Mehrere Produkte betroffen

Europaweiter Eis-Rückruf: Endlich reagieren auch deutsche Supermärkte

Der Lebensmittelhersteller Mars nimmt gleich mehrere Eis-Sorten aus dem Handel. Grund für den Rückruf: eine mögliche Verunreinigung.

Update, Dienstag (10. August), 21.20 Uhr: Dortmund – Jetzt also doch: Der Lebensmittelhersteller Mars nimmt sein möglicherweise mit Ethylenoxid belastetes Eis nun auch in Deutschland vom Markt. Das berichtet Produktwarungen.eu. Von dem Rückruf betroffen sind gleich mehrere Sorten.

SüßwarenherstellerMars Deutschland
SitzVerden
Gründung1959

Rückruf von Eis: Mars nimmt mehrere Eiscreme-Riegel wegen Ethylenoxid vom Markt

Betroffen sein sollen mehrere Eiscreme-Riegel diverser Chargen und Mindesthaltbarkeitsdaten des Herstellers mit Sitz in den USA. Dazu gehören unter anderem:

  • Snickers Ice Cream Bar
  • Snickers White Ice
  • Bounty Ice Cream Bar
  • Twix Ice Cream Bar
  • M&M‘S Choco Ice Cream Stick
  • M&M‘S Peanut Ice Cream

Wichtig dabei: Es ist nicht schädlich, das Eis zu verzehren. Dennoch können die Produkte laut des Rückrufs minimale Mengen von Ethylenoxid enthalten. Welche Chargen und MHD genau betroffen sind, hat Produktwarnungen.eu aufgelistet.

Rückruf von Eis in mehreren EU-Ländern: Verkauf in Deutschland geht einfach weiter

Erstmeldung, Samstag (7. August), 15 Uhr: In Deutschlands Supermärkte soll aktuell Eis verkauft werden, in dem das als krebserregende Gas Ethylenoxid (ETO) vermutet wird. Die Eiscreme-Produkte wurden in den vergangenen Tagen und Wochen in mehreren europäischen Ländern zurückgerufen. In Deutschland blieb ein öffentlicher Rückruf bislang aus.

Der Verein Foodwatch, der sich im Bereich Lebensmittel für die Rechte von Verbrauchern und Verbraucherinnen einsetzt, habe jetzt herausgefunden, dass das betroffene Eisprodukt weiterhin in deutschen Supermärkten zu finden ist.

Bei dem Eis, das Ethylenoxid in einer Menge enthalten soll, die nach EU-Recht nicht zulässig ist, handelt es sich um mehrere Sorten des großen Lebensmittelherstellers Mars. Bereits im Juli hatte der Konzern wegen der vermutlichen ETO-Verunreinigung in Ländern wie Schweden, Rumänien oder Österreich Produkte öffentlich zurückgerufen (weitere aktuelle Rückrufe bei RUHR24 finden).

Zusätzlich hat Mars hat derzeit mit einem weiteren Produktrückruf zu kämpfen. In einem beliebten Artikel, der auch im deutschen Handel vertrieben wird, habe man „gentechnisch veränderten Organismen“ (GVO) in einer der Zutaten entdeckt, teilte der Konzern mit.

In Österreich informierte Mars Austria am 20. Juli über den Rückruf gleich mehrerer Eisprodukte. Verbraucher wurden aufgrund des Ethylenoxidgehalts dazu angehalten Eis der Sorten Snickers, Snickers Crisp sowie Bounty nicht mehr zu verzehren, wie das Portal produktwarnung.eu berichtete.

Eis von Mars in deutschen Supermärkten – Produkte sollen verunreinigt sein

Nun will die Verbraucherorganisation Foodwatch herausgefunden haben, dass das in anderen EU-Ländern zurückgerufene Eis, in deutschen Supermärkten nach wie vor verkauft wird. Folgende Produkt von Mars werden in den Foodwatch-Recherchen genannt:

  • Snickers Ice Cream
    EAN Code: 5000159344074
    MHD 03/2023
    Chargen 116E3DOE02 und 116D3DOE02
  • Snickers Ice Cream
    EAN Code: 5000159344074
    MHD 03/2023
    Charge 117B1DOE02

Diese Eis-Sorten sollen sowohl in Schweden als auch in Rumänien Teil der Rückrufaktion sein. Außerdem habe Mars Austria gegenüber Foodwatch bestätigt, dass die in Deutschland vertriebenen Eis-Produkte auch in Österreich zurückgerufen wurden.

Bislang kein Eis-Rückruf in Deutschland – aber Mars bestätigt krebserregendes Ethylenoxid

In einer Stellungnahme soll sich Mars nun zu den Vorwürfen geäußert haben. Demnach habe der Konzern bestätigt, dass auch die Eisprodukte in Deutschland das krebserregende Ethylenoxid enthalten sollen. Der Süßwarenkonzern habe „die lokalen Behörden informiert“, aber „schlussendlich für Deutschland entschieden, die Produkte nicht aus dem Verkauf zu nehmen“, da der Verzehr „nicht schädlich“ sei.

Diese Behauptung stehe jedoch im Widerspruch zur Einigung der EU-Staaten von Anfang Juni 2021. Demnach könne „keine sichere Aufnahmemenge“ von Ethylenoxid in Lebensmitteln festgelegt werden. Auch kleinste Mengen könnten bereits ein Risiko für die Gesundheit von Verbrauchern und Verbraucherinnen darstellen.

Deutschland: immer wieder Rückrufe im Zusammenhang mit Ethylenoxid

„Krebserregende Stoffe haben in unserem Essen nichts verloren. Es ist inakzeptabel, dass Mars die Menschen in anderen Ländern besser schützt als in Deutschland. Mars schuldet der Öffentlichkeit eine Erklärung, weshalb die Produkte in Deutschland nicht schon längst zurückgerufen wurden“, sagte Oliver Huizinga, Kampagnendirektor bei Foodwatch.

Das Gas Ethylenoxid wird von dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als krebserregend und erbgutschädigend eingestuft. Rückstände in Lebensmitteln seien grundsätzlich „unerwünscht“. In den vergangenen Wochen und Monaten gab es viele Rückrufe im Zusammenhang mit Sesam. Ein Hersteller hatte eine Warnung wegen Ethylenoxid-Verdacht in mehreren Grissini-Produkten veröffentlicht.

Anfang Juni hat sich jedoch herausgestellt, dass der vielfach eingesetzte Zusatzstoff Johannisbrotkernmehl (E410) ebenfalls häufig mit Ethylexnonid verunreinigt ist. Die EU einigte sich deshalb darauf, dass alle Lebensmittel öffentlich zurückgerufen werden müssen, die mit Ethylenoxid belastetes E410 enthalten. Den Angaben zufolge sollen die Eissorten von Mars eben diesen belasteten Stoff enthalten.

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender/AFP; Collage: RUHR24

Mehr zum Thema