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Die Deutsche Bahn ist bei ihren Kunden bekannt für Verspätungen. Auch ein paar Monate später als geplant kam am Donnerstag (18. Oktober) die App der DB für barrierefreies Reisen in die Stores. Obwohl die App „DB Barrierefrei“ nützliche Funktionen hat, schwächelt sie an wichtigen Punkten.

Reisende mit Behinderung können etwas leichter reisen

Das ursprüngliche Problem: Durchsagen am Bahnhof sind für Menschen mit Hörbehinderung häufig schwer zu verstehen. Auch das Lesen der Anzeigetafeln ist für manche Menschen eine Herausforderung.

Deshalb sollen Reisende mit der neuen DB Barrierefrei App Durchsagen, die ihr Gleis betreffen, als Textnachricht direkt aufs Handy bekommen. Dafür können sie vorher ihr Gleis „beobachten“. Die Nachrichten sollen sie sich auch mit der Sprachfunktion anhören können.

Auch die Information darüber, ob Aufzüge und Rolltreppen funktionieren, ist für viele Menschen extrem wichtig. Auf der App DB Barrierefrei können Fahrgäste nachsehen, ob die Aufzüge und Rolltreppen für die Weiterreise alle funktionieren.

Eine Merkliste zeigt alle Rolltreppen und Aufzüge, die häufig benutzt werden, praktisch auf einem Blick. Wer schon im Vorfeld Störungen bemerkt, kann also rechtzeitig eine alternative Fahrt antreten.

Der Service-Assistent soll zusätzlich ermöglichen, Unterstützung durch das Zugpersonal anzufordern.

Gute Idee mit Problemen bei der Umsetzung

Eine solche App ist für Menschen mit körperlichen Behinderungen ohne Zweifel sehr hilfreich und eine fortschrittliche Idee.

Vor allem die Durchsagen als Textnachricht auf dem Smartphone helfen Menschen mit Gehörschäden sicherlich weiter. Wenn man auf ein Gleis tippt und dann auf „Beobachten“ klickt, funktionieren diese auch sehr gut.

Allerdings gibt es ein paar Probleme bei der Umsetzung dieser App. Ein Beispiel: Wenn man nach Aufzügen und Rolltreppen am Dortmunder Hauptbahnhof sucht, zeigt die DB Barrierefrei folgendes:

Kann man also per Rolltreppe zum U-Bahn Gleis oder nicht? Bild: Lena Heising/Dortmund24

Kann man also mit der Rolltreppe zur U-Bahn oder nicht? Auch wenn man auf eine der Rolltreppen tippt, kommt nur die Meldung: „Für die Richtigkeit der Daten können wir keine Gewähr übernehmen. Die Laufrichtung der Rolltreppen kann noch nicht angegeben werden“.

Die App der Deutschen Bahn ist natürlich noch in ihrer Anfangsphase. Trotzdem wäre es für Nutzer wichtig zu wissen: Welche Rolltreppe funktioniert? Zu welchen Gleisen komme ich? Zu den Dortmunder U-Bahnen gibt es schließlich zwei Gleise. Auch die Laufrichtung der Rolltreppe ist dafür natürlich wichtig.

Sprachausgabe bei DB Barrierefrei nicht gefunden

Die angekündigte Service-Funktion, die es ermöglicht, Unterstützung durch das Zugpersonal anzufordern, besteht aus zwei Teilen: Der Telefonnummer für die Mobilitätszentrale und einem externen Link zu einem Anmeldeformular für eine Unterstützung beim Ein-, Um- oder Ausstieg. Der Anruf bei der Mobilitätszentrale kostet den Anrufer allerdings Geld – 20 Cent aus dem Festnetz und 60 Cent aus dem Mobilfunk.

Die angekündigte Sprachausgabe von DB Barrierfrei haben wir in der Dortmund24-Redaktion nicht gefunden. Die Funktion sollte die Bahnhof-Durchsagen auf dem Smartphone laut abspielen.

Es kann natürlich sein, dass wir diese Funktion – trotz längerem Suchen – schlichtweg übersehen und deshalb nicht gefunden haben. Vielleicht funktioniert die Sprachausgabe nur auf speziellen Handys – bei uns hat es jedenfalls nicht geklappt.

Durch „Im Zug“ sieht man Verspätungen und nächste Haltestellen

Die App hat außerdem noch eine „Im Zug“ Funktion, mit der man die nächsten Haltestellen, Verspätungen und zusätzliche Stopps im Blick hat. Für ICE, IC und EC-Fahrer funktioniert das einwandfrei. Regional- und S-Bahnen sind in dieser Funktion aber nicht eingeschlossen – im Gegensatz zur DB Navigator App.

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Die App DB Barrierefrei ist somit ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um körperlich behinderten Menschen ein Stück Unabhängigkeit beim Reisen zu geben. Allerdings gibt es bei der App selber auch ein paar Barrieren, die noch beseitigt werden könnten.