Auffrischung nötig?

Dritte Impfung gegen Corona: Virologe Drosten überrascht mit Einschätzung

Ab September sollen die ersten bereits eine Auffrischimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Doch wie sinnvoll oder notwendig ist das? Virologe Drosten ist geteilter Meinung.

Dortmund/Berlin – Seit Anfang August ist klar: Ab September kommt die dritte Impfung gegen das Coronavirus. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin, hält das jedoch nur bedingt für sinnvoll, wie er jüngst in einer Aussage verlauten lässt.

Dritte Corona-Impfung ab September: Drosten zeigt sich skeptisch

Die Gesundheitsminister der Länder haben beschlossen, dass im Herbst Ältere, Pflegebedürftige und Menschen mit Immunschwäche eine Auffrischimpfung bekommen sollen. Aber auch Personen, die zwei Dosen Astrazeneca oder eine Spritze Johnson & Johnson im Zuge der ersten Impfwelle bekommen haben, können ihre Immunisierung gegen das Coronavirus auffrischen lassen.

Christian Drosten geht jedoch davon aus, dass das für die meisten Geimpften nicht nötig sein wird. „Die Schutzwirkung der Corona-Vakzinen ist viel besser als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen“, sagte der Virologe gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Auch das baldige Aufkommen einer neuen Virusvariante, die gegen die verfügbaren Impfstoffe resistent ist, erwartet er nicht.

Drosten hält Corona-Auffrischimpfung bei den meisten für unnötig

Für Drosten ist es im Hinblick auf die Delta-Variante essenzieller, dass sich noch möglichst viele Menschen überhaupt impfen lassen. Er warnt auch vor dem Trugschluss, dass wenn viele Menschen geimpft seien, man auch als Ungeimpfter einen gewissen Schutz habe. Denn auch Geimpfte können sich mit dem Erreger infizieren und ihn weitergeben, ohne möglicherweise überhaupt zu wissen, aktuell an Corona erkrankt zu sein. Die Symptome bei geimpften Personen zeigen sich in der Regel weniger deutlich.

Die Impfung sei aufgrund der Delta-Variante somit keine primäre Frage des Gemeinschaftsschutzes. Es gehe jetzt vielmehr darum, sich selbst zu schützen, so Drosten. Der Virologe geht davon aus, dass sie Menschen, die sich nicht impfen lassen, früher oder später an Covid-19 erkranken – „wer sich nicht impfen lässt, wird sich infizieren, und das vielleicht schon in diesem Winter.“

Dritte Corona-Impfung ab September für ältere Menschen und Risikopatienten

Für alte Menschen sowie für bestimmte Risikopatienten sei eine dritte Impfung aber doch sinnvoll, räumt der Virologe ein. „Nach einem halben Jahr geht das über die Impfung erworbene Antikörper-Level vor allem bei sehr alten Menschen deutlich runter“, erklärt er. Deshalb ist eine Auffrischung in besonderen Umfeldern denkbar, so zum Beispiel in Seniorenheimen.

Christian Drosten hält eine Auffrischimpfung bei gesunden Menschen für unnötig.

Für die übrige Bevölkerung und vor allem für gesunde Menschen sei das noch nicht nötig. Er geht davon aus, dass irgendwann ein Altersniveau definiert wird, ab dem eine Auffrischungsimpfung sinnvoll werde. Dem schließt sich die Chef-Wissenschaftlerin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Soumya Swaminathan, an.

Drosten und WHO kritisieren Pläne für Auffrischimpfung bei gesunden Menschen

Sie kritisiert die Pläne für Auffrischimpfungen bei gesunden Menschen. Bislang sei noch nicht einmal klar, ob sie nötig seien. Zudem würden Millionen Menschen weltweit noch auf eine erste Impfung warten, sagte sie am Mittwoch (18. August) in Genf. Der WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan meinte dazu, Menschen eine Auffrischimpfung anzubieten sei so, als gebe man Menschen mit Rettungswesten noch eine weitere Weste dazu, während Millionen andere ohne jeglichen Schutz bleiben müssten.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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