Aktuelle Pläne

Einkaufen in der EU: Auf Supermarkt-Kunden kommt große Änderung zu

Beim Einkaufen von Lebensmitteln kommt in Supermärkten und Discountern offenbar bald eine große Änderung auf uns zu. Die EU hat bereits entsprechende Pläne vorgelegt.

Deutschland – Jährlich werden nach Angaben des Europäischen Parlaments EU-weit mehr als 80 Millionen Tonnen an Lebensmitteln weggeworfen. Dem möchte die EU jetzt entgegenwirken – und plant eine Gesetzesänderung, die den Kauf von Lebensmitteln betrifft (weitere News zu Supermärkten und Discountern bei RUHR24).

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)oberste Bundesbehörde
HauptsitzBonn
Bediensteteca. 900

EU plant Änderung beim Einkaufen – Lebensmittel-Kennzeichnung wird überarbeitet

Zwar zählt Deutschland nicht zu den größten Sündern, aber auch hierzulande landet laut Verbraucherzentrale mit rund 75 Kilogramm pro Kopf noch zu viel Genießbares im Müll.

Der konkrete Plan der EU, um dem entgegenzuwirken: Das bereits seit Jahren umstrittene Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) soll abgeschafft werden. Denn die Kennzeichnung sorgt immer noch regelmäßig dafür, dass Ware zu früh weggeworfen wird.

Soll EU-weit überarbeitet werden – das Mindesthaltbarkeitsdatum. (Symbolbild)

Aldi, Lidl und Co.: Umstrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) verursacht „Food Waste“

Auch wenn viele Verbraucher wissen, dass es sich beim MHD eigentlich nicht um ein Wegwerfdatum handelt, landen Lebensmittel nach Ablauf des angegebenen Datums allzu oft im Müll. Viele Verbraucher haben einfach ein mulmiges Gefühl dabei, Joghurt, Käse oder Ähnliches nach Überschreitung des Datums noch zu verzehren. Auch die Unterscheidung zwischen MHD und Verbrauchsdatum sorgt dabei immer noch für Verwirrung und trägt laut EU maßgeblich zum Food Waste bei.

Grundsätzlich werden laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz nach aktuellem Stand diese Kennzeichnungen unterschieden:

  • Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD): Nach Ablauf dieses Datums sind Lebensmittel nicht automatisch verdorben. Bei richtiger Lagerung sind die Lebensmittel in der Regel auch danach noch zum Verzehr geeignet.
  • Das Verbrauchsdatum: Dieses gilt für leicht verderbliche Lebensmittel wie zum Beispiel Hackfleisch, die nach Ablauf des angegebenen Datums ein Gesundheitsrisiko darstellen können. Lebensmittel, deren Verbrauchsdatum abgelaufen ist, sollten also nicht mehr gegessen werden. Erkennbar ist das Verbrauchsdatum an dem Hinweis „verbrauchen bis“.
  • Kein Datum: nicht gekennzeichnet sind viele lose Lebensmittel, wie beispielsweise unverpacktes Brot, Obst oder Gemüse.

Diese Einteilung soll nach den Plänen der EU bald komplett überarbeitet werden – und zwar bis spätestens Ende 2022. Kunden müssen sich im Supermarkt also auf ganz neue Kennzeichnungen einstellen.

Abschaffung des MHD soll Food Waste bekämpfen – das sind die konkreten Ideen

Die EU hat ihre Ideen dazu im Rahmen ihrer Farm-to-Fork-Strategie veröffentlicht. Diese zielt darauf ab, die Lebensmittelindustrie in der EU nachhaltiger zu gestalten, wozu eben auch gehört, dass noch genießbare Ware nicht verschwendet wird. Mehr noch: Die EU sieht das Vermeiden von Verschwendung als „Schlüssel zum Erreichen von mehr Nachhaltigkeit“.

Wie die neue Kennzeichnung aussehen soll, wird derzeit noch erörtert. Erklärtes Ziel ist es dabei, sie bis Ende 2022 vorzustellen. Bislang wurden die folgenden Ideen von der EU-Kommission präsentiert (das Handelsblatt hatte als Erstes darüber berichtet):

  • Option 1: Ähnlich wie bei Obst oder Gemüse wird das MHD auch für sehr lange haltbare Ware wie Nudeln oder Reis komplett abgeschafft.
  • Option 2: Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird komplett abgeschafft – es bliebe dann nur noch das Verbrauchsdatum bei leicht verderblichen Lebensmitteln.
  • Option 3: Mindesthaltbarkeitsdatum sowie Verbrauchsdatum werden durch ganz andere Begriffe und/oder Zeichen ersetzt. Insbesondere wird hier eine verbraucherfreundlichere optische Umsetzung anvisiert – so könnten nach den Ideen der EU beispielsweise Stoppschilder oder die Farben Rot und Grün für eine einfachere Kennzeichnung sorgen. Ein weiterer Vorschlag ist es, beim Mindesthaltbarkeitsdatum ein „often good after“ (meistens danach noch zum Verzehr geeignet) zu ergänzen.

Änderung bei der Lebensmittel-Kennzeichnung im Supermarkt – Erfolg bleibt fraglich

Für welche Variante sich die Experten auch entscheiden: Verbraucher werden sich in Deutschland bald auf andere Kennzeichnungen einstellen müssen. Wer Food Waste vermeiden will, kann übrigens auch auf ein paar Tricks zurückgreifen.

Ob die Neuregelungen allerdings den gewünschten Effekt bringen, bleibt abzuwarten. Laut einer Studie der GfK SE (Gesellschaft für Konsumforschung) im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) verstehen zwar viele Verbraucher das MHD falsch – allerdings sind es Obst und Gemüse, die am häufigsten weggeworfen werden.

Bei rund 35 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel in deutschen Haushalten handelt es sich demnach um frisches Obst und Gemüse, weitere 14 Prozent fallen auf Brot und Backwaren. Das Problem: Bei beiden Lebensmittel-Arten gibt es zumeist (wenn sie unverpackt sind) ja gar kein Mindesthaltbarkeitsdatum.

Rubriklistenbild: © Koen van Weel/ANP/picture alliance

Mehr zum Thema