Leere Regale

Lidl, Aldi und Edeka: Hitze sorgt für Engpass bei nächstem Lebensmittel

Eine schwere Dürre in der norditalienischen Po-Ebene bereitet den dortigen Landwirten Sorgen. Die Folgen könnten auch deutsche Verbraucher spüren.

NRW – Ob zu Spaghetti Bolognese, zu einem Caesar‘s Salad oder auf ein Gnocchi-Gericht – Parmesan darf bei vielen Käsefreunden nicht fehlen, wenn es um den kulinarischen Genuss sommerlicher Gerichte geht. Doch wie RUHR24 weiß, könnte die beliebte Käsespezialität womöglich bald schon aus den Regalen von Supermärkten und Discountern wie Aldi, Lidl oder Edeka verschwinden oder zumindest deutlich teurer werden.

Po (lat. Padus)Fluss in Norditalien
Länge652 km (längster Fluss des Landes)
QuelleCottische Alpen
MundAdriatisches Meer

Dürre-Krise: Draghi-Kabinett ruft Notstand für norditalienische Po-Region aus

Laut übereinstimmenden Medienberichten grassiert in Norditalien die schwerste Dürre seit 70 Jahren. CNN zufolge weist der Fluss Po, der Norditalien von den Cottischen Alpen bis zur Adria durchkreuzt, einen besorgniserregenden Tiefststand auf. Ursächlich dafür sind sowohl der ungewöhnlich trockene Winter, der nur zu geringer Schneeschmelze in den Alpen geführt als auch der trockene Frühling, der nur sporadische Niederschläge mit sich gebracht hat.

Wie die ARD berichtet, hat die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi bereits reagiert und den Notstand für die norditalienischen Regionen Emilia-Romagna, Friaul-Julisch Venetien, Lombardei, Piemont und Venetien bis zum Ende des Jahres ausgerufen. So könne die Rationierung von Trinkwasser, von der die Menschen der Po-Ebene bereits betroffen sind, unbürokratischer und damit schneller angeordnet werden.

Dürre-Krise: Landwirte der norditalienischen Po-Region leiden unter Wassermangel

Vom Wasser des längsten italienischen Flusses sind die Städte und auch die Industrie der Region abhängig, beispielsweise bei der Gewinnung von Wasserkraft, dem Transportwesen oder der Bewässerung. Die norditalienischen Landwirte der Po-Ebene sehen unter anderem die Parmesan-Produktion bedroht und schlagen nun Alarm.

Im nahegelegenen Konsortium, wo der berühmte Parmigiano Reggiano hergestellt wird, musste die Produktion laut der Augsburger Allgemeinen bereits deutlich heruntergefahren werden, da weniger Milch ankomme, „die den Qualitätsstandards entspricht.“

Dürre-Krise: Verdorrte Felder bedrohen Rinderversorgung und damit die Milchproduktion

Um dies jedoch zu gewährleisten, müssen die Kühe der norditalienischen Bauern, darunter die 300 friesischen Rinder von Simone Minellis Milchviehbetrieb bei Mantua, mit Wasser versorgt werden. Wenn der Landwirt am Ende des Tages 30 Liter Milch anliefern will, brauchen seine Tiere täglich 100 bis 150 Liter Wasser zum Trinken.

Bekommen die Tiere hingegen keine gewässerten Pflanzen zu fressen und nicht genug zu trinken, leidet darunter die Milchqualität. Laut Chip seien bereits einige von Simone Minellis Feldern verdorrt. Der Kauf von Futter für die Tiere gestalte sich ebenfalls als schwierig, da auch andere Bauern unter der Dürre leiden.

Dürre-Krise: Parmesan-Produktion erfordert hohe Milchqualität

Die für die Milchproduktion genutzten Rinder benötigen also dringend Wasser, damit ihre Milch den strengen Normen für die Parmesan-Produktion überhaupt gerecht werden kann – andernfalls gibt es kein Gütesiegel. Sofern die Tiere nicht ausreichend versorgt oder mit Wasser gegen Überhitzung gekühlt werden können, muss Minelli ihre Zahl wohl oder übel reduzieren. Dann wird er aber wiederum auch weniger Milch verkaufen können.

Parmesan-Käse könnte bei Handelsketten wie Aldi, Lidl oder Edeka knapp werden.

Das Ausmaß der Dürre wird beim Blick auf die Zahlen deutlich. Coldiretti, dem größten Bauernverband des Landes, zufolge, bedrohe die Dürre in der Po-Region insgesamt „mehr als 30 Prozent der landesweiten Agrarproduktion und die Hälfte der Viehzucht in der Po-Ebene“, berichtet Chip.

Dürre-Krise: Deutsche Parmesan-Liebhaber schauen womöglich bald schon in die Röhre

Ob die Krise deutsche Parmesan-Fans hart treffen wird, ist noch unklar. Neben möglicher Lücken in den Käsetheken von Aldi, Lidl und Edeka ist zukünftig ein Anstieg der Verkaufspreise, wie jüngst bei rund 50 Produkten des Lebensmitteleinzelhandels, durchaus denkbar.

Deutschland ist jedenfalls einer der größten Importeure von italienischem Parmesan, berichtet die Stuttgarter Zeitung unter Bezugnahme auf Zahlen vom Statistischen Bundesamt (Destatis). Die Bundesrepublik habe demzufolge im Jahr 2021 mehr als 41.000 Tonnen aus Italien importiert, darunter auch den hierzulande sehr beliebten Parmesan.

Rubriklistenbild: © Gottfried Czepluch/Imago; Debra L./Rothenberg/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24

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