5G

5G-Netze stören Wettervorhersage: Neue Technologie kann gefährlich werden

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Durch 5G könnte die Wettervorhersage künftig wieder deutlich schlechter werden, warnen Experten.

Störsignale, die von 5G-Netzen ausgehen, könnten die Arbeit von Wettersatelliten beeinträchtigen. Das betrifft lebensrettende Wettervorhersagen, warnen Experten.

Offenbach - Der Aufbau der 5G-Netze hat weltweit begonnen, viele Nutzer freuen sich bereits auf schnelles und zuverlässiges Internet. Was sie nicht ahnen dürften: Die 5G-Technologie könnte sich in Zukunft negativ auf Wettervorhersagen auswirken. Das liegt an Wettersatelliten, die meist passive Sensortechniken verwenden, um sehr schwache, natürliche Strahlung zu messen, die die Erde abgibt.

Auf einer Frequenz von 23,8 Gigahertz gibt beispielsweise Wasserdampf ein schwaches Signal ab, das die Wettersatelliten empfangen und womit sie die Luftfeuchtigkeit bestimmen. Diese Werte werden unter anderem für Wettervorhersagen genutzt, aber auch für die Vorhersage von Stürmen, von Hurrikan-Stärken oder die Prognose, wie sich ein Sturm* weiterentwickelt.

5G könnte Wettersatelliten beeinträchtigen und Wettervorhersage verschlechtern

Übertragen 5G-Stationen nun allerdings Signale in der Nähe dieser Frequenz, könnten diese Signale von Wettersatelliten empfangen und als Wasserdampf fehlinterpretiert werden. Die Folge: fehlerhafte Wettervorhersagen. Störungen durch 5G-Netze könnten künftige Wettervorhersagen um bis zu 30 Prozent verschlechtern und damit auf das Niveau von 1980 zurückwerfen, warnte Neil Jacobs, Chef der US-Wetterbehörde NOAA im Mai vor dem US-Kongress.

Die Störsignale werden in der Einheit Dezibel-Watt (dBW) gemessen. Gibt es genug Abstand zu den 23,8 Gigahertz des Wasserdampfs, wäre das unproblematisch, heißt es aus Fachkreisen. Die World Meteorological Organization (WMO) verlangte daher, dass das Rauschen auf -55 dBW beschränkt bleiben sollte, die US-Raumfahrtorganisation Nasa schlug mit -52,4 dBW einen ähnlichen Wert vor. Europäische Regulierer empfahlen -42 dBW, während die Federal Communications Commission (FCC) in den USA nur -20 dBW für nötig erachtete.

Wettersatelliten bedroht: Wie viel Rauschen 5G produzieren darf

Vor knapp einer Woche hat nun die Internationale Fernmeldeunion (ITU), die unter anderem zuständig ist für die internationale Regelung für die Nutzung von Frequenzen, auf einer Konferenz festgelegt, wie viel Rauschen die 5G-Netzbetreiber in der Nähe der 23,8-Gigahertz-Frequenz produzieren dürfen: bis 1. September 2027 sind es -33 dBW, danach -39 Dezibel-Watt. Offenbar möchte man den Aufbau der 5G-Netze zu Beginn nicht durch allzu strenge Regularien behindern.

Die Werte seien Kompromisse, entstanden durch lange Verhandlungen unter den ITU-Mitgliedsstaaten, heißt es nach der Konferenz. „Satellitendienste zur Unterstützung der Meteorologie und Klimatologie, die den Schutz des menschlichen Lebens und der natürlichen Ressourcen zum Ziel haben, werden vor schädlichen Hochfrequenzstörungen geschützt“, steht in einer abschließenden Pressemitteilung der ITU.

Experten ist der Puffer zwischen 5G und Wettersatelliten nicht genug

Doch Experten sind mit dieser Entscheidung der ITU nicht glücklich. Eine Studie der Nasa und der US-Wetterbehörde NOAA hatte zuvor ermittelt, dass es mindestens einen Puffer von -52,4 Dezibel-Watt geben muss, um die Beobachtung von Wasserdampf durch die Wettersatelliten nicht zu beeinträchtigen. Das europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) zeigt sich sehr enttäuscht von der Entscheidung der ITU. „Die erzielte Einigung reicht bei weitem nicht aus, um sicherzustellen, dass 5G-Anwendungen die Wetterbeobachtung bei 24 GHz nicht beeinträchtigen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Es sei beunruhigend und entmutigend zu sehen, „wie sich die Geschichte wiederholt und die Wissenschaft gegen gesellschaftlichen Druck verliert.“ Man habe gehofft, dass die Stimme der Wissenschaft mehr Gewicht habe – gerade vor dem Hintergrund, „dass die Gesellschaft jetzt dafür zahlen muss, dass sie die Warnungen vor der globalen Erwärmung ignoriert hat“, so die ECMWF weiter.

Für Deutschland spielen diese Werte erst einmal nur eine untergeordnete Rolle: Hierzulande wurden die Frequenzbereiche 2 GHz und 3,4 bis 3,7 GHz bei der 5G-Auktion versteigert. Trotzdem ist Deutschland von der Entscheidung der ITU betroffen: Ohne genaue Daten aus den USA sind exakte Wettervorhersagen* in Europa schwieriger, da sich Wettermuster global beeinflussen.

Rechtzeitige Wetterwarnungen retten Leben

Experten betonen, dass rechtzeitige Wetterwarnungen die Zahl der Todesfälle durch extremes Wetter in den vergangenen Jahrzehnten reduziert hat. Beispielsweise hätte man in den 80er Jahren nicht mehrere Tage im Voraus prognostizieren können, dass der Sturm „Sandy“*, der 2012 Teile der US-Ostküste verwüstete, auf Land treffen wird. Stattdessen hätte man wohl vorhergesagt, dass der Sturm aufs Meer zieht - und hätte wertvolle Vorbereitungszeit verloren, wie die „Washington Post“ berichtet.

„Diese Verbesserungen hängen direkt mit der Nutzung dieser Frequenzen zusammen“, betont die World Meteorological Organization (WMO). „Es muss eine Balance geben zwischen kurzfristigen kommerziellen und technologischen Interessen und langfristigem globalen Wohlbefinden und Sicherheit“ warnt Eric Allaix von der WMO. „Wir sollten nicht riskieren, viele der Vorteile unserer Warndienste rückgängig zu machen und damit möglicherweise den Verlust von Leben und Eigentum wieder zu steigern“.

Von Tanja Banner

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