Volle Ladung beim Einkaufen

Lidl beendet kostenlosen Parkplatz-Service: Änderung gilt ab sofort

Bisher konnten E-Autofahrer ihre Fahrzeuge beim Einkaufen vielerorts kostenlos laden. Bei Lidl und Kaufland ändert sich das – ein Trend ist erkennbar.

NRW – E-Autofahrer aufgepasst! Wer während der Einkaufstour bei Lidl bisher seinen Wagen an einer der rund 1.300 Ladesäulen vollgeladen hat, muss bald schon das Portmonee zücken. Denn mit Lidl und Kaufland kündigten die beiden Tochterkonzerne der Schwarz-Gruppe an, für das Laden an ihren Säulen zeitnah Gebühren zu erheben.

Lidlein international tätiges deutsches Discountunternehmen
Sitz Neckarsulm (Baden-Württemberg)
Gründung1932

Lidl und Kaufland fordern ab dem 12. September Gebühren an ihren E-Ladestationen

Als E-Autos noch als exotische Verkehrsteilnehmer für Aufsehen sorgten, lockten Einzelhändler die Besitzer mit kostenlosen Lademöglichkeiten auf den Kundenparkplätzen an. Doch nun, da laut der Allianzdirect rund 665.044 Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sind, wird dem kostenlosen Grünstrom ein Ende gesetzt.

Laut der Deutschen Presseagentur (DPA) sind die Zeiten, in denen E-Autofahrer ihre Fahrzeuge kostenlos an den dafür bereitgestellten Ladesäulen auf den Lidl-Parkplätzen aufladen konnten, bald schon vorbei. Demzufolge führe die Unternehmensgruppe ab dem 12. September „eine Gebühr für den getankten Grünstrom“ ein.

E-Autofahrer zahlen bei Lidl an der Ladestation bald schon mindestens 0,29 Euro pro kWh

Laut DPA werden bei den AC-Ladesäulen mit bis zu 43 Kilowatt Ladeleistung dann 0,29 Euro pro kWh anfallen, an den DC-Ladepunkten, an denen die Leistung bis zu 149 Kilowatt liegt, werden 0,48 Euro pro kWh fällig. An vereinzelten Standorten, an denen die Leistung gar bei 150 Kilowatt liegt, zahlen E-Auto-Besitzer 0,65 Euro je kWh.

In Zeiten explodierender Energiepreise setzen Lidl und Kaufland den kostenlosen Lademöglichkeiten vor den einzelnen Supermärkten und Discountern ein Ende, um den Ausbau weiterer Ladesäulen zu fördern. Die Einnahmen sollen laut DPA auch dafür genutzt werden, die Instandhaltung der aktuellen Ladestationen sicherzustellen.

Immer mehr E-Auto-Besitzer laden ihre Fahrzeuge an den Ladestationen von Supermärkten und Discountern

Angesichts der steigenden Nachfrage nach Lademöglichkeiten kommt dieser Schritt nicht überraschend. Schließlich seien im Jahr 2020 noch durchschnittlich vier E-Autos pro Tag an einer Lidl-Ladesäule aufgeladen worden. Bei Kaufland seien es täglich gar neun Elektrofahrzeuge gewesen, berichtet die DPA.

Im folgenden Jahr 2021 habe sich diese Zahl dann sogar verdoppelt. Und der Trend setzt sich unaufhaltsam fort: Denn mittlerweile verzeichnet die Schwarz-Gruppe bei der Discounter-Tochter Lidl rund 15 Aufladungen und bei Kaufland im Durchschnitt 20 Ladevorgänge je Station (mehr News zu Supermärkten und Discountern auf RUHR24).

Auch andere Einzelhändler wie Rewe und Aldi schaffen kostenlosen Ladeservice ab

Wer den Akku seines Elektroautos angesichts der angekündigten Ladepreise nun bei anderen Supermärkten und Discountern aufladen will, sollte sich keine falschen Hoffnungen machen. Schließlich zahlen E-Auto-Besitzer beispielsweise bei einem Rewe in Bamberg 35 Cent pro kWh.

Aldi Süd verlangt seit Kurzem an seinen Ladestationen eine Gebühr von 29 Cent an seinen normalen Ladesäulen und an Schnellladestationen 39 Cent pro kWh, berichtet der Stern. Wie auch Autobild berichtet, fordert Aldi Süd bereits seit dem 1. Juni „an jedem der tausend Ladepunkte Gebühren“. Die Zeiten kostenloser Lademöglichkeiten bei Supermärkten und Discountern scheinen in der aktuell angespannten Situation am Strommarkt endgültig vorbei zu sein.

Preis pro kWh steigt – sowohl an AC- als auch an DC-Ladesäulen müssen Kunden mehr bezahlen

Laut DPA unterstreichen die aktuellen Zahlen den Trend: Laut einer Umfrage des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI sei die Zahl der Händler, die von Ihren Kunden Gebühren an den Ladestationen verlangen, von 29 auf 42 Prozent gestiegen.

Immerhin böten rund 26 Prozent der Einzelhändler ihren Kunden den Strom zu einem vergünstigten Preis an. Zum Vergleich: Der Preis bei langsameren AC-Ladern habe sich beim Anbieter Allego laut „Efahrer.Chip“ seit dem 1. September von 43 Cent auf 47 Cent pro kWh erhöht. Bei den DC-Schnellladern mit einer Leistung von 50 kWh seien statt 65 Cent nun 70 Cent je kWh fällig. Auch andere Anbieter haben ihre Preise pro kWh deutlich erhöht.

Besitzer von E-Autos werden an den Lidl-Ladesäulen künftig zur Kasse gebeten.

Studie offenbart: „Trend weg vom kostenlosen Tanken im deutschen Handel“ setzt sich fort

Dass es nicht nur bei Lidl und Kaufland, sondern bald wohl auch schon bei der Handelskonkurrenz zu Gebühren kommen wird, erklärt Cathrin Klitzsch, EHI-Projektleiterin Elektromobilität. Der „Trend weg vom kostenlosen Tanken im deutschen Handel“ habe sich nach der Studie bereits „weiter fortgesetzt“.

Parallel dazu sei aber auch die Ladeleistung auf den Parkplätzen von Lidl, Aldi, Kaufland und Co. verbessert worden. Kundinnen und Kunden, die während des Einkaufens ihr E-Auto laden wollen, können also auch bei Kurzeinkäufen immer mehr Strom tanken.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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