Rund 150 Konten betroffen

Paukenschlag bei Facebook: Netzwerk bestraft „Querdenker“ hart

Internet-Riese Facebook hat am Donnerstagabend (16. September) zig Konten, Gruppen und Seiten der „Querdenken“-Bewegung gelöscht. Grund dafür seien Hass und Falschaussagen.

Deutschland – Wie die Deutsche Presse-Agentur (DPA) aktuell berichtet, sind insgesamt fast 150 Konten bzw. Gruppen gelöscht worden. Auch die Instagram-Accounts der „Querdenker“ seien von der Action betroffen, Whatsapp-Konten hingegen nicht.

FacebookUS-amerikanisches Unternehmen
CEOMark Zuckerberg
HauptsitzMenlo Park, Kalifornien, Vereinigte Staaten

„Koordinierte Schädigung der Gesellschaft“: Konten von Corona-Leugnern gelöscht

Nach Angaben des US-Konzerns richteten sich die Maßnahmen gegen eine Gruppierung, die eine „koordinierte Schädigung der Gesellschaft“ hervorrufe. Auch die Konten des als Gründer der „Querdenker“ geltenden Michael Ballweg, der in der Corona-Krise Proteste unter dem Motto „Querdenken 711“ organisierte, seien betroffen (News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Facebook erklärte, das „schädliche Netzwerk“ sei von Personen betrieben worden, die auch außerhalb Facebooks mit Gewalt und anderen „sozialen Schäden“ in Verbindung gebracht würden. Die ganze „Querdenken“-Bewegung ziele darauf ab, Verschwörungstheorien darüber zu verbreiten, dass die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung Teil eines Plans seien, um den Bürgern ihre Grundrechte zu verwehren, wirft Facebook-Sicherheitsmanager Nathaniel Gleicher der Bewegung vor.

Wegen Hass, Mobbing und Gewalt – Facebook löscht „Querdenker“-Konten

Seit Mai 2021 habe man „eine erhebliche Zunahme der diesbezüglichen Aktivitäten beobachten können“, erklärt Gleicher in seinem entsprechenden Blog-Beitrag weiter. Die Personen aus dem Netzwerk hätten teilweise mehrere Konten genutzt, um Inhalte zu verbreiten, die gegen die Facebook-Gemeinschaftsstandards verstoßen.

Dazu zählten unter anderem gesundheitsschädliche Falschinformationen, Aufruf zur Gewalt, Mobbing, Belästigung und Hassrede. Dabei schrecke die Bewegung auch nicht davor zurück, reale Gewalt gegen Menschen auszuüben – beispielsweise gegen Journalisten oder Polizisten. Auch in Dortmund waren nach Querdenker-Demos Waffen sichergestellt worden.

In den vergangenen Monaten gab es viele Demos von Corona-Leugnern. Rund 150 Facebook-Konten von Querdenkern wurden jetzt gelöscht. (Symbolbild)

Facebook: Querdenken „nicht grundsätzlich“ verbieten, aber Nutzer schützen

Bereits im Vorfeld sei Facebook wiederholt gegen entsprechende Beiträge vorgegangen, erklärt der Facebook-Manager. Gleicher stellt in seinem Blogbeitrag aber auch klar, dass Facebook Querdenker „nicht grundsätzlich“ verbieten wolle. Man werde die Lage stattdessen weiterhin beobachten und auch bei erneuten Verstößen weitere Maßnahmen ergreifen. Facebook habe zudem eine Liste von Webseiten der Querdenker identifiziert, die auf Facebook nicht länger verlinkt werden können, berichtet der Manager.

Übergeordnetes Ziel sei es dabei, die Facebook-Nutzer zu schützen und die „missbräuchliche Verwendung“ der Plattform zu unterbinden. Die gelöschten Inhalte sind bereits verschwunden: Wer auf Instagram „Querdenken“ eingibt, erhält die Nachricht „Diese Seite ist leider nicht verfügbar.“

Fake-News auf Facebook und Whatsapp: Konzern geht verstärkt dagegen vor

Die aktuellen Maßnahmen seien die „weltweit erste“ gezielte Aktion, die sich gegen eine Gruppierung richte, die die Gesellschaft mit Fake-News gezielt schädigen wolle, erklärte der Facebook-Sicherheitsmanager gegenüber der DPA. Wie die Agentur weiter berichtet, habe „Querdenker“-Gründer Michael Ballweg bereits angekündigt, rechtlich gegen die Schritte vorzugehen.

Wegen der Verbreitung von Falschinformationen und Hass auf Facebook und Instagram stand der US-Konzern immer wieder in der Kritik. Das Unternehmen selbst erklärt allerdings, man gehe „seit Jahren“ gezielt dagegen vor.

Facebook gegen Fake-News: Nutzer können vermeintliche Falschinformationen checken lassen

Um Fake-News zu begegnen, arbeitet Facebook hierzulande mit Nachrichtenagenturen wie AFP sowie dem Recherchezentrum Correctiv zusammen. Im Vorfeld der Bundestagswahl wurden diese Kooperationen auf Whatsapp ausgeweitet. Wer fragwürdigen Informationen erhält, kann diese via WhatsApp-von Faktenprüfen von AFP sowie dem Rechennetzwerk Correctiv checken lassen. Über diese Nummern sind die Fakten-Checker erreichbar:

  • AFP: 0172/2524 054
  • Correctiv: 0151/1753 5184

Wichtig zu wissen: Bis man eine Einschätzung der Prüfer zu vermeintlichen Fake-News erhält, kann es eine Weile dauern. Die wichtigsten Faktenchecks rund um Corona finden Nutzer aber auch auf der Webseite von Correctiv in einer Übersicht.

Rubriklistenbild: © Richard Drew

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