Nach 150 Jahren

Tradition der Deutschen Post vor dem Aus – Service wird eingestellt

Am 31. Dezember 2022 ist Schluss. Die Deutsche Post stellt einen traditionsreichen Service ein. Er wurde zu kostspielig.

Dortmund – Die Deutsche Post will zunehmend digitaler werden. Dafür werden neue Angebote entwickelt, alte, analoge Services müssen weichen. Nachdem im Oktober das Einschreiben der Deutschen Post eingestellt wurde, trifft es nun den nächsten traditionsreichen Service.

150 Jahre alter Service der Deutschen Post wird eingestellt

160 Zeichen, Zustellung noch am gleichen Tag. Was nach einer SMS klingt, beschreibt einen Service der Deutschen Post, der sogar noch deutlich älter als die SMS ist: das Telegramm. Ein Dienst, der im 19. Jahrhundert entwickelt wurde und auch seine Hochkonjunktur erlebte.

Damals war das Telegramm die beste Kommunikationsmethode, um relativ schnell Nachrichten zu übermitteln. Private Telefone waren noch nicht verbreitet und die Briefzustellung dauerte mindestens vier Tage.

In unserer heutigen, digitalen Welt kaum noch vorstellbar, immerhin werden Whatsapp- oder andere Messenger-Nachrichten innerhalb von Sekunden übertragen. Dennoch hielt die Deutsche Post bis heute an dem traditionsreichen Service fest.

Deutscher Post-Service vor dem Aus: Letzte Möglichkeit am 31. Dezember 2022

Bereits 2000 beendet die Deutsche Post das Angebot, ein Telegramm ins Ausland verschicken zu können. Jetzt – 22 Jahre später – verabschiedet sich der Konzern endgültig vom Telegramm. Der Grund: zu teuer und wenig genutzt. Nach 150 Jahren kann am 31. Dezember also ein letztes Mal ein Telegramm über die Deutsche Post verschickt werden, wie ein Konzernsprecher gegenüber dem Portal Paketda mitteilte.

Das bestätigt ein Blick ins Telegramm-Buchungssystem. Als letzter Zustelltag kann der 31.12.2022 ausgewählt werden. Für 2023 wurden alle Termine deaktiviert. Viele Post-Kunden werden das Telegramm-Ende kaum bemerken, denn wer zuletzt noch auf den traditionsreichen Service zurückgriff, musste tief in die Tasche greifen.

Ein Telegramm ohne ein Schmuckbild kostete bis zu 12,90 Euro. Ein Schmuckbild kostet mindestens 4,20 Euro mehr. Und wem die 160 Zeichen nicht reichen, der muss für ein Telegramm in Überlänge noch einmal draufzahlen. Die Preise beginnen bei 18,35 Euro und für weitere 200 Zeichen muss man je 5,25 Euro bezahlen. Verbucht wird das unter der Option „extra lang“.

Das Telegramm ist nach 150 Jahren Geschichte. Die Deutsche Post beendet den Service.

Deutsche Post verabschiedet sich vom Telegramm – „nur noch vereinzelt aufgegeben“

Zwar wurde das Telegramm von der Deutschen Post auch in den vergangenen Jahren digitalisiert, doch machen Preise und Art der Nutzung klar, warum es sich dabei eher um ein Relikt aus vergangener Zeit als einen modernen Service handelt. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Verbraucher in jedem Fall eher zu einer SMS und später dann zu Messenger-Nachrichten griffen, um schnell und kostengünstig Nachrichten zu verschicken.

Laut Angaben der Deutschen Post wurden 1978 13 Millionen Telegramme verschickt – der absolute Höhepunkt des Angebots. Danach wurde es stetig weniger. Gegenüber Welt.de gab die Deutsche Post 2012 an, dass die Anzahl der verschickten Telegramme nicht mehr gezählt werde, „weil sie tatsächlich nur noch vereinzelt aufgegeben werden“.

Telegramm ist Geschichte – dieser Anbieter bietet eine Alternative zur Deutschen Post

Wer künftig also noch einmal eine analoge Kurznachricht verschicken will, muss auf das klassische Telegramm per Post verzichten. Für Verbraucher, für die SMS oder Whatsapp aber keine Option ist, gibt es eine Alternative. Wie Paketda berichtet, bietet das Unternehmen Pacster noch außergewöhnliche Grußschreiben an.

Wer bis Mitternacht eine Kurznachricht aufgibt, darf mit einer Zustellung am Folgetag zwischen 10 und 12 Uhr rechnen. Auch eine Zustellung am Sonntag ist möglich – natürlich nur gegen Kostenübernahme.

Laut Inside-Digital arbeitet das Unternehmen mit dem Expressdienst Go! zusammen, um die Telegramm-ähnlichen Nachrichten zuzustellen. Man kann mit der Nachricht sogar Blumen oder einer Flasche Sekt mitschicken. Damit dürfte der Service doch noch für manch einen interessant sein – zum Beispiel für all diejenigen, die in letzter Minute noch ein Geburtstagsgeschenk besorgen müssen.

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