Wetterphänomen

Gefährliches Wetterphänomen El Niño droht 2020 - Forscher warnen

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Dunkle Monsun-Wolken hängen über Teilen Sri Lankas. Der El Niño kann dort für massive Überflutungen sorgen. (Archivbild)

Das Wetterphänomen El Niño wird 2020 wieder auftreten, sagen Forscher vorher. Sie nutzen für ihre Vorhersage einen neuen Algorithmus, dessen Genauigkeit bei 80 Prozent liegt.

  • El Niño ist ein Wetterphänomen, das unregelmäßig auftritt.
  • Die Auswirkungen von El Niño sind in der Regel weltweit zu spüren.
  • Die Folgen von El Niño reichen von extremen Dürren bis hin zu heftigem Regenfall und Überschwemmungen.
  • Forscher haben einen neuen Algorithmus entwickelt, mit dem El Niño früher vorhergesagt werden kann.

El Niño ist ein Wetterphänomen, das unregelmäßig alle paar Jahre auftritt und Wetterbedingungen in aller Welt verändern kann. Ausgelöst wird es von wärmeren Wassertemperaturen im tropischen Pazifik: Sie verschieben die Luft- und Meeresströmungen - und können für verheerende Wetterereignisse sorgen. In der Folge entstehen beispielsweise Überflutungen in Südamerika, Dürren in Australien oder Missernten in Indien.

Konventionelle Vorhersage-Modelle können einen bevorstehenden El Niño nicht mehr als sechs Monate im Voraus verlässlich prognostizieren. Doch seit einiger Zeit haben Forscher aus Deutschland und Israel einen neuartigen Algorithmus im Einsatz, der El Niño bereits deutlich früher vorhersagen soll. Nach diesem Modell gehen die Forscher um den Physiker Prof. Dr. Armin Bunde von der Justus-Liebig-Universität in Gießen und den Klimaforscher Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, PIK) davon aus, dass 2020 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der nächste El Niño bevorsteht. „Die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño 2020 kommt, liegt bei etwa 80 Prozent. Aber das ist ziemlich signifikant“, so Schellnhuber in einer Mitteilung des PIK.

El Niño: Neue Methode hat Vorwarnzeit verdoppelt

„Mit unserer Methode haben wir die bisherige Vorwarnzeit in etwa verdoppelt“, betont Bunde. Die frühzeitige Prognose basiert auf einem Algorithmus, der auf einer Netzwerk-Analyse der Lufttemperaturen im Pazifikraum beruht. Die Physiker hatten herausgefunden, dass schon im Jahr vor einem El Niño die Fernwirkung zwischen den Lufttemperaturen inner- und außerhalb des Kerngebiets deutlich stärker wird. Diesen Effekt nutzten sie für die Optimierung ihres Algorithmus. „Der Algorithmus ist relativ einfach und kommt ohne die großen globalen Klimamodelle aus“, erläuterte Bunde.

Mit ihrem neuen Algorithmus konnten die Forscher bereits die letzten beiden El-Niño-Ereignisse mehr als ein Jahr im Voraus prognostizieren. Aber auch die neue Methode bietet keine hundertprozentige Sicherheit, betonen die Forscher. Und auch über die Stärke und die Länge des Wetterereignisses können sie noch nichts sagen. Doch das wollen die Wissenschaftler ändern: Sie arbeiten daran, den Algorithmus zu erweitern, um künftig Aussagen über Stärke und Länge des prognostizierten El Niño machen zu können.

El Niño: Forscher kombinieren Messwerte und Mathematik für die Prognose

Eine „geschickte Kombination aus Messwerten und Mathematik ermöglicht uns einzigartige Einsichten – und diese stellen wir den betroffenen Menschen zur Verfügung“, sagt Schellnhuber. Dank langfristiger Vorhersagen können sich so beispielsweise Bauern auf die Wetterbedingungen besser einstellen und ihre Aussaat entsprechend anpassen. Bisher sind die Menschen in Tropen und Subtropen schlecht vorbereitet auf die verheerenden Folgen von El Niño.

Für sie bedeutet das beispielsweise leere Fischernetze und sturzbachartige Regenfälle (Peru), ausgedehnte Dürreperioden (Südamerika, Indonesien, Australien, Afrika). El Niño kann aber auch eine Änderung des Monsunverlaufs in Indien und mehr Regen in Kalifornien bedeuten.

Neue Methode sagte El Niño zu 80 Prozent korrekt vorher

Die neue Methode wurde von den Forschern 2013 im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“ publiziert. Seitdem lagen die Forscher in 80 Prozent aller prognostizierten Fälle richtig: Sie sagten korrekt vorher, dass es 2012, 2013 und 2017 keinen El Niño geben wird. Den Beginn des großen El Niño 2014 sagten sie ebenfalls richtig voraus und auch der letzte El Niño 2018 wurde korrekt prognostiziert. Nun warnen die Forscher vor dem nächsten El Niño 2020.

Das Wetterphänomen El Niño beeinflusst große Teile der Erde. Einige Beispiele:

  • Südamerika: starke Regenfälle und Überschwemmungen
  • Amazonasgebiet: Trockenheit
  • Mexiko: Wirbelstürme
  • Südostasien und Australien: Buschfeuer und riesige Waldbrände
  • Ostafrika: mehr Regen
  • südliches Afrika: Trockenheit
  • Peru*: warmes Meerwasser führt zu Planktonsterben, das führt zu einem Abwandern der Fische und leeren Fischernetzen, andernorts auch zur Korallenbleiche oder dem Sterben anderer Tiere
  • Indien: mehr Niederschlag während des Monsun

El Niño tritt alle paar Jahre auf - und kann verheerende Folgen haben

Der El Niño trat in den vergangenen 300 Jahren unregelmäßig alle paar Jahre auf. Die meisten El Niños sind nur schwach, während einige besonders verheerende Folgen haben. Der El Niño 2015/2016 führte im südlichen Afrika und Ostafrika zu Nahrungsmittelknappheit und politischer Instabilität. In Äthiopien waren bis zu 20 Millionen Menschen von Hunger und Wasserknappheit bedroht, weltweit waren geschätzt mehr als 60 Millionen Menschen betroffen.

Der Begriff El Niño kommt aus dem Spanischen und bedeutet eigentlich „der Junge, das Kind“, in Fall des Wetterphänomens ist „das Christuskind“ gemeint - denn El Niño tritt immer um die Weihnachtszeit herum auf. Quasi das Gegenstück zu El Niño ist La Niña (spanisch für „kleines Mädchen“). Hierbei handelt es sich um eine außergewöhnlich kalte Strömung im Pazifik, die dafür sorgt, dass es unter anderem in Indonesien sehr viel Regen gibt und in Peru Trockenheit herrscht.

Von Tanja Banner

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