Bild: ada.com

Wer krank ist, sollte zum Arzt gehen. Neben einer sorgfältig gestellten Diagnose erwartet uns da aber häufig ein überfülltes Wartezimmer und lange Wartezeiten. Wie schön wäre da eine eine Möglichkeit, sich schnell und zuverlässig von zu Hause helfen zu lassen? Genau das verspricht seit einiger Zeit die Service-App „Ada“.

Die App wurde von einem Berliner Start-Up entwickelt und machte letztes Jahr damit Schlagzeilen, 40 Millionen Euro von Investoren zu erhalten. Eine Menge Geld für eine gute Idee. Doch wie gut sind die Diagnose-Vorschläge einer sogenannten künstlichen Intelligenz wirklich?

Die Gesundheits-App „Ada“ ist schlicht und sehr einfach zu Bedienen. Man bekommt Fragen und jeweils mehrere Antwortmöglichkeiten, bis sie einem einen Diagnosevorschlag liefert. Foto: ada.com

Die Handhabung ist kinderleicht

Marc Raschke, Pressesprecher des Klinikum Dortmund hat die App selber mit dem Symptom „Schwindel“ ausprobiert. Er war überrascht von den vielen, sehr spezifischen Fragen wie „Hast du Schmerzen hinter dem Auge?“. Dabei muss man dann jeweils einschätzen, ob und wo Schmerzen oder andere Symptome auftreten. Am Ende präsentiert Ada einem mehrere Ergebnisse und sagt einem, bei wie vielen Leuten mit diesen Symptomen es zu der Krankheit kommt.

Künstliche Intelligenz die leider nicht überzeugt

Bei dem „Schwindel-Test“ gab es am Ende Diagnose-Vorschläge, die höchstens auf eine von zehn Personen zutreffen. Die meisten sogar auf noch weniger. Also: Keine Ergebnisse bei der man sich darauf verlassen kann, dass tatsächlich eine dieser seltenen Krankheiten auch auf einen selbst zutreffen. Hätte der Arzt mehr gewusst?.

Marc Raschke vermutet, dass die App vor allem Marketing-Zwecken dient. Denn es werde etwas versprochen, was nicht unbedingt gehalten wird: Eine verlässliche Diagnose.

Anhand der gesammelten Antworten und Fakten liefert die App nämlich zum einen Ergebnisse, die wenig überraschend sind. Zum Anderen liefert die App aber auch Ergebnisse, die man selber nicht in betracht gezogen hätte. Die Ergebnisse, die eher ungewöhnlich klingen, sind dann aber auch die, bei denen empfohlen wird zum Arzt zu gehen.

App ist hilfreich – kann aber gefährlich sein

Für Raschke ist klar, Nutzer müssen bei der Benutzung der App vorsichtig sein: „Es ist absolut gefährlich, sich bei dem heutigen stand der Technik auf die App zu verlassen.“

Die App kann eine gute Unterstützende zum Arztbesuch sein, aber von einer Ferndiagnose per Smartphone bleibt abzuraten. Dafür sind die Diagnose-Vorschläge zu ungenau und die Einschätzungen, die man als Antwort auf die Fragen geben muss, könnten viele überfordern. Bis also eine künstlichen Intelligenz genauso verlässlich ist, wie ein Besuch beim Arzt, wird es wohl noch ein paar Jahrzehnte dauern.

Nachtrag: Die App-Betreiber betonen, dass die App keinen Arztbesuch ersetzt. „Es ist uns wichtig, klarzustellen, dass Ada keine medizinischen Diagnosen stellt.“ Wir haben den Artikel entsprechend angepasst.

Die Ferndiagnose, also eine ärztliche Beratung, ohne dass der Arzt den Patienten persönlich trifft, ist in Deutschland verboten. Seit dem 1. Januar gibt es in Baden-Württemberg ein Pilotprojekt, dass Diagnosen und Patientengespräche über das Telefon erlaubt – sogar mit Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse. Damit soll getestet werden, wie zuverlässig so eine unpersönliche Beratung sein kann und ob dadurch Nachteile für den Patienten oder Arzt entstehen können.