Im Bundestag bereits beschlossen

Elterngeld in der Corona-Pandemie: Wichtige Änderungen - was neu ist

Eltern mit Baby
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Änderungen zum Elterngeld: Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll gestärkt werden. (Symbolbild)

Mehr Teilzeitarbeit, weniger Bürokratie und flexibleres Elterngeld – das verspricht ein neuer Beschluss des Bundestages vom 29. Januar.

Deutschland – Der Bundestag hat das „Zweite Gesetz zur Änderung des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes“ beschlossen. Damit sollen Eltern gerade jetzt in der Corona-Pandemie besser unterstützt werden. Das Elterngeld soll dabei flexibler und weniger bürokratisch werden. Besondere Vorteile wird es für Eltern von Frühchen geben.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)oberste Bundesbehörde
Hauptsitz Berlin
BehördenleitungFranziska Giffey (42, SPD)

Elterngeld-Änderungen für 2021 geplant – das Wichtigste zum geltenden Recht in Kürze

Das Elterngeld dient zu finanziellen Unterstützung für Eltern nach der Geburt. Damit soll Eltern ermöglicht werden, das Neugeborene zu Hause betreuen zu können, ohne finanziell in Schwierigkeiten zu geraten.

Eltern können das Basiselterngeld bis zu 12 Monate beantragen – und dabei untereinander aufteilen. Zudem können insgesamt zwei Monate Partnerschaftsbonus beantragt werden.

Elterngeld-Höhe und Unterschied zwischen Basiselterngeld und ElterngeldPlus

Die Höhe liegt zwischen 300 Euro und 1800 Euro (Maximalbetrag). Sie errechnet sich aus dem Einkommen der letzten 12 Monate vor der Geburt. Eltern mit höheren Einkommen erhalten 65 Prozent, Eltern mit niedrigeren Einkommen bis zu 100 Prozent des Voreinkommens. Wer nicht gearbeitet hat, erhält den Mindestsatz von 300 Euro.

Neben dem Basiselterngeld gibt es das ElterngeldPlus. Hierbei ist die Laufzeit doppelt so lange, die monatlichen Beträge aber nur halb so hoch. ElterngeldPlus kann sich vor allem für Eltern lohnen, die in Teilzeit arbeiten. Wer sich genau über die Höhe seines zu erwartenden Elterngeldes informieren will, findet auf der Seite des Familienministeriums einen Elterngeldrechner.

Neuerungen beim Elterngeld – die Leistungen für Familien nach der Geburt sind viel gefragt

Die Leistung ist in Deutschland viel gefragt. Laut Statista haben im Jahr 2019 rund 1,87 Millionen Mütter und Väter Elterngeld bezogen. Die meisten davon in Nordrhein-Westfalen (rund 404.000).

Familienministerin Franziska Giffey (42, SPD) erklärt in Bezug auf die geplanten Änderungen: „Das Elterngeld ist die bekannteste und beliebteste Familienleistung Deutschlands. Mit der Reform passen wir es noch genauer an die Bedürfnisse der Eltern an und machen es ihnen leichter, sich um die wichtigen Dinge zu kümmern.“

Elterngeld in der Corona-Pandemie: Teilzeitmöglichkeiten werden erweitert

Konkret sollen zunächst die Teilzeitmöglichkeiten erweitert werden. Derzeit haben Eltern dann Anspruch auf Elterngeld, wenn sie in Deutschland wohnen, ihr Kind zu Hause betreuen und nicht mehr als 30 Wochenstunden arbeiten.

Diese Höchstanzahl an Wochenstunden soll jetzt auf 32 Stunden erhöht werden. Eltern können dann zukünftig 24 bis 32 Stunden während des Elterngeldbezuges arbeiten, statt zuvor 25 bis 30. Eine Vier-Tage-Woche und trotzdem Elterngeld – das war zuvor nicht möglich.

Familienministerin Franziska Giffey (42, SPD) am 29. Januar im Bundestag: Ein Hauptthema ist die Elterngeld-Reform.

