Was bringen sie wirklich?

Detox-Produkte: Was Experten zur Wirksamkeit sagen

Detox Party
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Fastenkuren im Frühling: Detox ist angesagter denn je. Was Experten zu dem Trend sagen. (Symbolbild)

Der Frühling kommt. Detox-Produkte zum Entschlacken sind jetzt besonders beliebt. Doch wie sinnvoll sind solche Mittel wirklich?

Deutschland – Der Frühling ist nicht nur die Zeit für den berühmten „Frühjahrsputz“. Viele Menschen wollen in dieser Zeit auch ihren Körper wieder in Schwung bringen. Zahlreiche Verbraucher setzen dabei auf spezielle Detox-Produkte, die eine „Entgiftung und Reinigung des Körpers“ versprechen. Aber sind solche Produkte wirklich wirksam? Die Experten von Öko-Test und der Verbraucherzentrale haben dazu eine klare Position.

Verbraucherzentrale BundesverbandVerbraucherschützer
Gründung1. November 2000
Mitglieder51 Verbraucherorganisationen

Detox-Mittel: Hersteller werben mit entschlackender und entgiftender Wirkung

Superfood, Heilerde, Kuren oder Pillen – die Produktpalette an speziellen Detox-Mitteln mit einer vermeintlich entschlackenden und entgiftenden Wirkung ist groß. Sie alle versprechen, den Körper von innen zu reinigen und von schädlichen Ansammlungen von Giftstoffen – auch „Schlacken“ genannt – zu befreien.

Der Begriff „Detox“ ist dabei eine Abkürzung für Detoxifikation, was eben „Entgiftung“ bedeutet. Die Mittel sollen laut Herstellerangaben, den Körper durch das Entgiften von schädlichen Stoffen befreien und so allgemein für mehr Wohlbefinden sorgen. Viele werben auch damit, dass das Immunsystem gestärkt werde oder man Abnehmerfolge erzielen könne.

Verbraucherschützer: Wirkung von Detox-Produkten nicht wissenschaftlich belegt

Zu solchen Versprechungen haben die Experten von der Verbraucherzentrale eine klare Meinung. Laut den Verbraucherschützern gibt es für derartige Wirkungen keinerlei Belege.

So seien weder die Nahrungsergänzungsmittel noch ihre einzelnen Zutaten in seriösen Studien untersucht worden. Jede Art von wissenschaftlicher Grundlage für die Werbeversprechen würde daher fehlen.

Verbraucherzentrale und Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Der gesunde Körper muss nicht entschlackt werden

Mehr noch: Die Verbraucherzentrale verweist darauf, dass nicht nur die Wirkung nicht bewiesen ist – sondern selbst das Problem erfunden sei. So ließen sich vermeintlich schädliche Ansammlungen von Giftstoffen bei gesunden Menschen gar nicht nachweisen. Denn im Normalfall scheidet der Körper solche Stoffe über Leber und Niere aus. Bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) heißt es dazu: „In einem gesunden menschlichen Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Nicht verwertbare Stoffe werden über den Darm und die Nieren ausgeschieden.“

Angebliche „Powerstoffe“, wie zum Beispiel Brennnesseln oder Löwenzahn, haben laut Verbraucherzentrale zwar erwiesenermaßen eine entwässernde Wirkung – aber eben keine entgiftende. Demnach wird der Detox-Begriff zu Werbezwecken missbraucht, die Hersteller bescheinigen ihren Produkten eine Wirkung, die nicht erzielt werden kann.

Video – Mareikes Tipp: Wie sinnvoll sind Detox-Kuren?

Öko-Test warnt: Detox-Produkte zur Nahrungsmittelergänzung können schädlich sein

Die Zeitschrift Öko-Test warnt aktuell sogar vor der Verwendung solcher Produkte. Das Hamburger Verbrauchermagazin verweist darauf, dass die Einnahme solcher Mittel mehr schaden könnten als sie nützen.

Demnach können entwässernde Tees oder Pillen dauerhaft konsumiert dazu führen, dass wichtige Mineralstoffe mit ausgeschieden werden. Das könne auch die Wirksamkeit von Medikamenten negativ beeinflussen. Auch reine Saft-Kuren werden von Medizinern nicht empfohlen. Denn Fruchtsäfte enthalten viel Zucker und sollten daher nur in Maßen getrunken werden.

Detox-Kuren: Nahrungsergänzungsmittel enthalten teilweise bedenkliche Stoffe

Zudem verweist Öko-Test darauf, dass bestimmte Präparate Zutaten enthalten, die von unserer Nahrung „weit entfernt“ seien und die Einnahme somit einem „Experiment mit ungewissem Ausgang“ nahekäme. Zu solchen Stoffen zählen zum Beispiel Zeolithe. Dabei handelt es sich um kleine Kristalle, die im Vulkangestein vorkommen oder synthetisch hergestellt werden. Sie können Schwermetalle wie Blei enthalten und tauchen nach Angaben des Verbrauchermagazins auch im Europäischen Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte (RAPEX) auf.

Auch Aktivkohle ist laut Öko-Test bedenklich. Denn diese binde lebenswichtige Nährstoffe und beeinträchtige ebenfalls die Wirksamkeit von Medikamenten.

Nahrungsergänzungsmittel ohne echte Wirkung: Der Begriff „Detox“ ist gesetzlich nicht definiert

Ein großes Problem in Sachen Verbraucherschutz: Lange Zeit konnte jeder Hersteller sein Produkt einfach „Detox“ nennen. Denn es gibt davon keine gesetzliche Definition. Im Jahr 2017 hat der Bundesgerichtshof in mehreren Urteilen festgestellt, dass „Detox“ eine nicht zulässige gesundheitsbezogene Angabe ist. Denn Verbraucher verbinden den Begriff mit einer entschlackenden oder entgiftenden Wirkung, die nicht nachgewiesen ist. Dennoch wird die Bezeichnung von vielen Produzenten weiter verwendet.

Um mögliche Rechtsstreitigkeiten zu umgehen, erfinden einige Hersteller darüber hinaus immer weitere Bezeichnungen. So sind beispielsweise Begriffe wie „D-Tox“, „De-Tox“ oder „Free-Tox“ im Umlauf, die eigentlich auch eine gesundheitsfördernde Wirkung suggerieren.

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