Lohnt sich das?

Energiespar-Duschkopf kaufen: Für Maßnahme der Bundesregierung hagelt es Kritik

Sparen, wo es nur geht! So lautet aktuell das Motto. Die Bundesregierung hat einen kuriosen Tipp parat, wie das noch besser funktionieren soll.

Dortmund – Es sind durchaus brisante Zeiten, in denen sich Deutschland aktuell befindet. Der Russland-Ukraine-Krieg hat einiges in der Welt in Gang gesetzt. Unter anderem befindet sich Deutschland in einer Energiekrise: Man will sich vom großen Gas-Lieferanten Russland unabhängig machen. Doch das ist gar nicht so einfach. Bis dahin heißt der Kurs: Sparen. Und jetzt wirbt sogar die Bundesregierung für einen neuen Duschkopf.

ThemaEnergie sparen
LösungDuschkopfwechsel
LandDeutschland

Gaspreisumlage verabschiedet – jetzt sollen die Deutschen beim Duschen sparen

Bei dem Energiewechsel kommt es auf den Beitrag eines jeden an. Darauf hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) beim Startschuss der neuen Kampagne „80 Millionen gemeinsam für Energiewechsel“ hingewiesen. Erst kürzlich hatte er die Gasumlage verabschiedet und vehement verteidigt.

Gerade im Herbst würden viele Menschen deutlich höhere Heizrechnungen bekommen, als gewohnt, heißt es in einem Bericht der Bundesregierung. Wer auf hohe Kosten verzichten möchte, kann sein Kälteempfinden trainieren. Wem das aber zu aufwändig erscheint, kann auf einen Tipp der Bundesregierung setzen. Schließlich werben die Politiker, dass eine Energieersparnis von bis zu 30 Prozent möglich sei.

Spezial-Duschkopf als Energiesparer: Bundesregierung wirbt mit 30 Prozent Energieersparnis

Neben regelmäßigen Eisfach abtauen und die Umstellung auf LED-Beleuchtung, wirbt die Bundesregierung mit einem Wechsel des Duschkopfs. Ein sogenannter Energiespar-Duschkopf spare demnach bis zu 30 Prozent Energie für Warmwasser.

Laut einem Bericht der Verbraucherzentrale gehen rund 13 Prozent der Energiekosten eines Haushaltes für die Erwärmung von Wasser drauf – beispielsweise zum Duschen oder Kochen. Ein Sparduschkopf soll hingegen Energie sparen. Wie funktioniert jetzt solch ein Spezial-Brausekopf?

So viel kostet ein Energiespar-Duschkopf im Handel

Laut der Computerbild wird die Durchflussmenge an Wasser, die pro Minute durch den Duschkopf fließt, eingeschränkt. Trotzdem fließt das Wasser durch die Düsen mit hohem Druck. Bis zu 16 Liter pro Minute fließe durch einen handelsüblichen Duschkopf – bei den sparsamsten Duschköpfen sind es nur 5 bis 6 Liter in der Minute, heißt es weiter.

Müssen jetzt die Deutschen also nach gestiegenen Sprit- und Energiekosten erneut tief ins Portmonee greifen, um einen neuen Duschkopf zu bezahlen? Nicht wirklich: Einen sparsamen Duschkopf bekommt man bereits ab 15 bis 20 Euro.

Regierung wirbt für Energiespar-Duschkopf – doch es hagelt Kritik

Auch wenn ein Energiespar-Duschkopf durchaus eine Maßnahme für Privathaushalte ist, Energie und somit auch Geld zu sparen, gibt es für den Vorstoß der Bundesregierung Kritik. Die Deutsche Umwelthilfe prangert beispielsweise an, dass die „Energiespar-Kampagne von Robert Habeck eine Nebelkerze“ sei.

Die Bundesregierung ruft zum Wasser sparen auf und wirbt für einen Energiespar-Duschkopf.

Heißt: Anstatt große Verbraucher zur Kasse zu bitten oder auf Maßnahmen zu setzen, die wirklich viel Energie sparen – wie beispielsweise die Sanierung von Gebäuden – wird die Verantwortung wieder auf die Verbraucher abgewälzt. Dabei belegen Studien laut DUH, dass optimiertes Nutzerverhalten nur wenige Prozent einsparen.

Auch die Initiative „Hamburg Werbefrei“ ist mit Habecks Vorschlag nicht einverstanden. So werde der Energiespar-Duschkopf unter anderem auf großen digitalen Werbetafeln beworben – und gerade die verbrauchen viel Energie. „Solange riesige Werbetafeln Tag und Nacht Zehntausende Kilowattstunden verbrauchen, sind solche Appelle zynisch“, sagte Martin Weise, Vertrauensperson der Initiative gegenüber der Welt.

Die Regierung selbst weist die Kritik jedoch zurück und gibt an, dass aufgrund der Dringlichkeit des Themas die gesamte Bevölkerung möglichst schnell fürs Energiesparen sensibilisiert werden soll – da müssen eben auch digitale Werbetafeln zum Einsatz kommen. Ob ein Energiespar-Duschkopf nun also beim bundesweiten Spar-Konzept wirklich einen großen Beitrag leistet, bleibt dahin gestellt. Im Geldbeutel des einzelnen Verbrauchers dürfte sich die Maßnahme jedoch bemerkbar machen.

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago

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