Drogeriemärkte

Führen Dm und Rossmann Kunden hinters Licht? Verfahren gegen Drogerien

Versprechen Drogeriemärkte wie Dm und Rossmann zu viel? So lautet zumindest der aktuelle Vorwurf der Umwelthilfe.

Hannover – Viele Unternehmen bezeichnen ihre Produkte zunehmend als „klimaneutral“ oder „klimafreundlich“. Doch halten sie sich auch an ihre eigenen Worte? Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat nun rechtliche Verfahren gegen mehrere große Unternehmen eingeleitet – wegen „irreführender Werbeversprechen“, in denen Verbraucher „getäuscht“ würden. Auch Dm und Rossmann sind betroffen.

OrganisationDeutsche Umwelthilfe
Gründung1975
SitzHannover

Dm und Rossmann im Visier: Deutsche Umwelthilfe geht juristisch gegen die Drogerien vor

Die DUH geht juristisch gegen mehrere Unternehmen und deren Werbungen vor, in denen behauptet werde, ihre Produkte – darunter etwa Flugreisen, Kraftstoffe, Lebensmittel oder Kosmetik – seien „klimaneutral“. Zu den betroffenen Firmen gehören unter anderem die Tankstellen- und Drogerie-Riesen Shell, Dm und Rossmann.

Der Verband wirft ihnen und sechs weiteren Unternehmen „Verbrauchertäuschung“ vor. Das ist einer Pressemitteilung der Organisation mit Sitz in Hannover zu entnehmen. Diese Unternehmen sind noch betroffen:

  • Beiersdorf AG
  • BP Europa SE
  • Dm-Drogeriemarkt GmbH + CO. KG
  • Green Airlines GmbH
  • The Mother Nature GmbH
  • Dirk Rossmann GmbH
  • Shell Deutschland GmbH
  • TotalEnergies Wärme & Kraftstoff Deutschland GmbH

„Klimaneutralität“ als Werbung: Dm und Rossmann werden angezeigt

Aus Sicht von Anwalt Remo Klinger, der auf Umweltrecht spezialisiert ist, müssten die Unternehmen Klima- und Umweltschutz auch belegen, wenn damit geworben wird. Vor allem der Begriff der „Klimaneutralität“ werde auf irreführende Weise benutzt, heißt es. Erst vor kurzem hat Dm ein Produkt aus dem Sortiment genommen – allerdings aus einem anderen Grund.

Die Unternehmen würden oftmals verschweigen, „wie sie die angebliche CO2-Kompensation erbringen“ oder auf Kompensationsprojekte verweisen, in die meist nur wenig Geld fließe. CO2-Emissionen würden die Konzerne jedoch „kaum einsparen“. Die Informationen zu Zahlungen und Projekten mit einem positiven Effekt für das Klima seien für Verbraucher entweder nicht nachvollziehbar oder gar nicht erst erhältlich.

Umwelthilfe zeigt Rossmann und Dm an: Belege von Drogeriemärkten gefordert

Klinger hält das Modell der Kompensation für „absurd“. Das zeige auch ein Beispiel: „Statt mühsam und teuer die Emissionen Deutschlands tatsächlich zu senken, müsste der Bundesfinanzminister lediglich 19 Milliarden Euro im Jahr zahlen, damit Deutschland laut dieses Ablasshandels auf dem Papier ab sofort klimaneutral ist“ – deutlich weniger als der Jahresgewinn von BMW, VW und Daimler, führt der Umwelt-Anwalt aus. Dabei würde Deutschland die Klimakrise nur weiter anheizen, meint er.

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Rescher behauptet mit Hinblick auf den „CO2-Ablasshandel“, dass sich diese Unternehmen „grün waschen“ würden. Denn je mehr „klimaneutrale“ Flugreisen stattfinden, desto besser werde das Klim laut den Unternehmen geschützt, doch „natürlich ist das Gegenteil der Fall“.

Die Deutsche Umwelthilfe verklagt den Drogerie-Riesen Dm und weitere Unternehmen. (Archivfoto)

Falsche Versprechen bei Rossmann und Dm? Verbraucherzentrale warne bereits

Die DUH habe nun „acht Unternehmen aufgefordert, bestimmte Werbeaussagen zu unterlassen“, sagt Agnes Sauter, Leiterin des Bereichs Ökologische Marktüberwachung. Echter Klimaschutz sei nur mit „ehrlichen Informationen“ für Verbraucher möglich. Man wolle „Schönfärberei mit vermeintlicher Klimaneutralität (...) konsequent einen Riegel vorschieben“. Bei Rechtverstößen würde man notfalls klagen, kündigt die Deutsche Umwelthilfe an.

Auch an anderer Stelle könnten Drogeriemärkte zu viele Versprechen machen. So hat die Verbraucherzentrale bereits vor einiger Zeit vor falschen Naturkosmetik-Siegeln gewarnt. Der Vorwurf: Viele der Logos sind gar nicht zertifiziert.

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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