Bedrohliche Entwicklung

Ukraine-Krieg und Energiekrise: Diese Produkte sind in Deutschland knapp geworden

Strom und Gas haben sich enorm verteuert – und Deutschland steckt in einer Energiekrise. Wie der Ukraine-Krieg und dessen Folgen den Alltag der Menschen trifft.

München – Deutschland und seine Einwohner befinden sich im Würgegriff der Inflation. Diese macht sich drastisch aufgrund der Entwicklung auf dem Energiemarkt bemerkbar, welche maßgeblich durch die Eskalation in der Ukraine herbeigeführt wurde. Das Resultat sehen Verbraucher beim Blick auf die Strom- oder Heizkostenabrechnung. Jedoch sind Menschen nicht nur im privaten Bereich mit den Auswirkungen der Energiekrise konfrontiert, wo infolge der Kostenspirale eine Teuerung zahlreicher Güter stattfindet, berichtet Merkur.de.

KriseEnergiekrise
Ursacheu.a. Krieg in der Ukraine
FolgenSteigende Energiepreise

Energiekrise: Viele Produkte des täglichen Bedarfs werden knapp

Auch Industrie und Wirtschaft werden mit zum Teil drastisch gestiegenen Energiepreisen konfrontiert. Schließlich erfolgt hier in der Regel eine Massenfertigung diverser Güter, die einen enormen Produktionsaufwand erforderlich macht.

Das Ergebnis: Viele Produkte des täglichen Bedarfs drohen plötzlich knapp zu werden, weil auch Unternehmen durch die gestiegenen Energiekosten in Existenznot gelangen. So hat zum Beispiel der deutsche Klopapierhersteller Hakle Insolvenz angemeldet.

Krieg in der Ukraine hat weitreichende Auswirkungen: Verknappung, steigende Preise, Insolvenzen

Es sind mehrere Faktoren, die zum Tragen kommen: Neben den zusammenhängenden Märkten für Wärme und Elektrizität spielen auch Transportkosten eine Rolle, insbesondere Treibstoff. Dazu kommt bei manchen Unternehmen ein Problem mit Holzfasern, die für die Papierproduktion benötigt werden.

Der Konflikt zwischen dem Westen und Russland mitsamt der Loslösung von preiswerter Energie bringt Verbraucher und Wirtschaft somit in arge Bedrängnis. Das betrifft freilich auch Waren des täglichen Bedarfs. In vielen Branchen gibt es Probleme, die zu Verknappung, steigenden Preisen und Insolvenzen führen können.

Ukraine-Krieg und Energiekrise machen Produkte des täglichen Bedarfs teurer

Lebensmittel und Getränke: Schon jetzt sind viele Nahrungsmittel in Supermärkten und Discountern gegenüber dem Vorjahr teurer geworden. Das fällt bei zahlreichen Produkten auf, besonders stark bei Butter, Sonnenblumenöl oder auch Brot- und Backwaren.

Doch wodurch entstehen die Preissteigerungen? Infolge des Ukraine-Krieges wurden die Kosten für Dünger drastisch erhöht, dazu kommt das Energieproblem, mitunter befeuert durch den Nord-Stream-2-Konflikt.

Energiekrise im Supermarkt: Lebensmittel und Getränke werden teurer

Die Entwicklung, mit der Verbraucher an den Regalen und Frischetheken der Supermärkte konfrontiert werden, basiert darauf, dass (mineralischer) Dünger für Felder aus Erdgas hergestellt wird, dazu Tierfutter zu einem großen Teil aus pflanzlichen Überresten der Speiseöl-Produktion. Letzteres wirkt sich demnach massiv auf die Herstellung von Milcherzeugnissen wie Butter aus, aufgrund der erforderlichen Tierhaltung. Berichten zufolge haben Produzenten von Düngemitteln im Jahr 2022 aus Kostengründen die Fertigung um 70 Prozent reduziert.

Kurzfristig sorgt das für steigende Preise, langfristig schlimmstenfalls zu einem Versorgungsengpass. Auch der Deutschen liebstes alkoholisches Getränk Bier ist von der brisanten Gemengelage betroffen: Denn der Gerstensaft wird in Brauereien hauptsächlich mithilfe von Gas produziert.

