label orientieren. Per Ampel-System soll hier angezeigt werden, wie viel Tierschutz hinter dem Fleisch steckt.