Erstattung

Fitnessstudios müssen Geld zurückzahlen: Bundesgericht fällt Corona-Urteil

Wer während der beiden Corona-Lockdowns sein Fitnessstudio nicht besuchen konnte, kann nun sein Geld zurückerhalten. So funktioniert die Erstattung.

NRW – Fitnessbegeisterte hatten es während der beiden Corona-Lockdowns nicht leicht. Statt gemeinsam zu schwitzen, musste wegen der NRW-Corona-Regeln und der strikten Maßnahmen im Sportbereich oft die heimische Trainingsmatte herhalten – oder auf Sport gänzlich verzichtet werden. Auch finanziell hat der Lockdown Spuren hinterlassen, denn trotz ausbleibender Trainingsmöglichkeiten haben Fitnessstudios vielerorts die Monatsbeiträge weiter fleißig abgebucht. Nun gibt es für Betroffene Grund zur Hoffnung, die Verbraucher erhalten Rückendeckung vom obersten Gericht.

BundesgerichtshofOberstes Gericht der Bundesrepublik Deutschland
Gründung01. Oktober 1950
SitzKarlsruhe

Fitnessstudio: Kunden konnten im Corona-Lockdown nicht trainieren

Wer zu Beginn des Jahres 2020 den inneren Schweinehund überwunden und sich nach längst überfälliger Anmeldung regelmäßig in ein Fitnessstudio begeben hatte, musste mit dem ersten und auch dem zweiten Corona-Lockdown mitunter herbe Trainingsrückschläge hinnehmen. Doch immerhin bekommen Kunden jetzt ihr Geld für die ausgefallenen Monate zurück (mehr Service-News auf RUHR24).

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat einem Fitnessstudio-Kunden aus Niedersachsen recht gegeben, der im Dezember 2019 einen zweijährigen Vertrag für sein Fitnessstudio unterschrieben hatte. Obwohl die Filiale während der Corona-Lockdowns dann geschlossen war, wurden ihm monatlich 24,90 Euro abgebucht.

Fitnessstudios: BGH verpflichtet Betreiber zur Entschädigung

Weder wollte der Studiobetreiber dem Kunden das Geld zurückgeben, noch einen Gutschein für die ausgefallene Trainingszeit ausstellen. Eine angebotene Gutschrift der Trainingszeit lehnte der Kunde ab.

Nach verschiedenen gerichtlichen Instanzen erklärte der BGH, dass „der Zweck eines Fitnessstudiovertrages (...) in der regelmäßigen sportlichen Betätigung“ liege. Dadurch, dass die Studios aber während der Corona-Lockdowns geschlossen hatten, konnte diese Leistung jedoch nicht erbracht werden.

Fitnessstudios: Gutscheine zur Entschädigung reichen nicht zwangsläufig aus

Für die betroffenen Monate, in NRW waren die Fitnessstudios vom 17. März bis zum 11. Mai 2020 und vom 02. November 2020 bis zum 28. Februar 2021 geschlossen, können Kunden nun ihr Geld zurückverlangen. Diese Entschädigung gilt dann, wenn ein Fitnessstudio die ausgefallene Trainingszeit nicht bereits mit einer Rückerstattung oder einem vom Kunden akzeptierten Gutschein verrechnet hat oder ein versendeter Gutschein bisher noch nicht vom Kunden eingelöst wurde.

Laut chip.de hätten Verbraucherschützer auf Anfrage erklärt, dass viele Kunden während der Lockdown-Phasen weiterbezahlt hätten, dafür aber bisher in keiner Form entschädigt worden seien.

Kunden von Fitnessstudios müssen für die ausgefallene Trainingszeit entschädigt werden.

Fitnessstudios: Kunden müssen Gutscheine erst schriftlich akzeptieren

Allerdings hat nicht jeder Kunde eines Fitnessstudios ein Anrecht auf eine solche Entschädigung. Sofern bereits ein Gutschein ausgestellt und dieser vom Kunden schriftlich akzeptiert worden ist, gibt es kein Geld zurück – auch dann nicht, wenn die ausgefallene Trainingszeit an den Vertrag angehängt wurde und diese bereits verstrichen ist.

Handeln sollten Fitnessbegeisterte aber schnell, wenn sie keinen Gutschein erhalten oder diesen noch nicht eingelöst haben. Auch wenn Kunden einen Gutschein zwar zugeschickt bekommen, diesen aber nicht schriftlich akzeptiert haben, sollten sie sich schnell mit einer Zahlungsaufforderung an ihr Fitnessstudio wenden. Chip.de empfiehlt diese Vorlage:

Vorlage

„Sehr geehrte Damen und Herren,

am ________ (Ausstellungsdatum des Gutscheins einfügen) haben Sie mir einen Gutschein aufgrund der Corona-Pandemie nach Art. 240 § 5 EGBGB ausgestellt.

Diesen habe ich nicht eingelöst. Ich fordere Sie daher auf, mir den gesamten Betrag des Gutscheins von ________ (Summe einfügen) Euro zu erstatten und diesen auf mein Konto ________ (eigene IBAN einsetzen) bei der ________ (Name der Bank und BIC in Klammern setzen) zu überweisen. Die Rückzahlung erwarte ich bis zum ________ (maximal 14 Tage in der Zukunft).

Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 4. Mai 2022 (Az. XII ZR 64/21) liegt der Zweck eines Fitnessstudiovertrags in der regelmäßigen sportlichen Betätigung. Bei einem Fitnessstudiovertrag mit mehrmonatiger fester Laufzeit ________ (eigene Kundennummer) ist gerade die regelmäßige und ganzjährige Öffnung und Nutzbarkeit des Studios von entscheidender Bedeutung. Wenn Ihr Betrieb den Zutritt nicht mehr gewähren kann, wird der Vertragszweck, so das Urteil des Bundesgerichtshofs, nicht erreicht. Diese geschuldete Leistung kann wegen des Zeitablaufs nicht nachgeholt werden.

Ich sende Ihnen eine Kopie des Gutscheins zu und stehe Ihnen für Rückfragen gerne zur Verfügung.“

Sollte der Betreiber nicht reagieren, kann ein Mahnschreiben aufgesetzt, in letzter Instanz sogar die örtliche Verbraucherzentrale oder ein Anwalt eingeschaltet werden. Wie hoch eine Entschädigung ausfällt, hängt von der Dauer der Schließungen der Fitnessstudios ab. Mit Blick auf die vergangenen Lockdowns gibt es dabei, je nach Bundesland, regionale Unterschiede.

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