Elterngeld und Teilzeitarbeit – Eltern erhalten weitere Vorteile

Grundsätzlich wichtig zu wissen: Wenn man während des Bezuges von Elterngeld arbeitet, erhält man nur eine Teilsumme. Das Elterngeld berechnet sich dann aus dem Unterschied zwischen dem Einkommen vor der Geburt und dem reduzierten Einkommen danach – es füllt also den Fehlbetrag auf. ElterngeldPlus kann sich in diesem Fall lohnen, weil es dann – anders als bei nicht berufstätigen Eltern – mehr ist als das halbe Basiselterngeld.

Bislang wird außerdem die Höhe des Elterngeldes reduziert, wenn arbeitende Mütter oder Väter Lohnersatzleistungen beziehen – wie zum Beispiel Krankengeld oder Kurzarbeitergeld. Auch das soll sich ändern: Der Bezug derartiger Leistungen soll sich in Zukunft nicht mehr auf die Höhe des Elterngeldes auswirken.

Mehr Elterngeld-Monate – besondere Vorteile für Eltern für Frühchen

Auch für Eltern mit Frühgeborenen wird es in Zukunft neue, gerechtere Regelungen geben. Schon im Regierungsentwurf war festgelegt: Wird ein Kind mindestens sechs Wochen vor dem Geburtstermin geboren, erhalten seine Eltern einen Monat mehr Elterngeld.

Diese Ansprüche werden jetzt ausgeweitet: Wird das Kind acht Wochen zu früh geboren, gibt es zwei zusätzliche Elterngeldmonate, bei 12 Wochen drei und bei 16 Wochen vier. Die entsprechende Rede von Familienministerin Giffey findet man bei Twitter als Video.

Familienministerin Franziska Giffey (42, SPD) zu den neuen Regelungen zum Elterngeld.

Corona-Sonderregelung zum Partnerschaftsbonus wird verlängert

Bereits im März 2020 wurde eine wichtige Neuerung beim Elterngeld wegen der Corona-Pandemie eingeführt. Eltern, die den Partnerschaftsbonus nutzen, aber aufgrund der wirtschaftlichen Lage nicht wie geplant beide arbeiten können, müssen den Bonus nicht zurückzahlen.

Diese Regelung soll jetzt verlängert werden – und zwar bis zum 31. Dezember 2021. Aber nicht nur diese, sondern sämtliche der Neuerungen sind auch aufgrund der besonderen Situation in der Pandemie beschlossen worden. Franziska Giffey (42, SPD) sagt dazu: „Dabei geht es uns um ein wichtiges Zeichen: Wir sehen, was Familien aktuell leisten.“

Video: Wegen Corona – Änderungen beim Elterngeld

Änderungen beim Elterngeld 2021: Bürokratieabbau soll Antrag erleichtern

Dazu gehört auch der Abbau von Bürokratie. Wer schon einmal einen Elterngeldantrag ausgefüllt hat, weiß, wie nervig das ist – auch im Vergleich zu anderen Anträgen.

Viel wird weiterhin davon bleiben. Was immerhin einfacher wird: Eltern sollen zukünftig nur noch in Ausnahmefällen einen Nachweis über die Arbeitszeit erbringen müssen. Außerdem sollen geringe selbständige Einkünfte bald besser berücksichtigt werden können.

Neues Gesetz zum Elterngeld: wer zukünftig kein Geld mehr bekommt

Bei allen Vorteilen – mehr Paare als sonst werden künftig komplett leer ausgehen. Lag bislang die Einkommensobergrenze für den Anspruch auf die Leistung bei 500.000 Euro im Jahr, reduziert sich diese mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes auf 300.000 Euro jährlich. Die Einkommensgrenze für Alleinerziehende bleibt aber unverändert bei 250.000 Euro.

Laut Familienministerium betrifft das lediglich eine kleine Gruppe von Spitzenverdienern (ca. 7.000), für die die „eigenständige Vorsorge für den Zeitraum der Elternzeit auch ohne Elterngeld möglich“ sei. Mit dieser gravierenden Änderung für Spitzenverdiener soll gewährleistet werden, dass durch die Änderungen keine zusätzlichen Kosten entstehen. Das vom Bundestag beschlossene Gesetz bedarf noch der Zustimmung des Bundesrates. Es soll dann zum 1. September 2021 in Kraft treten.