Impfziel nicht erreicht

Drosten mit hartem Urteil: Deutschland drohen harte Impf-Konsequenzen

Der Virologe Christian Drosten ist sich sicher, dass neue Corona-Beschränkungen notwendig sind. Führende Politiker hatten einen Lockdown für Geimpfte zuletzt ausgeschlossen.

Deutschland – Der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité zeigte sich in der aktuellen Folge des Podcasts „Das Corona-Update“ von NDR Info pessimistisch, was den derzeitigen Impffortschritt in Deutschland angeht. Christian Drosten geht davon aus, dass die Politik um erneute Beschränkungen nicht herumkommt (weitere News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeHusten, Fieber, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Christian Drosten: Impfquoten in Deutschland reichen nicht

Der Virologe ist sichtlich enttäuscht über die erreichte Impfquote in Deutschland: „Ich hatte wirklich gedacht, wir kommen mit einer hohen Impfquote aus der Sommerpause und können dann in ein paar Podcast-Folgen feiern, wie gut wir das alles in Deutschland hingekriegt haben“, bemängelt er.

Denn eigentlich könne man „diese Pandemie wegimpfen“, so der Virologe weiter. Allerdings seien die dafür erforderlichen Impfquoten aktuell nichts als „Utopie“. Es sei „leider nicht gelungen“, diese zu erzielen. Nach einer Modellierung des Robert Koch-Institut (RKI) aus Juli müssten mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft sein, um die vierte Welle abzumildern.

Drosten: „Gleichgültigkeit“ in Deutschland bedingt geringe Impfquote

Ein Grund für die Verfehlung des Impfziels sei, so Drosten, eine gewisse „Gleichgültigkeit“ in der Gesellschaft, da hierzulande Schreckensszenarien wie beispielsweise in Portugal oder Spanien bislang ausgeblieben seien.

Zwar gebe es eine „grundsätzliche Offenheit“ und nur wenige würden „verrückte Geschichten“ glauben. Er glaube aber nicht, dass die Politik über Ansprache der Bevölkerung mit der Impfquote noch viel weiter komme.

Virologe mit pessimistischer Corona-Prognose: „Mit Sicherheit neue Maßnahmen“

„Aus dem dummen Grund, dass wir die erforderliche Impfquote nicht erreicht haben“, sieht Christian Drosten die aktuelle Corona-Lage in Deutschland auch kritisch. Auf die Frage, ob damit auch ein erneuter Lockdown notwendig sei, erklärte der Virologe: „Wir werden im kommenden Herbst mit Sicherheit solche Maßnahmen brauchen.“

Christian Drosten bemängelt eine gewisse „Gleichgültigkeit“ in Deutschland.

Er gehe davon aus, dass „die Politik eine schwere Aufgabe“ vor sich habe – und bald auch „schwere Entscheidungen treffen“ müsse. Den Begriff Lockdown vermied Drosten dabei. Denn einen „echten Lockdown“ habe es bislang nur in Ländern wie Spanien gegeben, nicht aber in Deutschland.

Ob es tatsächlich noch einmal neue, verschärfte Corona-Maßnahmen geben wird, bleibt fraglich. Führende Politiker wie Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatten sich zuvor gegen erneute Beschränkungen für Geimpfte ausgesprochen. Auch Unionskanzlerkandidat Armin Laschet sowie sein Kontrahent Olaf Scholz (SPD) halten einen weiteren Lockdown ausgeschlossen.

Christian Drosten: Neue Corona-Situation durch Delta-Variante

Auch von einer erneuten starken Belastung der Krankenhäuser geht Christian Drosten aus. Bei der Intensivbettenbelegung werde in dieser vierten Welle insbesondere ein Faktor sein, dass auch mehr Jüngere auf die Intensivstation kommen, die „den Kampf besonders lange durchhalten“ – weshalb Betten länger belegt seien.

Die Delta-Variante trägt laut Christian Drosten ebenfalls zu seiner pessimistischen Einschätzung der Lage bei. Unter Berufung auf eine britische Studie, die an 43.000 Krankenhäusern durchgeführt wurde, erklärte Drosten, dass diese Virus-Variante zu mehr Krankenhauseinweisungen führe als die Alpha-Variante.

Rubriklistenbild: © Wolfgang Kumm/dpa

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