Ein weiteres Problem vieler Getränkehersteller ist die Verknappung von Kohlendioxid: Da die Kohlensäure bei einigen Brauereien und Softdrink-Herstellern nicht mehr für alle Getränke reicht, gibt es erste Produktionsstopps. Doch was hat Kohlensäure in Getränken mit der Energiekrise zu tun? Sie entsteht zumeist als Nebenprodukt im Rahmen der Düngemittelherstellung und ist daher vom oben genannten Problem betroffen.

Die Flamme auf dem Gasherd ist kostenintensiver: Deutschland ächzt unter der Last von hohen Energiekosten.

Energiekrise in Deutschland: Verknappung bei Konsumgütern des täglichen Bedarfs?

Konsumgüter: Die angespannte Lage auf dem Energiesektor wirkt sich auf weitere Produkte aus und lässt diese teurer werden. Denn der Rohstoff Erdgas steckt in zahlreichen Artikeln, mit denen Otto Normalverbraucher im Alltag konfrontiert ist:

  • Pflegeprodukte
  • Zahnpasta
  • Kosmetik
  • Waschmittel
  • Putzmittel

Erdgas dient als wichtiger Bestandteil für Kunststoffverpackungen, bei vielen Utensilien sind Rückstände jedoch auch in der Ware selbst vorhanden. Dazu spielt Erdgas für Folien der industriellen Produktfertigung eine wesentliche Rolle.

Nicht zu vergessen, werden alleine durch die Elektrizität bei der Fertigung riesige Mengen Energie benötigt. Somit besteht auch hier die Gefahr durch Engpässe, sollte die aktuelle Entwicklung nicht gestoppt werden.

Derweil könnte im Notfallplan Gas schon bald die Alarmstufe ausgerufen werden – mit weitreichenden Folgen.

Energiekrise in Deutschland könnte zu Problemen mit Medikamenten führen

Medikamente: Arzneien und andere medizinische Hilfsmittel spielen für die Gesundheit vieler Menschen eine bedeutende Rolle. Zwar konnte die Pharmaindustrie weltweit aufgrund der Corona-Pandemie Profite einfahren, jedoch sind auch die Hersteller auf mehrere Weisen von gestiegenen Produktionskosten betroffen. Auch hier dreht es sich vorrangig um die Rohstoff-Verknappung von Erdgas, für das die Bundesregierung händeringend nach Ersatz sucht, zum Beispiel in Kanada.

Zum einen geht es in diesem Sektor um Herstellungsprozesse, wo unter bestimmten Temperaturen Wirkstoffe herausgesondert werden, auch mithilfe von Dampf. Was jedoch weitaus schwerer wiegt – und sich auch auf die Preispolitik auswirken dürfte: Ampullen müssen unter einem hohen energetischen Aufwand hergestellt werden, dazu befindet sich Erdgas auch in den Verpackungen zahlreicher Medikamente. Neben Kunststoff und Papier verwendet die Branche sicherheitsbedingt auch Aluminium – und das wird ebenfalls äußerst gasintensiv produziert.

Medikamenten-Verknappung in Deutschland? Europa abhängig von China

Jedoch kommt hier offenbar noch ein dritter Punkt zum Tragen: Wie der Pharmaverband VFA erklärt, werden etwa 60 Prozent aller in Europa vertriebenen Medikamente in China hergestellt! Weil dort jedoch zuletzt immer wieder Fabriken den Betrieb geschlossen haben, wirkte sich dies auf die Verfügbarkeit in Ländern wie Deutschland aus, wohin die Erzeugnisse unter großem Aufwand exportiert werden. Betroffen sind davon auch lebenswichtige Medikamente, Schmerzmittel und Antibiotika, wie Focus.de schildert.

Aussicht auf ein Abfedern der Energiekrise verspricht ein Vorstoß von EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen: Im Kampf gegen explodierende Preise für Strom und Gas will die Europäische Union angeblich Energie-Unternehmen in die Pflicht nehmen.

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