Änderung in Supermärkten

Warum die Kassenbons bei Edeka und Netto neuerdings blau sind

Die Kassenbons bei Edeka und Netto sind ab sofort blau, die weißen sind ein Relikt alter Tage.
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Die Kassenbons bei Edeka und Netto sind ab sofort blau, die weißen sind ein Relikt alter Tage.

Bei Netto, Edeka und Alnatura bekommen Kunden neuerdings einen blauen Kassenbon. Die Gründe dafür sind nicht optischer Natur.

  • Edeka, Netto und einige Biomärkte geben neuerdings blaue Kassenbons heraus.
  • Sie besitzen mehrere Vorteile gegenüber den herkömmlichen weißen Belegen.
  • Ein bisweilen beliebter Fehler kann so in Zukunft nicht mehr begangen werden.

Hamburg – Wer dieser Tage bei Edeka oder Netto einkaufen geht, erlebt sein "blaues Wunder". Die Kassenbons, die die beiden Supermärkte und einige Biomärkte herausgeben, sind blau statt weiß. Was steckt dahinter?

Unternehmen

Edeka

Zentrale

Hamburg

Umsatz

59,2 Milliarden USD (2017)

Gründung

1898, Berlin

CEO

Markus Mosa

Edeka und Netto setzen auf blaue Kassenbons – auch wegen der Bonpflicht

Am 1. Januar 2020 wurde die Kassensicherungsverordnung in Deutschland um die viel zitierte und bis heute viel diskutierte "Belegausgabepflicht" (Bonpflicht) erweitert. Für jeden "Geschäftsvorfall", so heißt es dort in feinstem Juristendeutsch, ist dem Kunden in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang ein Beleg zur Verfügung zu stellen.

Das Ziel dahinter: Indem jeder einzelne Verkauf in die Kasse eingegeben werden muss, soll Steuerbetrug verhindert werden. Der Preis, der dafür gezahlt wird, ist allerdings hoch. Denn die neuen Papiermengen sind nicht unproblematisch – mit Blick auf die Umwelt und die Gesundheit.

Blaue Kassenbons bei Edeka und Netto: Umweltfreundlicher und weniger gesundheitsschädlich

Herkömmliche Kassenbons bestehen aus einem weißen Thermopapier. Um darauf die Schrift erkennbar zu machen, haben Hersteller die Chemikalie Bisphenol A, kurz BPA, beigemischt. Das Problem: BPA gilt als hormoneller Schadstoff. Die östrogen-ähnliche Wirkung kann den Hormonhaushalt verändern.

Die EU stufte Bisphenol A als "besonders besorgniserregend" ein. Die Chemikalie könne Übergewicht und Diabetes fördern, bei Frauen die Fruchtbarkeit beeinflussen und mitunter sogar Mitauslöser mancher Krebsarten sein. In Kassenbons ist BPA deshalb seit Januar 2020 verboten.

Nach dem blauen Kassenbon ist ein digitaler Beleg der nächste Schritt auf dem Weg zur umweltfreundlichen Quittung.

Die Hersteller reagierten darauf allerdings mehr schlecht als recht. Statt BPA nutzten sie zur Herstellung fortan Bisphenol S. Allerdings zeigt auch diese Chemikalie hormonähnliche Wirkungen, klärt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auf. Nicht zuletzt deshalb setzen Edeka und Netto auf die blauen Kassenbons.

Blaue Kassenbons bei Edeka und Netto: Unempfindlicher, recyclebar und weniger gesundheitsschädlich

Das blaue Thermopapier kommt gänzlich ohne die gesundheitsschädlichen Bisphenole aus. Die Schrift auf dem Beleg wird nicht länger durch chemische, sondern durch physikalische Reaktionen sichtbar gemacht. Der blaue Kassenbon besticht aber nicht nur wegen der geringeren Gefahr für die Gesundheit von Kunden und Mitarbeitern hinter der Kasse (alle Service-Artikel auf RUHR24).

Anders als das weiße Pendant kann der blaue Kassenbon direkt mit den gekauften Lebensmitteln zusammen aufbewahrt werden. Er ist außerdem weniger empfindlich gegenüber Feuchtigkeit oder Licht.

Video: Einen, den man essen kann: Zuckersüßer Protest gegen Bonpflicht

Auch die Umwelt und Freunde der Mülltrennung dürfen sich freuen. Denn der blaue Kassenbon von Edeka und Netto ist recyclebar und kann nach dem Einkauf ohne Probleme im Altpapier entsorgt werden.

Weiße Kassenbons gehören nicht ins Altpapier - die blauen bei Edeka und Netto aber schon

Das haben viele Kunden bisweilen auch fälschlicherweise mit den herkömmlichen weißen Belegen gemacht. Tatsächlich gehören diese wegen der angesprochenen enthaltenen Chemikalien in den Restmüll.

Noch umweltfreundlicher wäre wohl eine digitale Ausgabe der Kassenbons, beispielsweise per App. Erlaubt wäre das. Die Kassensicherungsverordnung sieht nicht vor, dass ein Bon unbedingt ausgedruckt und in Papierform ausgehändigt werden muss. Allerdings ist eine elektronische Belegerteilung sehr aufwendig. Der blaue Kassenbon scheint fürs Erste der richtige Schritt in die richtige Richtung zu sein.