Gefrorene Autoscheibe

Alternative zum Eiskratzen kann teuer werden: „Scheibe knackt sofort weg“

Jeden Winter kämpfen Autofahrer gegen vereiste Frontscheiben. Beim Eiskratzen gilt es einiges zu beachten. Ein Autoglaser klärt auf.

Hamm/Dortmund – Der Wecker klingelt, draußen ist es noch dunkel und kalt. Schnell einen heißen Kaffee trinken, waschen, anziehen. Ab zum Auto, die Arbeit ruft. Wieder spät dran heute – dann auch noch die böse Überraschung: Die Scheiben sind zugefroren.

Eiskratzen am Auto: Falsche „Hausmittel“ können teuer werden

Wie befreie ich die jetzt schnellstmöglich vom Eis, um es noch rechtzeitig zu meinem Termin zu schaffen? Beim Freikratzen gilt es, einige Dinge zu beachten – denn das falsche „Hausmittel“ könnte teuer werden, berichtet wa.de.

Im Netz kursieren die mitunter wildesten Tipps und Tricks, um die Autoscheiben in den kalten Wintermonaten frei von Eis zu halten oder auf vermeintlich besonders effektive Art und Weise von Frost zu befreien. Doch Autoscheiben sind empfindlicher als man denkt. Wer falsch handelt, schadet sie nachhaltig und damit auch sich selbst und seinem Geldbeutel.

Eiskratzen im Winter: Autoexperte rät von Eiskratzern ab

Udo Gutjahr ist Experte, wenn es um Glas und Autos geht. In Unna (NRW) betreibt er seit vielen Jahren eine Werkstatt, Autoscheiben-Sofortmontage und Steinschlagreparatur gehören zu seinem Repertoire. Er weiß, was man beim Eiskratzen unbedingt vermeiden sollte.

Von billigen Eiskratzern, wie man sie etwa als Werbegeschenke in Form von Parkscheiben kennt, rät Gutjahr komplett ab. „Wenn man schon unbedingt Eiskratzer benutzen will, dann hochwertige“, sagt er auf Nachfrage von wa.de. Aber auch diese seien nicht gerade gut für die Scheiben. „Dadurch entstehen tiefe Kratzer, die man auch nicht mehr rauspolieren kann“, sagt er.

Diese feinen Kratzer könnten sogar gefährlich werden. „Je nachdem, wie die Sonne steht, fährt man wie im Blindflug, wenn das Licht bricht“, erklärt der Autoglas-Experte. Seinen Kunden rate er daher vom Eiskratzen – auch mit elektronischen Geräten – immer ab. Zum Glück gibt es gute Alternativen zu den oft verwendeten Eiskratzern.

Autoglaser empfiehlt bei zugefrorenen Scheiben: Eiskratzer und Hausmittel sind keine gute Wahl

Das Hausmittel Essig zum Beispiel soll vereiste Scheiben vorbeugen. Der Nachteil: Jeden Abend müsste man zum Auto und ein Essig-Wasser-Gemisch auf die Scheiben auftragen. Vergisst man das einmal oder trägt es zu spät auf, müsste man wieder kratzen.

„Es würde vielleicht helfen. Ich finde jetzt aber auch nicht unbedingt, dass Essig gut riecht“, sagt Gutjahr und lacht. Der Autoscheiben-Experte schlägt einen anderen Eiskratzer-Ersatz vor. Seine Empfehlung: Eiskratzen ohne Kratzer.

Dazu empfiehlt Gutjahr ein sogenanntes Enteiserspray. Das ist nahezu in jedem Supermarkt und Discounter kostengünstig erhältlich. Der Trick mit dem Enteiserspray: Die darin enthaltenen Alkohole tauen das Eis auf der Autoscheibe auf, Glyzerin oder Frostschutzmittel wie Glykol sorgen dafür, dass sie nicht sofort wieder zufriert.

Eiskratzen ohne Kratzer – das empfiehlt ein Autoexperte den Verbrauchern.

Der Tipp des Autoglas-Experten: „Am besten sprüht man die Scheibe einmal mit dem Enteiserspray ein, betätigt kurz die Scheibenwischer und sprüht die Scheibe dann noch ein weiteres Mal ein.“ Doch was tun, wenn man gerade kein Enteiserspray zur Hand hat? Es gibt noch weitere Möglichkeiten.

Heißes Wasser auf zu geeiste Autoscheiben: „Knackt sofort weg“

Eine vermeintliche Alternative, von der Udo Gutjahr auf jeden Fall abrät: Heißes Wasser über die zugefrorene Scheibe kippen. Ja, auf diese Idee scheinen einige Leute tatsächlich zu kommen. Hier gilt: niemals nachmachen.

„Wenn Sie heißes Wasser über die zugefrorene Scheibe kippen, können Sie sich direkt eine neue Scheibe kaufen. Die knackt sofort weg“, sagt Gutjahr. Die Autoscheiben verkraften schlichtweg den großen Temperaturunterschied nicht. „Heißes Wasser darf man also auf keinen Fall benutzen. Es sei denn, Sie wollen den Autoglaser glücklich machen...“, sagt er. Die Scheibe wäre zwar eisfrei, man bräuchte aber auch eine neue.

Eine weitere Möglichkeit, die man nicht in Betracht ziehen sollte: Die vereisten Scheiben bei laufendem Motor mit Hilfe der Heizung freipusten. Das ist nicht nur umweltschädlich, teuer und schadet dem Motor – obendrein ist es auch noch verboten, und es droht ein Bußgeld von bis zu 80 Euro.

Autos müssen vor Fahrtbeginn vom Eis befreit werden – „Guckloch“ reicht nicht

Achtung: Auch ein kleines Guckloch reicht nicht aus. Die Autoscheiben müssen vor Fahrtantritt immer restlos vom Eis befreit werden. Am besten ist es dann natürlich, wenn man die Scheiben gar nicht erst zufrieren lässt. Manchmal hilft es schon, wenn man sein Auto bei Minusgraden am Abend zuvor in der Nähe eines Hauses oder windgeschützt abstellt. Meistens reicht das aber nicht.

Sogenannte Thermo-Scheiben-Abdeckungen, also Matten aus isolierendem Material für die Frontscheibe, helfen da schon recht gut. Der Nachteil: Auch sie muss man schon, ähnlich wie das Hausmittel Essig, auf die Scheibe legen, bevor sie vereist ist. Ein weiterer Nachteil: Würde man die vereiste Frontscheibenabdeckung später im Auto lagern, könnte sie für Feuchtigkeit im Innenraum sorgen. Als Folge würden die Scheiben auch von innen gefrieren. Man hätte das Problem also nur verlagert.

Das Thema Autoscheiben und Eis, es bleibt kompliziert. Glücklich schätzen kann sich dieser Tage daher jeder Garagenbesitzer. „Etwas Besseres gibt es nicht, um Scheiben vor Eis zu schützen. Darüber müssen wir gar nicht reden“, sagt Gutjahr. Dann dürfte man es auch im Winter immer pünktlich zur Arbeit schaffen.

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