Himmelskörper

Asteroid Apophis: „Gott des Chaos“ schrammt knapp an der Erde vorbei

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Der Asteroid Apophis („Gott des Chaos“) schrammt im April 2029 ganz knapp an der Erde vorbei. (Symbolbild)

Der Asteroid Apophis - benannt nach dem „Gott des Chaos“ ist berüchtigt. Kurzzeitig galt es als wahrscheinlich, dass er 2029 auf der Erde einschlägt. Das Risiko ist ausgeräumt - der Asteroid kommt jedoch sehr nahe. 

Sein Name verheißt nichts Gutes: Apophis, Gott des Chaos. Diesen Namen trägt der Asteroid (2004 MN4), der im Juni 2004 von Astronomen am Kitt-Peak-Nationalobservatorium im US-Bundesstaat Arizona entdeckt wurde. In der ägyptischen Mythologie ist Apophis der Gott des Chaos und der Finsternis. Und für kurze Zeit befürchtete man tatsächlich, dass Asteroid Apophis für Chaos auf der Erde sorgen könnte: Nach seiner Entdeckung berechnete man, dass der Asteroid mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,7 Prozent im Jahr 2029 mit der Erde kollidiert.

Doch die Besorgnis war unbegründet: Kurz nach der Berechnung entdeckte man Asteroid Apophis auf älteren Aufnahmen und konnte seine Bahn genauer berechnen. Dabei stellte sich heraus: Eine Kollision mit der Erde im Jahr 2029 ist ausgeschlossen, in der darauffolgenden Zeit wurde auch ein Einschlag auf der Erde im Jahr 2036 ausgeschlossen.

Asteroid Apophis trifft die Erde nicht - aber die Gefahr bestand

Apophis hat einen Durchmesser von etwa 370 Metern, ein Einschlag des Asteroiden auf der Erde hätte eine Energie von etwa 900 Megatonnen freigesetzt – das 18-fache der größten von Menschen verursachten Nuklearexplosion. Welche Auswirkungen das auf die Erde hätte, hängt stark davon ab, an welchem Ort und in welchem Winkel der Himmelskörper einschlägt.

Fest steht, dass ein Asteroid dieser Größenordnung bei einem Einschlag regionale Schäden verursachen würde – ein so genannter „globaler Killer“ wie der Asteroid, der vor 66 Millionen Jahren dafür verantwortlich war*, dass die Dinosaurier ausstarben*, müsste eine deutlich höhere Einschlagsenergie haben.

Apophis war der Asteroid mit dem (kurzzeitig) größten Einschlagsrisiko

Apophis gilt bis heute als der Asteroid, für den (zumindest kurzzeitig) das größte Einschlagsrisiko berechnet wurde. Auf der Turiner Skala, die von 0 (keine Gefahr) bis 10 (sichere Kollision, die die Zivilisation bedroht) reicht, wurde Apophis kurzzeitig mit 4 (engere Annäherung, die die Aufmerksamkeit der Astronomen erfordert) eingestuft. Mittlerweile ist Asteroid Apophis wieder mit 0 eingestuft.

Obwohl die Gefahr eines Einschlags längst gebannt ist, warten Asteroiden-Forscher gespannt auf den 13. April 2029. Das ist der Tag, an dem Apophis der Erde sehr nahe kommt. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 25.000 Kilometern pro Stunde wird der Asteroid dann bis auf 31.000 Kilometer an die Erdoberfläche herankommen. Das ist näher, als die Umlaufbahn von geostationären Satelliten wie beispielsweise Telekommunikations-Satelliten, die sich in einer Höhe von etwa 36.000 Kilometern über der Erde befinden. Apophis stellt allerdings keine Gefahr für die Satelliten dar, da er die geostationäre Umlaufbahn nicht schneidet.

Wie sich Asteroid Apophis der Erde nähert

Asteroid Apophis fliegt an der Erde vorbei - seltenes Ereignis

Dass ein so großer Asteroid* wie Apophis so nah an der Erde vorbeifliegt, ist ein seltenes Ereignis und eine gute Gelegenheit, die Astronomen ergreifen möchten. „Wir werden den Asteroiden mit optischen und Radar-Teleskopken beobachten“, erklärt die Nasa-Wissenschaftlerin Marina Brozovic in einer Mitteilung. „Durch die Radarbeobachtung könnten wir sogar in der Lage sein, Oberflächendetails zu erkennen, die nur ein paar Meter groß sind.“

Der Asteroid* ist so groß und kommt der Erde so nah, dass er sogar mit bloßem Auge sichtbar sein wird. Zum Zeitpunkt seiner geringsten Annäherung an die Erde wird er über den Atlantik ziehen – verfolgt von zahlreichen Teleskopen.

Der Weg von Asteroid Apophis im April 2029

Begegnung mit der Erde wird Kurs von Asteroid Apophis verändern

„Wir wissen, dass die nahe Begegnung mit der Erde den Kurs von Asteroid Apophis verändern wird“, erklärt der Astronom Davide Farnocchia vom Center für die Erforschung von erdnahen Objekten (CNEOS). Es sei sogar möglich, dass die Annäherung auch verändert, wie der Asteroid sich dreht. „Es ist auch möglich, dass es einige Änderungen auf der Oberfläche gibt, beispielsweise kleine Lawinen“, so Farnocchia.

Derzeit kennt die Forschung mehr als 2000 möglicherweise gefährliche Asteroiden. „Durch die Beobachtung von Apophis bei seinem Vorbeiflug 2029 erhalten wir wichtiges wissenschaftliches Wissen, das eines Tages für die planetare Verteidigung gebraucht werden könnte“, so Paul Chodas, Direktor des CNEOS.

Von Tanja Banner

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