Vorsatz für 2021

Sportgeräte für zu Hause: Gefährliche Weichmacher bei Test entdeckt

Was taugen Sportartikel und Fitnessgeräte für zu Hause? Das wollte eine Umweltorganisation wissen – und kam zu einem unsportlichen Ergebnis.

Berlin – Neues Jahr, neue Vorsätze: Viele Menschen nehmen sich pünktlich zum Jahresbeginn vor, mal wieder mehr Sport zu machen. Discounter wie Lidl, Aldi und Co haben passend dazu auch in den ersten Wochen im Jahr diverse Sportartikel wie Hanteln, Matten oder Gummibänder im Angebot. Doch bei der Ausstattung des Home-Gym ist Vorsicht angebracht, wie die Ergebnisse eines Tests nun zeigen.

UmweltschutzorganisationBund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
RechtsformEingetragener Verein
VorsitzOlaf Bandt (seit 2008)
Mitglieder467.044 (2019)
StrukturMitgliederverband und ehrenamtliche Ortsgruppen

Sportartikel im Test: „Besonders besorgniserregenden Stoffe“ gefunden

Die Fitnessstudios haben weiterhin geschlossen und es ist weiterhin Home-Office angesagt - aufgrund der Corona-Pandemie ist die Bewegung bei vielen auf der Strecke geblieben. Kein Wunder also, dass das Streben nach mehr Sport die Liste der Neujahrsvorsätze mal wieder anführt.

Der Kauf von Sportartikeln ist für viele der entscheidende Motivationsschub, um zumindest in den ersten Wochen des Jahres mal wieder mehr Bewegung in den Alltag zu bringen und ins Schwitzen zu kommen. Eine Untersuchung hat allerdings nun zutage gefördert, dass jedes vierte Produkt mit laut der EU-Chemikalienverordnung REACH „besonders besorgniserregenden Substanzen“ belastet ist. Dazu zählen unter anderem: Weichmacher, Schwermetalle oder Farbstoffe.

Hanteln, Springseile, Trinkflaschen: Sportartikel mit Risiko für die Gesundheit

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat mit Partnern aus ganz Europa im Zuge des europäischen Projekts „AskREACH“ 82 Sportartikel von unterschiedlichen Herstellern und Marken untersucht. Die Bandbreite des untersuchten Sportequipments war groß, es wurde stichprobenartikel ausgewählt. So waren beispielsweise Hanteln von Intersport, ein Pilatesball von Alex, eine Yogamatte von TK Maxx oder Crane (Aldi) sowie ein Schweißband von Nike im Test dabei.

Das Ergebnis der Laboruntersuchung ist allerdings alles andere als sportlich. So konnten die Experten in jedem vierten Produkt besonders besorgniserregenden Stoffe – auf Englisch „Substances of Very High Concern“ (SVHCs) nachweisen. Dazu zählen unter anderem Weichmacher, Flammschutzmittel oder Schwermetalle.

In fast allen getesteten Yogamatten wurden bedenkliche Substanzen nachgewiesen – außer in einem Produkt der Marke Crane von Aldi.

Außerdem gelten Produkte, die SVHCs enthalten, erwiesenermaßen als:

  • krebserregend
  • fortpflanzungsschädigend
  • erbgutverändernd
  • hormonell wirksam
  • schädlich für die Umwelt: Sie sind persistent (schlecht abbaubar), toxisch und reichern sich in der Natur an.

Sportartikel-Test 2021: Gesundheitsschädliche Chemikalien sind das Ergebnis

„Die Ergebnisse unseres Tests sind beunruhigend“, sagt Manuel Fernandez, BUND-Experte für Chemikalienpolitik. So enthielten sieben Sportartikel die Weichmacher DEHP oder DIBP, die in der EU bereits verboten sind.

Darunter ein Boxhandschuh von Lonsdale, ein Pilates Airpad von SportScheck und ein Springseil von einem unbekannten Hersteller. Eine Auflistung aller getesteten Sportartikel sowie die Testergebnisse sind bei der Umweltschutzorganisation Global2000 (PDF) zu finden.

BUND prüft Sportartikel: Testergebnisse sind alles andere als sportlich

In der Industrie kommen die Chemikalien gerne zum Einsatz, um das Material beispielsweise biegsam oder elastisch zu machen. Trainiert man mit einem Fitnessgerät, das solche Weichmacher enthält, können die giftigen Stoffe eingeatmet oder über die Haut aufgenommen werden – mit Folgen für die Gesundheit.

Weichmacher stehen im Verdacht, eine endokrine Wirkung zu haben. Das bedeutet, sie können den Hormonhaushalt bei Männern und Frauen stören, die Fruchtbarkeit sowie die sexuelle Reifung im Mutterleib schädigen und behindern. Auch das Verbraucherportal Öko-Test hat zu Beginn der Corona-Pandemie Fitnessgeräte für zu Hause auf den Prüfstand genommen. Mit einem ähnlich schlechten Ergebnis. Es wurden ebenfalls zahlreiche Stoffe nachgewiesen, die im Verdacht stehen, krebserregend zu wirken und das Erbgut zu schädigen.

Sportartikel-Test: Giftiges Eqiupment wurde illegal verkauft

Übersteigt der Anteil der Weichmacher DEHP, DIBP, BBP und DBP einen bestimmten Prozentsatz (0,1 Prozent) im Produkt, darf es in der EU nicht mehr verkauft werden. Im Sportartikel-Test wurde bei einem Springseil eine Konzentration von 24 Prozent und bei einem Gymnastikball ein Anteil von 41 Prozent festgestellt. Demnach wurden sie illegal in Umlauf gebracht.

Das Problem: Andere Chemikalien, wie zum Beispiel Schwermetalle oder Flammschutzmittel dürfen in höheren Mengen in einem Sportartikel enthalten sein – allerdings nur, wenn der Hersteller den Verbraucher darüber informiert. Wie der BUND und die anderen an der Untersuchung beteiligten Organisationen herausgefunden haben, war das jedoch nur selten der Fall (mehr Testberichte auf RUHR24.de)

Die Tester haben von ihrem „Recht auf Information“ Gebrauch gemacht und bei den Herstellern der Sportartikel nach Informationen zu den bedenklichen Inhaltsstoffen gefragt. Allerdings haben sie nach eigenen Angaben von keinem der Verkäufer dieser Artikel Informationen über die SVHCs erhalten.

Giftige Weichmacher in Sportartikeln erkennen: BUND gibt Tipps

Der BUND hat daher Tipps veröffentlicht, wie sich Verbraucher selbst schützen können, um sich keine giftigen Sportartikel ins heimische Fitnessstudio zu holen:

  • Billige Kunststoffartikel, insbesondere aus Weich-PVC oder dunklem Hartplastik vermeiden.
  • Auf den Geruch des Artikels achten: Riecht der Gegenstand stark und undefinierbar, quasi „chemisch“, lieber die Finger davon lassen.
  • Umweltzeichen wie das EU-Ecolabel oder der Blaue Engel können ein Indiz dafür sein, dass keine oder nur geringe Anteile von Chemikalien enthalten sind.

Und noch eine gute Nachricht zum Schluss: Die Tester fanden auch heraus, dass in keinem der in Österreich gekauften Produkte gefährlichen SVHCs oder ähnliche Stoffe enthalten waren. Darunter auch die Yogamatte von Aldi und das Schweißband von Nike, die es auch in Deutschland zu kaufen gibt. Der Test dient damit leider nicht als Ausrede, im neuen Jahr auf mehr Sport zu verzichten.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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